Pferde in der Kunst

Das sprechende Pferd

· The Equinest

Ein Mann steht neben einem Fuchs
Eine seltsame kleine Geschichte über ein Pferd, dessen Intelligenz leicht über dem Durchschnitt liegt.

Diese Erzählung stammt aus dem Buch The Talking Horse and Other Tales von F. Anstey.

Zum ersten Mal begegnete ich ihm auf dem Weg nach Sandown Park, an jenem scheußlich nassen Julinachmittag, an dem Bendigo die Eclipse Stakes gewann. Er saß mir im Zug auf der Hinfahrt gegenüber, und meine Aufmerksamkeit erregte zuerst der auffällige Gegensatz zwischen seiner Erscheinung und seiner Kleidung: Er hatte es nicht für angebracht gehalten, die für solche Anlässe übliche Garderobe anzulegen, und ich glaube, ich habe nie einen Mann gesehen, der sich herausfordernder als Pferdemann ausstaffiert hatte. Das Zeichen des Tieres prangte überall auf seiner Wäsche: Er trug Manschettenknöpfe in Form von Trensen, einen harten Jagdhut, einen Newmarket-Rock und äußerst enge Hosen. Und bei alledem war er von einem echten Sportsmann so weit entfernt wie irgendein Statist, der im Jagdchor je seine Sporen verkehrt herum getragen hat. Sein Gesichtsausdruck war sanft und harmlos, und seine wässrig blassen Augen und sein fliehendes Kinn erweckten den Eindruck, man könne ihn kaum auf etwas Feurigeres setzen als auf einen Spazierstock mit Goldknauf. Und doch weckte er irgendwie eher Mitleid als ein Gefühl der Lächerlichkeit: Er hatte jenen scheuen, sich selbst verleugnenden Blick, den eine kürzlich erlittene Demütigung hinterlässt, und trotz aller Übertreibungen war er offensichtlich ein Gentleman; zudem deutete etwas in seinem Wesen darauf hin, dass er von Natur aus – zumindest früher einmal – jede Art von Extrem gemieden hätte.

Er gab mir so viele Rätsel auf und interessierte mich so sehr, dass ich mein Bestes tat, mit ihm ins Gespräch zu kommen, nur um an der fahrigen Verlegenheit zu scheitern, mit der er allen Annäherungen begegnete; und als wir in Esher ausstiegen, trieb mich die Neugier, ihn weiter im Auge zu behalten.

Offenbar war er nicht gekommen, um Geld zu verdienen. Er mied die Haupttribüne, wo die Buchmacher paarweise zusammenhockten wie heisere Turteltauben; er hielt sich fern vom Mitgliederbereich, wo die Kapelle der Garde sich bemühte, den Elementen zu trotzen, die ihre Schalen in die Blechinstrumente ausgossen; er schlenderte lustlos über die Bahn, bis die Glocke zum Räumen läutete, und es schien, als suche er jemanden, den er nur finden wollte, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Sandown war, das muss man zugeben, an diesem Tag nicht so fröhlich wie sonst, mit seinem „überschwemmten Park“ und seinem „sommerlosen Himmel“, seinen wasserfesten Toiletten und Massen von Regenschirmen, deren Seiten fahl schimmerten, wenn sie das Licht einfingen – doch es herrschte allgemein die Entschlossenheit, die unzeitgemäße Nässe so weit wie möglich zu übersehen, und eine Spannung über das Hauptereignis des Tages, die kein Regenguss dämpfen konnte.

Das „Ten Thousand“ wurde gelaufen: Damen mit wundersam gefertigten Hauben senkten ohne Murren ihre Schirme, und elegante Herren auf ihren Kutschen schüttelten einander überschwänglich die Hände, als Bendigo unter rasendem Freudengebrüll am Zielpfosten vorbeizog. Im nächsten Augenblick sah ich mich nach meinem sonderbaren Fremden um und sah ihn in dem wohlmeinenden Versuch begriffen, einem an einen Baum gebundenen Kutschpferd ein Rosinenbrötchen aufzudrängen – eine Glanzleistung an Geistesabwesenheit, die in einem solchen Moment nur von der des Archimedes bei der Plünderung von Syrakus übertroffen wurde.

Danach konnte ich meine Neugier nicht länger zügeln – ich fühlte, dass ich ihn noch einmal ansprechen musste, und ergriff später eine Gelegenheit dazu, als wir allein auf einer Tribüne mit Blick auf das Ziel einer der kürzeren Strecken standen, indem ich ihm vorschlug, meinen Schirm mit mir zu teilen.

Ehe er annahm, warf er mir durch die Rinnsale, die von seiner ungeschützten Hutkrempe strömten, einen misstrauischen Blick zu. „Ich fürchte“, sagte ich, „das ist so, als schlösse man die Stalltür, nachdem das Ross gestohlen ist.“

Er zuckte zusammen. „Er wurde also gestohlen!“, rief er. „Dann haben Sie es gehört?“

Ich erklärte, ich hätte nur ein altes Sprichwort gebraucht, von dem ich dachte, es könnte ihm gefallen, und er seufzte schwer.

„Ich habe mich für einen Augenblick täuschen lassen“, sagte er. „Sie haben also erraten, dass ich mit Pferden vertraut bin?“

„Sie haben ja kaum ein großes Geheimnis daraus gemacht.“

„Die Sache ist die“, sagte er, der diese Anspielung auf seine Kleidung sofort verstand, „ich – ich ziehe diese Sachen an, um das Reiten nicht ganz zu verlernen – ich habe in letzter Zeit nicht auf einem Pferd gesessen. Früher bin ich ständig geritten – ständig. Ich war Stammgast in der Rotten Row – bis etwas geschah, das meine Nerven erschütterte, und jetzt warte ich nur darauf, dass sich der Schock legt.“

Ich wollte keine Fragen stellen, und wir gingen zum Bahnhof zurück und fuhren gemeinsam nach Waterloo hinauf, ohne das Thema noch einmal zu berühren.

Als wir uns jedoch trennten, sagte er: „Ob Sie wohl eines Tages meine ganze Geschichte hören möchten? Ich kann mir nicht helfen, ich glaube, sie würde Sie interessieren, und mir wäre es eine Erleichterung.“

Ich war gern bereit, mir anzuhören, was immer er mir erzählen wollte, und überredete ihn, an diesem Abend in meiner Wohnung mit mir zu speisen und danach sein Herz auszuschütten, was er in einem Maße tat, auf das ich, wie ich gestehe, nicht gefasst war.

Dass er selbst fest an seine eigene Geschichte glaubte, konnte ich nicht bezweifeln; und er erzählte sie durchweg mit der seltsamsten Mischung aus Eitelkeit und Bescheidenheit und in einem offensichtlichen Ringen zwischen einer dunklen Ahnung seiner eigenen Lächerlichkeit und dem Entschluss, sich in keiner einzigen Einzelheit zu schonen – was zwar meine Skepsis nicht überwand, aber unweigerlich Mitgefühl weckte. Trotz alledem sah ich mich, als er zum aufsehenerregenderen Teil seines Falles kam, zu Schlüssen darüber gedrängt, die ich hier nicht vorwegnehmen muss, da sie sich dem Leser wahrscheinlich selbst aufdrängen werden.

Ich gebe die Geschichte, so weit wie möglich, mit den Worten ihres Urhebers wieder und habe nur hinzuzufügen, dass sie hier niemals ohne seine volle Zustimmung und Billigung veröffentlicht worden wäre.

„Mein Name“, sagte er, „ist Gustavus Pulvertoft. Ich habe keinen Beruf und sechshundert im Jahr. Ich lebte als ruhiger und zufriedener Junggeselle, bis ich achtundzwanzig war, und dann begegnete ich zum ersten Mal Diana Chetwynd. Wir verbrachten Weihnachten im selben Landhaus, und es dauerte nicht lange, bis ich der ergebenste ihrer vielen Verehrer war. Sie war eines der vielseitigsten Mädchen, die mir je begegnet waren. Sie war eine begabte Musikerin, eine glänzende Laienschauspielerin; beim Billard konnte sie den meisten Männern dreißig von hundert Punkten vorgeben, und ihr Urteilsvermögen und ihr Wagemut im schwierigsten Gelände hatten ihr die herzliche Bewunderung aller Jagdreiter eingebracht. Und dabei war sie weder leichtlebig noch pferdenärrisch; sie schien wenig Vergnügen an der Gesellschaft bloßer Sportsleute zu finden und zog deren Unterhaltung bei Weitem die von Menschen vor, die, wie ich, eher angenehm als athletisch waren. Ich war damals, was immer ich heute sein mag, nicht ohne mein Teil an gutem Aussehen, und aus irgendeinem Grund gefiel es Miss Chetwynd, mir ein Maß an Gunst zu erweisen, das sie keinem anderen Mitglied der Hausgesellschaft gewährte.

Es war ärgerlich, zu spüren, dass meine Unkenntnis der Sportarten unter freiem Himmel, an denen sie solche Freude hatte, mich so sehr von ihrer Gesellschaft ausschloss; denn oft sah ich sie kaum vor dem Abend, wenn ich manchmal das Glück hatte, bei Tisch neben ihr zu sitzen; doch bei diesen Gelegenheiten konnte ich nicht übersehen, dass sie an meiner Gesellschaft einiges Vergnügen fand.

Ich glaube, ich habe noch nicht erwähnt, dass Diana, abgesehen davon, dass sie bezaubernd schön war, eine Erbin war, und nicht ohne das Gefühl meiner eigenen Anmaßung erlaubte ich mir die Hoffnung, sie eines Tages zu gewinnen. Immerhin war ich nicht völlig mittellos, sie war ihre eigene Herrin, und ich hatte, wie gesagt, einigen Grund zu der Annahme, dass sie mir zumindest nicht abgeneigt war. Es schien zum Beispiel ein günstiges Zeichen, als sie mich eines Tages fragte, warum ich nie ritt. Ich antwortete, ich sei seit Jahren nicht geritten – wobei ich nicht hinzufügte, dass die genaue Zahl dieser Jahre achtundzwanzig betrug.

‚Oh, aber Sie müssen wieder damit anfangen!‘, sagte sie mit der hübschesten gebieterischen Miene. ‚Sie sollten nächste Saison in der Row reiten.‘

‚Wenn ich das täte‘, sagte ich, ‚würden Sie mich dann manchmal mit Ihnen reiten lassen?‘

‚Wir würden uns natürlich begegnen‘, sagte sie, ‚und es ist so schade, das Reiten nicht weiter zu pflegen – Ihnen entgeht so viel, wenn Sie es nicht tun.‘

Lag ich falsch, wenn ich das als Andeutung verstand, dass mir mein Lohn nicht entgehen würde, wenn ich ihrem Rat folgte? Hätten Sie ihr Gesicht gesehen, als sie das sagte, hätten Sie dasselbe gedacht wie ich damals – und wie ich heute.

Und so überwand ich mit diesem Ansporn alle heimlichen Bedenken und besuchte bald nach meiner Rückkehr in die Stadt eine vornehme Reitschule nahe dem Hyde Park, fest entschlossen, mir die ganze Kunst und alle Geheimnisse der Reiterei anzueignen.

Dass mir das Lernen Freude bereitet hätte, kann ich mit gutem Gewissen nicht behaupten. Ich habe glücklichere Stunden verbracht als jene, in denen ich auf einem schnaubenden Pferd an vier kahlen, weiß getünchten Wänden entlanggaloppierte, die mir verbotenen Steigbügel über dem Sattel gekreuzt. Der Reitlehrer teilte mir von Zeit zu Zeit mit, dass ich gut vorankäme, und ich spürte instinktiv, wann ich herunterkam; aber ich muss einige Fortschritte gemacht haben, denn mein Lehrer wurde ermutigender. ‚Na, als Sie zuerst herkamen, Mr. Pulvertoft, Sir, da waren Se wie ’ne Feuerzange auf ’ner Mauer, wie man so sagt; wohingegen jetzt – na, Sie können ja selber sagen, wie Se sind‘, pflegte er zu sagen; obwohl ich selbst dann gelegentlich Grund hatte, zu bedauern, dass ich nicht auf einer Mauer saß. Dennoch hielt ich durch, beflügelt von dem Gedanken, dass jedes neue Pferd, das ich bestieg (und manche waren wirklich sehr frisch), eine weitere überwundene Hürde zwischen mir und Diana bedeutete, und ermutigt durch die Entdeckung, nach wiederholten Versuchen, dass es sich auf Lohe eher angenehm als unangenehm fallen ließ.

Wenn ich in der Row spazieren ging, wo ein paar Reiter als Vorboten des Frühlings ihre Runden drehten, kritisierte ich ihr Reiten, das ich mittelmäßig fand, da sie fast alle Regeln missachteten. Ich begann, mich auf einen Tag zu freuen, an dem ich einen reineren und klassischeren Reitstil vorführen würde. Und eines Morgens sah ich Diana, die ihre tänzelnde Stute anhielt, um mich zu fragen, ob ich an ihren Rat gedacht hätte, und ich konnte stolz antworten, dass ich mich gewiss schon bald in der Row zeigen würde.

Von diesem Tag an fragte ich meinen Reitlehrer unablässig, wann ich seiner Ansicht nach reif für die Rotten Row sei. Er war skeptisch, riet mir aber nicht direkt ab. ‚Es ist nämlich so, Sir‘, erklärte er, ‚wenn Se ’n ruhiges, braves Pferd erwischen – na, dann passiert Ihnen nix; aber wenn Se auf ’nem Tier ausreiten, das Sie ausnutzt, Mr. Pulvertoft, na, dann sind Se auf dem ganz verloren, Sir.‘

In der Reitschule hätte man mir ein Pferd gestellt; aber ich kannte die meisten Pferde dort, und keines entsprach ganz meinem Ideal eines ‚ruhigen, braven Pferdes‘; also ging ich zu einem Mietstallbesitzer in der Nachbarschaft, bei dem ich gelegentlich einen Brougham gemietet hatte, und bat, mir ein Tier zu zeigen, das er jemandem empfehlen könne, der in letzter Zeit nicht viel Übung gehabt habe. Er gab ganz offen zu, dass die meisten seiner Pferde ‚’ne Menge Reiterei verlangten‘, fügte aber hinzu, dass er zufällig gerade eines habe, das mir ‚zum Umfallen gut‘ passen würde – eine Wendung, die mir unangenehm auf die Nerven ging, obwohl ich einwilligte, mir das Pferd anzusehen. Sein Anblick beeindruckte mich überaus günstig. Es war ein Fuchs von edlen Proportionen mit geschorener Mähne; was mich aber beruhigte, war der Ausdruck seines Auges, der eine Selbstachtung und Klugheit verriet, die man für sieben Schilling und sechs Pence die Stunde kaum erwarten würde.

‚’N prächtigeren Gaul für den Park kriegen Se nich’, nich’ bei so ’ner Ruhe‘, sagte sein Besitzer. ‚Das is’, was man ’n gutmütiges Pferd nennt, und so sanft – den könnten Se an ’nem Bindfaden reiten.‘

Ich hielt Zügel für sicherer, doch das Pferd zog mich mächtig an: Es schien mir bewusst zu sein, dass es einen guten Ruf zu verlieren hatte, und eine zu hohe Intelligenz zu besitzen, um seine Empfehlungen mutwillig zu verspielen. Fast ohne nachzudenken, mietete ich es für den folgenden Nachmittag.

Ich stieg im Stall auf, mit nur einem flüchtigen Anflug von Unbehagen vielleicht, während mir die Steigbügelriemen eingestellt wurden, und einer kleinen Ungeschicklichkeit beim Aufnehmen der Zügel, die verdrehter waren, als mir lieb gewesen wäre; doch schließlich fand ich mich auf dem Rücken des Fuchses – der übrigens Brutus hieß – im Strom des Verkehrs wieder.

Werde ich je den Stolz und die Verzückung vergessen, als ich merkte, dass ich mein Ross vollkommen in der Gewalt hatte, dass wir uns mit absoluter Sicherheit durch das Gewirr der Kutschen schlängelten? Ich lenkte ihn in den Park und schnalzte mit der Zunge: Er fiel in einen Galopp, und wie soll ich mein Entzücken über die Entdeckung beschreiben, dass es nicht unbequem war? Ich sagte ‚Brrr‘, und er hielt an, so allmählich, dass mein Gleichgewicht nicht ernstlich gestört wurde; er trabte, und noch immer passte ich mich seinen Bewegungen ohne ausgesprochene Unannehmlichkeit an. Ich hätte ihn vor Dankbarkeit umarmen können: Nie zuvor hatte ich auf einem Tier gesessen, dessen Gänge so bequem, dessen Benehmen so rücksichtsvoll war. Endlich konnte ich reiten! Oder, was auf dasselbe hinauslief, ich konnte das Pferd reiten, auf dem ich saß, und ich würde ‚kein anderes mehr nehmen‘. Gleich würde ich Diana Chetwynd begegnen und brauchte nicht einmal ihre kritischen Blicke zu fürchten.

Wir hatten die Serpentine-Brücke überquert und bogen gerade in den Reitweg ein, als – und hier bin ich mir nur allzu bewusst, dass Ihnen das, was ich jetzt sagen werde, fast unglaublich vorkommen mag – als ich eine fremde Stimme hörte, die mich mit ‚He, Sie da!‘ ansprach, und im nächsten Augenblick begriff, dass sie von meinem eigenen Pferd kam!

Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich um ein Haar heruntergefallen wäre; denn auch ein geübterer Reiter, als ich zu sein behaupten konnte, hätte Mühe gehabt, in dieser nahezu beispiellosen Lage die Fassung zu bewahren. Ich war zu sehr damit beschäftigt, nach meinem linken Steigbügel zu tasten, um zu antworten, und gleich darauf sprach das Pferd erneut. ‚Sagen Sie mal‘, fragte er, und ich konnte in seinem Ton nicht die geringste Spur von Respekt entdecken, ‚glauben Sie eigentlich, dass Sie reiten können?‘ Sie können selbst ermessen, wie verwirrend diese Frage aus einem solchen Munde gewesen sein muss: Ich fühlte mich wie im Sattel festgewachsen – ein Gefühl, das bei mir ziemlich selten war. Ich sah mich in hilfloser Verwirrung um, auf die schimmernde Serpentine und die weißen Häuser in der Park Lane, die aus einem fliederfarbenen Dunst hervorleuchteten, auf die kakaofarbene Row und das Aufblitzen ferner Kutschräder im Sonnenlicht: Alles sah aus wie immer – und doch saß ich auf dem Rücken eines Pferdes, das mich gerade gefragt hatte, ‚ob ich glaube, dass ich reiten kann‘!

‚Ich habe zwei Dutzend Stunden in einer Reitschule genommen‘, sagte ich schließlich, mit ziemlich schlaffer Würde.

‚Das hätte ich kaum vermutet‘, lautete seine brutale Erwiderung. ‚Sie sind offensichtlich einer der hoffnungslosen Fälle.‘

Ich war tief gekränkt, umso mehr, als ich nicht leugnen konnte, dass er einen gewissen Anspruch hatte, darüber zu urteilen. ‚Ich – ich dachte, wir kämen so gut miteinander aus‘, stammelte ich, und alles, was er darauf erwiderte, war: ‚So?‘

‚Wissen Sie‘, begann ich in dem Bemühen, Konversation zu machen, ‚ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen, das spricht.‘

‚Sie bringen jedes Pferd zum Sprechen‘, antwortete er, ‚aber ich bin wohl eine Ausnahme.‘

‚Das müssen Sie wohl sein‘, sagte ich. ‚Die einzigen Pferde, von denen ich je gehört habe, dass sie die Gabe der Sprache besäßen, waren die Houyhnhnms.‘

‚Woher wollen Sie wissen, dass ich keiner von ihnen bin?‘, erwiderte er.

‚Wenn Sie einer sind, werden Sie verstehen, dass ich mir die Freiheit, Sie zu besteigen, in einem sehr verzeihlichen Irrtum genommen habe; und wenn Sie die Güte hätten, stehen zu bleiben, will ich Sie nicht länger aufhalten.‘

‚Nicht so schnell‘, sagte er, ‚ich will zuerst noch etwas mehr über Sie wissen. Ich würde sagen, Sie sind ein Mann mit reichlich Hafer.‘

‚Ich bin – wohlhabend‘, sagte ich. Wie sehr wünschte ich, ich wäre es!

‚Ich halte schon lange Ausschau nach einem Besitzer, der mich nicht überanstrengt: Nun weiß ich es natürlich nicht, aber Sie machen mir kaum den Eindruck eines scharfen Reiters.‘

‚Ich glaube nicht, dass man mir das zu Recht vorwerfen könnte‘, antwortete ich im vollen Bewusstsein meiner Unschuld.

‚Eben – dann kaufen Sie mich.‘

‚Nein‘, keuchte ich, ‚nach der überaus offenen Meinung, die Sie über mein Reiten zu äußern so freundlich waren, wundert es mich, dass Sie so etwas überhaupt vorschlagen.‘

‚Oh, damit werde ich mich abfinden – Sie werden mir schon gut genug passen, schätze ich.‘

‚Sie müssen mich entschuldigen. Ich ziehe es vor, mein übriges Geld für würdigere Zwecke aufzuheben; und mit Ihrer Erlaubnis werde ich den Rest des Nachmittags zu Fuß verbringen.‘

‚Nichts dergleichen werden Sie tun‘, sagte er.

‚Wenn Sie nicht anhalten und mich ordentlich absteigen lassen‘, sagte ich mit Bestimmtheit, ‚lasse ich mich herunterrollen.‘ Es waren einige Spaziergänger in Rufweite; aber wie sollte ich einen Hilferuf formulieren, wie eine Zwickmühle wie die meine erklären?

‚Dann zwingen Sie mich nur zu der unangenehmen Notwendigkeit, mich auf Ihnen zu wälzen‘, erwiderte er. ‚Sie müssen doch einsehen, dass Sie bis zu einem gewissen Grad in meiner Gewalt sind. Angenommen, mir käme in den Sinn, über das Geländer dort zu springen und Sie in die Serpentine zu tragen, oder durchzugehen und mit Ihnen einen berittenen Polizisten umzurennen – glauben Sie, Sie könnten viel dagegen ausrichten?‘

Ehrlich gesagt konnte ich das nicht behaupten. ‚Man hat Sie mir‘, sagte ich vorwurfsvoll, ‚als gutmütiges Pferd vorgestellt!‘

‚Und das bin ich auch – abgesehen von geschäftlichen Angelegenheiten. Also, kaufen Sie, oder soll ich mit Ihnen durchgehen? Ich hasse Unentschlossenheit!‘

‚Kaufen!‘, sagte ich mit kaufmännischer Entschlossenheit. ‚Wenn Sie mich zurückbringen, regle ich das sofort.‘

Ich brauche kaum zu sagen, dass mein einziger Gedanke war, heil von seinem Rücken herunterzukommen: Danach konnten weder Ehre noch Gesetz von mir verlangen, einen Vertrag zu erfüllen, der mir durch Drohungen abgepresst worden war. Doch als wir die Stallgasse hinuntergingen, sagte er nachdenklich: ‚Ich habe mir überlegt – es wird für alle Beteiligten besser sein, wenn Sie meinem Besitzer Ihr Angebot machen, bevor Sie absteigen.‘ Ich war zu verärgert, um zu sprechen: Die höllische Intelligenz dieses Tieres hatte mein Manöver vorausgesehen – er wollte es vereiteln, wenn er konnte.

Und dann klapperten wir unter das Glasdach des Hofes der Mietstallung; und der Mietstallbesitzer, der allein dort war, blickte zu der bleichgesichtigen Uhr hinauf, als vergleiche er ihre Blässe mit meiner eigenen. ‚Nanu, Sie sind ja früh zurück, Sir‘, sagte er. ‚Der Gaul war Ihnen doch nich’ zu viel, oder?‘ Er sagte das ohne jeden Verdacht der wirklichen Wahrheit; und tatsächlich kann ich ein für alle Mal sagen, dass dieses unheimliche Pferd – Houyhnhnm oder was auch immer er sein mochte – niemanden außer mir in das Geheimnis seiner wunderbaren Gaben einweihte und es bei all seinen Gesprächen mit mir verstand (wie, kann ich nicht sagen), nicht belauscht zu werden.

‚Oh, nein, keineswegs‘, beteuerte ich, ‚er hat mich bewundernswert getragen – bewundernswert!‘, und ich machte einen Versuch, herunterzugleiten.

Nichts da: Brutus brachte sich mir sofort in Erinnerung – und mich ins Wanken – durch die leiseste Andeutung eines Bocksprungs.

‚Ein prächtiger Gaul, Sir, nich’ wahr?‘, sagte der Mietstallbesitzer selbstgefällig.

‚G… großartig!‘, stimmte ich ruckartig zu. ‚Würden Sie bitte seinen Kopf halten?‘

Doch das Pferd trat rückwärts in die Mitte des Hofes, wo es mit stiller Hartnäckigkeit zu springen begann. ‚Er gefällt mir so sehr‘, rief ich, während ich mich an den Sattel klammerte, ‚dass ich wissen möchte, ob Sie überhaupt geneigt wären, sich von ihm zu trennen?‘ Da wurde Brutus ruhig und aufmerksam.

‚Wären Se denn geneigt, mir ’n Angebot für ihn zu machen, Sir?‘

‚Ja‘, sagte ich matt. ‚Was würde er denn ungefähr kosten?‘

‚Kommen Se doch hier in mein Kontor, Sir‘, sagte er, ‚dann besprechen wir das.‘

Ich wäre nur allzu gern dazu bereit gewesen, denn dort war kein Platz für das Pferd, aber das misstrauische Tier wollte nichts davon wissen: Es begann sofort, sich im Kreis zu drehen.

‚Regeln wir es gleich – hier‘, sagte ich, ‚ich kann nicht warten.‘

Der Mietstallbesitzer strich sich ein Grinsen aus dem Gesicht. Zweifellos hatte eine solche Hast etwas Ungeschäftsmäßiges und Unpraktisches an sich, besonders im Verein mit meinem damaligen Aussehen.

‚Na, Sie ham ja ’nen mächtigen Narren an dem Gaul gefressen, und das is’ kein Irrtum, Sir‘, bemerkte er.

‚Ich habe nie ein schöneres Geschöpf geritten‘, sagte ich; was für einen Kaufinteressenten kaum eine kluge Bemerkung war, aber schließlich galt es, das Tier selbst zu besänftigen.

‚Ich weiß wirklich nich’, ob ich grade um diese Jahreszeit ohne ihn auskomme‘, sagte der Mann. ‚Ich hab so schon zu wenig Pferde für die Arbeit, die ich zu erledigen hab.‘

Eine süße Erleichterung beschlich mich: Ich hatte alles getan, was man von mir erwarten konnte. ‚Das tut mir sehr leid zu hören‘, sagte ich und schickte mich an abzusteigen. ‚Das ist eine Enttäuschung; aber wenn Sie nicht können, dann ist die Sache erledigt.‘

‚Keine Sorge‘, sagte Brutus, ‚er verkauft mich bereitwillig genug: Machen Sie ihm ein Angebot, schnell!‘

‚Ich gebe Ihnen dreißig Guineen für ihn, na?‘, sagte ich, wohl wissend, dass er nicht einmal das Doppelte nehmen würde.

‚Ich dachte, ein Gentleman wie Sie hätte mehr Einsicht in den Wert von ’nem Pferd‘, sagte er, ‚allein seine Gänge sind das wert, Sir.‘

‚Sie könnten mir die Gänge wohl nicht ohne das Pferd überlassen?‘, sagte ich, und ich muss wohl irgendeinen Scherz beabsichtigt haben.

Es ist unnötig, eine peinliche Szene in die Länge zu ziehen. Brutus trieb mich stetig von Summe zu Summe hinauf, bis sein Besitzer schließlich sagte: ‚Na, wir wollen nich’ feilschen, Sir, sagen wir hundert.‘

Ich musste hundert sagen, und was noch schlimmer war, es waren hundert. Ich nahm ihn ohne Gewährleistung, ja sogar ohne tierärztliches Gutachten. Man hätte mich dazu bringen können, meine Erwerbung auf der Stelle mitzunehmen, als hätte ich einen Kanarienvogel gekauft, so wenig war ich an Geschäfte dieser Art gewöhnt, und ich fürchte, der Mietstallbesitzer hielt mich für kaum besser als einen Narren.

So fand ich mich als unfreiwilliger Besitzer eines Houyhnhnm oder von etwas noch Schlimmerem wieder und ging wie betäubt in meine Wohnung in der Park Street zurück. Was sollte ich mit ihm anfangen? Ein so brutal offenherziges Tier zu reiten, wäre eine ständige Buße; und doch würde ich ihn behalten müssen, denn ich wusste, dass er schlau genug war, jeden Versuch, ihn loszuwerden, zu vereiteln. Und dahin hatten mich Liebe und Ehrgeiz geführt! Nach allem, was ich gesagt hatte, konnte ich mich Diana nicht als bloßer Fußgänger mit irgendeiner Zuversicht nähern: Die Tatsache, dass ich ein gesundes Pferd besaß, das ich nie ritt, würde mit der Zeit gewiss durchsickern, und wie sollte ich das erklären? Ich sah keinen Ausweg und stöhnte unter einer Verlegenheit, die ich nicht einmal dem freundlichsten Ohr anzuvertrauen wagte. Ich hasste das Ungeheuer, das sich mir aufgesattelt hatte, und suchte vergeblich nach einem Fluchtweg.

Ich musste Brutus in einem anderen Teil der Stadt unterstellen, denn er erwies sich als überaus schwer zufriedenzustellen: Er hatte an allem etwas auszusetzen, und ich wundere mich nur, dass er nicht verlangte, seinen Stall mit blauem Porzellan und Schabkunstblättern auszustatten. In seinem neuen Quartier überließ ich ihn einige Tage sich selbst: ein Vorgehen, das, wie ich bei meinem nächsten Besuch erfreut feststellte, seine Überheblichkeit erheblich gedämpft hatte. Er wollte in die Row und die anderen Pferde sehen, und es passte ihm ganz und gar nicht, dort zu unmodischen Zeiten von einem Stallknecht bewegt zu werden. Also schlug er einen Kompromiss vor. Wenn ich nur einwilligte, ihn zu reiten, verpflichtete er sich, mich mit Nachsicht zu behandeln, und wies darauf hin, dass er mir, wie er sich ausdrückte, verschiedene ‚Tipps‘ geben könne, die meinen Sitz verbessern würden. Ich war nicht blind für die Vorteile einer solchen Abmachung. Nicht jeder bekommt einen Reitlehrer in Gestalt seines eigenen Pferdes; das Pferd ist von Natur aus ein großmütiges Tier, und ich fühlte, dass ich mich auf Brutus’ Ehre verlassen konnte. Und um ihm gerecht zu werden: Er hielt die Abmachung mit strenger Redlichkeit ein. Einige seiner ‚Tipps‘ kippten mich zwar beinahe aus dem Sattel, doch sie führten dazu, dass wir einander näherkamen; unser Verhältnis war weniger angespannt; es schien mir, als gewönne ich jeden Tag mehr Herrschaft über ihn, und ich war hinterher weniger steif.

Doch diese Illusion durfte ich nicht lange genießen. Als ich ihn eines Tages arglos fragte, ob er fände, dass meine Hände sich verbesserten, richtete er sein rechtes, sardonisches Auge auf mich. ‚Sie werden sich nie verbessern, alter Bohnensack‘ (denn er hatte begonnen, mich mit einer Ungeniertheit anzureden, die ich ihm brennend gern verübelt hätte); ‚Hände! Sie sägen mir doch die ganze Zeit das Maul ab. Und Ihre Füße stecken bis zum Anschlag in den Bügeln, und bei jedem Schritt kitzeln Sie mich unter den Schultern – ich schäme mich ja halb, mit Ihnen gesehen zu werden.‘

Ich war tief gekränkt. ‚Ich werde Ihnen das künftig ersparen‘, sagte ich kühl, ‚das ist mein letzter Auftritt.‘

‚Unsinn‘, sagte er, ‚deswegen brauchen Sie doch nicht gleich gereizt zu sein. Wenn ich es aushalte, können Sie es doch wohl auch! Aber wir werden eine neue Abmachung treffen.‘ (Ich habe nie ein Tier gekannt, das so versessen auf Abmachungen war wie er!) ‚Sie stören mich nur, wenn Sie an den Zügeln herumfummeln. Lassen Sie sie lang und überlassen Sie alles mir. Sagen Sie nur von Zeit zu Zeit, wohin Sie wollen, und ich kümmere mich darum – wenn ich nichts Besseres zu tun habe.‘

Ich fühlte, dass eine solche Übereinkunft alle Würde zerstörte, da sie das natürliche Verhältnis zwischen Pferd und Reiter auf den Kopf stellte; doch ich hatte kaum noch Selbstachtung übrig und willigte ein, da ich keine Möglichkeit sah, abzulehnen. Und alles in allem kann ich selbst heute nicht sagen, dass ich ernsthaften Grund hatte, an dem Gebrauch, den Brutus von meinen Zugeständnissen machte, etwas auszusetzen; er zeigte mehr Takt, als ich hätte erwarten können, wenn es darum ging, die bloß nominelle Natur meiner Autorität zu verschleiern.

Ich hatte nur eine ernsthafte Klage gegen ihn, nämlich dass er die Angewohnheit hatte, plötzlich mit einer bloß förmlichen Entschuldigung auszuscheren, um mit irgendeinem Cob oder einer Stute, deren Besitzern ich völlig fremd war, pferdische Höflichkeiten auszutauschen, sodass ich die verzweifeltsten Ausreden erfinden musste, um mein scheinbares Eindringen zu bemänteln: Doch es gelang mir, es auf verschiedene Weise zu erklären, und ich machte auf diese regellose und unfreiwillige Art sogar ein paar Bekanntschaften. Ich hätte mir gewünscht, er wäre ein weniger empfängliches Tier gewesen, denn auch wenn seine Liebeleien rein platonisch waren, ist es ziemlich demütigend, für das eigene Pferd den ‚Anstandswauwau‘ spielen zu müssen – eine Rolle, die ich ständig zu übernehmen hatte!

Wie es der Zufall wollte, war Diana über Ostern in Paris, und wir hatten uns seit meinem ersten Auftritt in der Row nicht gesehen; doch ich wusste, dass sie bald wieder in der Stadt sein würde, und mit vollendeter Diplomatie begann ich, Brutus’ Neugier durch allerlei beiläufige, halb geringschätzige Anspielungen auf Miss Chetwynds kleine Stute Wild Rose zu wecken. ‚Sie ist mir zu übermütig‘, sagte ich, ‚aber sie wird sehr bewundert, obwohl ich vermute, dass Sie von ihr nicht sonderlich beeindruckt wären.‘

So fiel es mir am ersten Nachmittag nach Dianas Rückkehr in die Row leicht, ihn unter dem Vorwand, Brutus Gelegenheit zu geben, sich ein Urteil zu bilden, dazu zu bewegen, mich an ihre Seite zu tragen. Diana, die mit einer gewissen Lady Verney, ihrer Anstandsdame, unterwegs war, begrüßte mich mit einem bezaubernden Lächeln.

‚Ich hatte keine Ahnung, dass Sie so gut reiten können‘, sagte sie, ‚Sie lenken Ihr schönes Pferd so mühelos – und mit so leichter Hand.‘

Das war keine Ironie, denn ich konnte mich jetzt ganz auf meinen Sitz konzentrieren; und da ich mich nie in die Lenkvorrichtung einmischte, mussten meine Hände wie der Inbegriff der Leichtigkeit wirken.

‚Er verlangt eine feinfühlige Hand‘, antwortete ich lässig, ‚aber bei mir geht er sehr gut.‘

‚Ich wünschte, Sie ließen mich eines Morgens seine Gänge ausprobieren, Pulvertoft‘, warf ein gewisser Colonel Cockshott ein, der mit ihnen ritt und den ich flüchtig kannte, ‚ich habe so eine Ahnung, dass er auf Kandare besser gehen würde.‘

‚Mit dem größten Vergnügen‘, begann ich, als ich gerade noch rechtzeitig bemerkte, wie Brutus warnend die Ohren anlegte. Der Colonel brachte beim Reiten etwa sechzehn Stone auf die Waage, und das mit Sporen! ‚Ich meine‘, fügte ich hastig hinzu, ‚es wäre mir ein Vergnügen gewesen – nur, um ehrlich zu sein, könnte ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, jemand anderem als mir selbst die Verantwortung für ihn anzuvertrauen.‘

‚Mein lieber Freund!‘, sagte der Colonel, der, wie ich sah, beleidigt war, ‚ich habe in meinem Leben noch nicht viele Pferde getroffen, mit denen ich nicht zurechtgekommen wäre.‘

‚Ich finde, Mr. Pulvertoft hat ganz recht‘, sagte Diana. ‚Wenn ein Pferd sich an jemanden gewöhnt hat, nimmt es eine fremde Hand so übel: Das verdirbt ihm tagelang die Laune. Genau aus diesem Grund verleihe ich Wild Rose niemals an irgendwen!‘

Der Colonel fiel entschieden schmollend zurück. ‚Der arme, liebe Colonel Cockshott!‘, sagte Diana, ‚er ist so stolz auf sein Reiten, aber ich finde, er drangsaliert ein Pferd wie ein Dragoner. Das nenne ich nicht reiten, Sie etwa?‘

‚Nun – kaum‘, stimmte ich mit lässiger Geringschätzung zu. ‚Ich halte nichts davon, ein Pferd durch Angst zu beherrschen.‘

‚Sie hängen sicher sehr an Ihrem?‘, fragte sie.

‚Hängen ist nicht das richtige Wort!‘, rief ich aus – und das war es gewiss nicht.

‚Ich bin nicht sicher, ob das, was ich über das Verleihen von Wild Rose gesagt habe, auch für Sie gilt‘, sagte sie. ‚Ich glaube, Sie wären sanft zu ihr.‘

Ich war mir sicher, dass ich sie mit aller Rücksicht behandeln würde; da ich aber bezweifelte, dass sie das ganz erwidern würde, sagte ich mit großer Geistesgegenwart, ich würde es als eine Art Entweihung betrachten, sie zu reiten.

Als Brutus und ich nach Hause gingen, bemerkte er, es sei gut, dass ich nicht eingewilligt hätte, ihn dem Colonel zu leihen.

‚Ja‘, sagte ich, entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, ‚Sie hätten ihn vielleicht nicht so rücksichtsvoll gefunden wie – nun, wie manch anderen!‘

‚Ich meinte, es war gut für Sie!‘, deutete er finster an, und mir lag nichts daran, um eine Erklärung zu bitten. ‚Was meinten Sie eigentlich‘, fuhr er fort, ‚als Sie sagten, Wild Rose würde mir nicht gefallen? Sie ist doch reizend – reizend!‘

‚In diesem Fall‘, sagte ich, ‚habe ich nichts dagegen, gelegentlich mit ihrer Herrin auszureiten – Ihnen zuliebe.‘

‚Sie haben nichts dagegen!‘, sagte er. ‚Sie werden müssen, mein Junge – und zwar jeden Nachmittag!‘

Ich unterdrückte ein Kichern: Letzten Endes ist der Mensch doch das edlere Tier. Ich konnte ein Pferd lenken – auf meine Weise. Meine kleine List war aufgegangen: Ich würde keine erzwungenen Bekanntschaften mit verwirrten Fremden mehr machen müssen.

Und nun verging mein Leben einige Wochen lang wie ein glücklicher Traum. Ich lebte nur für jene Stunden in der Row, wo Brutus sich so selbstverständlich Wild Rose zuwandte wie die Sonnenblume der Sonne, und Diana und ich wurden mit jedem Tag vertrauter. Glück und Sicherheit machten mich fast geistreich. Ich spottete gnadenlos über die exzentrischen Reitvorführungen, die man dort zu sehen bekam, und Diana ließ sich von meinen Bemerkungen zu dem süßesten silberhellen Lachen hinreißen. Was Colonel Cockshott betraf, den ich einmal verdächtigt hatte, mein Rivale werden zu wollen, so war er längst zu einer ‚vernachlässigbaren Größe‘ geworden; und wenn ich zögerte, Diana zu bitten, mir ihr süßes Selbst anzuvertrauen, dann nur, weil ich ein epikureisches Vergnügen daran fand, eine Spannung zu verlängern, die so wenig ungewiss war.

Und dann wurde mein Reiten ohne Vorwarnung für eine Weile unterbrochen. Man entdeckte, sehr zu seinem Ärger, dass Brutus eine Satteldruckstelle hatte, und er war sogar so ungerecht, mir die Schuld daran zu geben, obwohl ich meinerseits darin ein Zeichen treffender, wenn auch verspäteter Vergeltung sah. Ich hatte keine Lust, das Schicksal auf einem anderen Pferd herauszufordern, konnte aber dennoch nicht von der Row fernbleiben und erschien dort zu Fuß. Ich sah Diana mit dem Colonel reiten, der zu glauben schien, seine Gelegenheit sei endlich gekommen; doch jedes Mal, wenn sie an dem Geländer vorbeikam, an dem ich lehnte, hob sie die Augenbrauen und zog den Mund zu einem kleinen Bogen resignierter Langeweile herab, was mich vollkommen beruhigte. Dennoch war ich sehr froh, als Brutus wieder gesund war und wir erneut die Row hinuntergaloppierten, beide in bester Stimmung.

‚Ich habe die Pferde hier noch nie so viel wiehern hören wie in dieser Saison‘, sagte ich, um Konversation zu machen. ‚Können Sie sich das irgendwie erklären?‘ Denn manchmal gab er mir Auskünfte, mit denen ich Diana hinterher durch meine intime Kenntnis der Pferde beeindrucken konnte.

‚Wiehern?‘, sagte er. ‚Die lachen, das ist es, was die tun – und kein Wunder!‘

‚Oh!‘, sagte ich, ‚und was ist der Witz?‘

‚Na, Sie!‘, erwiderte er. ‚Sie glauben doch nicht etwa, dass Sie die hinters Licht führen? Die wissen alles über Sie, Gott segne Sie!‘

‚Ach, wirklich?‘, sagte ich verdutzt. Ich glaube, dieses Vieh hatte ein regelrechtes Vergnügen daran, mein Selbstwertgefühl zu schmälern.

‚Ich vermute, es hat sich über Wild Rose herumgesprochen‘, fuhr er fort. ‚Sie hat sich ungeheuer amüsiert, als ich es ihr erzählt habe. Ich fürchte übrigens, sie hat sich in all diesen Tagen ziemlich gelangweilt.‘

Ich verspürte den unwürdigen Drang, ihm seinen Dünkel ebenso zu stutzen, wie er meinen gedämpft hatte.

‚Nicht so sehr, glaube ich‘, sagte ich. ‚Mir schien, sie fand dieses braune Jagdpferd von Colonel Cockshott einen sehr angenehmen Ersatz.‘

So spät es für eine Wiedergutmachung auch sein mag, muss ich doch mit Scham eingestehen, dass ich mit dieser Unterstellung der armen kleinen Stute (vor der ich die höchste Achtung hatte) ein schändliches Unrecht tat; und ich möchte hier in der feierlichsten und nachdrücklichsten Weise meine aufrichtige Überzeugung kundtun, dass sie sich von Anfang bis Ende so verhalten hat, dass sie vor jeder Verleumdung hätte geschützt sein müssen.

Es war nur ein niederer Wunsch nach Vergeltung, eine kleinliche und unedle Bosheit, die mich trieb, Brutus’ Vertrauen auf diese Weise zu vergiften, und ich bereute die Worte, sobald ich sie ausgesprochen hatte.

‚Dieses Vieh!‘, sagte er und fuhr zusammen, als hätte ich ihn mit der Peitsche berührt – die ich nie benutzte –, ‚der hat doch keine zwei Gedanken in seinem großen Geigenschädel. Der einzige Offizier, den der tragen sollte, ist einer von der Heilsarmee!‘

‚Ich gebe zu, er hat nicht Ihre persönlichen Vorzüge und Ihr bezauberndes Benehmen‘, sagte ich. ‚Zweifellos war es falsch von mir, überhaupt etwas darüber zu sagen.‘

‚Nein‘, sagte er, ‚Sie – Sie haben mir einen Dienst erwiesen‘, und er verfiel in düsteres Schweigen.

Ich ritt wie gewöhnlich mit Diana und wollte gerade meiner Freude Ausdruck geben, unsere gemeinsamen Ausritte wieder aufnehmen zu können, als ihre Stute sich ein wenig vorschob und plötzlich ausschlug, mich am linken Bein traf und mir für einen Augenblick heftige Schmerzen bereitete.

Diana zeigte die rührendste Besorgnis und flehte mich an, sofort mit einer Droschke nach Hause zu fahren, während ihr Reitknecht sich um Brutus kümmerte. Ich lehnte die Droschke ab; doch da mein Bein wirklich schmerzte und Brutus eine Ungeduld zeigte, die ich nicht zu missachten wagte, musste ich ihre Seite verlassen.

Auf dem Heimweg sagte Brutus verdrießlich: ‚Es ist aus zwischen uns – haben Sie das gesehen?‘

‚Ich habe es gespürt!‘, erwiderte ich. ‚Sie hätte mir beinahe das Bein gebrochen.‘

‚Das galt mir‘, sagte er. ‚Es war ihre Art, mir zu bedeuten, dass wir künftig besser Fremde sein sollten. Ich habe ihr ihre Untreue vorgehalten; sie hat es natürlich abgestritten – das tut jede Stute; wir hatten eine Aussprache, und alles ist vorbei!‘

Einige Tage lang ritt ich ihn nicht, und als ich es wieder tat, fand ich ihn in byronscher Schwermut versunken. Anfangs wollte er sich sogar ganz auf der Bayswater-Seite des Parks halten, doch es gelang mir, ihm eine solche Schwäche auszureden. ‚Seien Sie ein Pferd!‘, sagte ich. ‚Zeigen Sie ihr, dass es Ihnen gleichgültig ist. Sie schmeicheln ihr nur, wenn Sie Ihre Gefühle verraten.‘

Diese Feinheit war ihm offensichtlich nicht in den Sinn gekommen, doch er war klug genug, die Kraft meiner Worte zu spüren. ‚Sie haben recht‘, gab er zu, ‚in mancher Hinsicht sind Sie doch kein völliger Narr. Sie soll sehen, wie wenig mir daran liegt!‘

Natürlich erwartete ich danach, Diana wie gewöhnlich zu begleiten, und es war eine bittere Enttäuschung für mich, festzustellen, dass Brutus nichts davon wissen wollte. Er hatte einen alten Bekannten im Park, einen Apfelschimmel, der, vermutlich aufgrund einer frühen Enttäuschung, ein eingefleischter Zyniker war und dessen Gesellschaft ihm gerade jetzt zusagte. Der Schimmel wurde regelmäßig von einer gewissen Miss Gittens geritten, deren Anblick, wenn sie mühsam auf und ab trippelte, Diana und mich oft belustigt hatte.

Und nun steuerte Brutus trotz all meiner Bemühungen geradewegs auf den Schimmel zu. Ich war nicht in so großen Schwierigkeiten, wie man hätte erwarten können, denn zufällig kannte ich Miss Gittens flüchtig, eine Dame, die nicht mehr in der Blüte der Jugend stand, sich aber noch eine drahtige Art von Mädchenhaftigkeit bewahrt hatte. Obwohl ich sie eher nicht mochte, fand ich es gerade da nötig, meinem Gruß einen Hauch von Überschwang zu verleihen. Sie fühlte sich, vielleicht nicht ganz unnatürlich, durch meine Bevorzugung geschmeichelt und bat mich, ihr ein wenig Reitunterricht zu geben, was ich – der Himmel möge es mir verzeihen! – zu tun übernahm.

Selbst heute sehe ich kaum, wie ich anders hätte handeln können: Ich konnte ihre Seite nicht verlassen, bevor Brutus die Freuden des Zynismus mit seinem grauen Freund ausgekostet hatte, und die Zeit musste irgendwie gefüllt werden. Doch, oh, die Qual, Diana in der Ferne zu sehen und zu wissen, dass uns nur ein elendes Missverständnis zwischen unseren beiden Pferden trennte, und mich sogar gezwungen zu fühlen, nicht in ihre Richtung zu blicken, damit sie mich nicht an ihre Seite rief!

Eines Tages, als ich mit Miss Gittens ritt, blickte sie mich verschämt über ihre spitze rechte Schulter an und sagte: ‚Wissen Sie, vor noch gar nicht langer Zeit hätte ich mir nicht einmal träumen lassen, dass wir je so vertraut miteinander werden würden, wie wir es jetzt sind; es scheint fast unglaublich, nicht wahr?‘

‚Das dürfen Sie nicht sagen‘, erwiderte ich. ‚Es ist doch gewiss nichts Ungewöhnliches daran, dass ich Ihnen ein wenig beim Reiten helfe?‘ Obwohl mir der Gedanke kam, dass es sehr ungewöhnlich gewesen wäre, wenn ich es getan hätte.

‚Vielleicht nicht ungewöhnlich‘, murmelte sie und blickte bescheiden an ihrer Nase hinab, ‚aber werden Sie mich sehr unmädchenhaft finden, wenn ich gestehe, dass diese Stunden für mich eine aufkeimende Gefahr mit sich gebracht haben?‘

‚Auf dem Schimmel sind Sie vollkommen sicher‘, sagte ich.

‚Ich – ich dachte nicht an den Schimmel‘, entgegnete sie. ‚Lieber Mr. Pulvertoft, ich muss offen sprechen – ein Mädchen hat so vieles zu bedenken, und ich fürchte, Sie haben mich vergessen lassen, wie falsch und gedankenlos ich mich in letzter Zeit verhalten habe. Ich kann den Verdacht nicht unterdrücken, dass Sie irgendeinen Beweggrund haben müssen, meine Gesellschaft auf so – so auffällige Weise zu suchen.‘

‚Miss Gittens‘, sagte ich, ‚ich kann nichts verbergen: Den habe ich.‘

‚Und Sie haben sich die ganze Zeit nicht bloß amüsiert?‘

‚Beim Himmel‘, rief ich inbrünstig, ‚das habe ich nicht!‘

‚Sie sind doch keiner von jenen falschen Männern, die die Zügel schütteln und mit einem „Lebewohl auf ewig!“ davonreiten – sagen Sie mir, dass Sie keiner sind!‘

Ich hätte meine Zügel schütteln können, bis ich müde war, und nichts wäre geschehen, solange Brutus nicht zum Aufbruch aufgelegt war; sodass ich ihr wahrheitsgemäß versichern konnte, dass ich ganz und gar nicht so ein Mensch sei.

‚Warum lassen Sie dann nicht Ihr Herz sprechen?‘

‚Es gibt so etwas‘, sagte ich düster, ‚wie ein geknebeltes Herz.‘

‚Kann kein Wort, kein Wink von mir den Knebel lösen?‘, wollte sie wissen. ‚Was, Sie schweigen noch immer? Dann, Mr. Pulvertoft, auch wenn es hart und grausam klingen mag: Unser angenehmer Umgang muss enden – wir dürfen nicht mehr zusammen reiten!‘

Nicht mehr? Was würde Brutus dazu sagen? Ich war entsetzt. ‚Miss Gittens‘, sagte ich in großer Erregung, ‚ich flehe Sie an, diese Worte zurückzunehmen. Ich – ich fürchte, ich könnte mich nicht verpflichten, eine solche Abweisung hinzunehmen. Danach werden Sie doch gewiss nicht darauf bestehen!‘

Sie seufzte. ‚Ich bin ein schwaches, törichtes Mädchen‘, sagte sie, ‚Sie sind nur allzu fähig, meine Vernunft zu überwinden. So, Mr. Pulvertoft, schauen Sie wieder glücklich drein – ich gebe nach. Sie dürfen bleiben, wenn Sie wollen!‘

Sie müssen mir glauben, dass ich mich gründlich schämte, denn ich konnte nicht übersehen, welche Ermutigung ich ihr, obwohl ich mich bemühte, bei der strengen Wahrheit zu bleiben, unschuldig zuteilwerden ließ. Aber was sollte ein Mann mit einem Pferd wie meinem tun? Was hätten Sie an meiner Stelle getan? Sobald es klug erschien, deutete ich Brutus an, dass seine vertraulichen Gespräche lange genug gedauert hätten; und als er mit mir davontrabte, bemerkte er: ‚Ich dachte schon, Sie wollten gar nicht mehr gehen.‘ Hatte er den Schimmel schon satt? Mein Herz machte einen Sprung. ‚Brutus‘, sagte ich mit belegter Stimme, ‚sind Sie stark genug, eine große Freude zu ertragen?‘

‚Heraus damit‘, sagte er, ‚und versuchen Sie bitte, mir die Absätze aus den Rippen zu halten.‘

‚Ich kann Sie nicht leiden sehen‘, sagte ich ihm, die ganze Zeit im Bewusstsein meiner eigenen Heuchelei. ‚Ich muss es Ihnen sagen – mir sind Umstände zu Ohren gekommen, die mich glauben lassen, dass wir beide Wild Rose zu voreilig beurteilt haben. Ich bin sicher, dass ihr Herz noch Ihnen gehört. Sie sehnt sich nur danach, Ihnen zu sagen, dass sie Ihnen nie wirklich untreu geworden ist.‘

‚Jetzt ist es zu spät‘, sagte er, und sein Hinterkopf sah unbeugsam starrsinnig aus, ‚wir sind zu lange getrennte Wege gegangen.‘

‚Nein‘, sagte ich, ‚hören Sie zu. Ich nehme mehr Anteil an Ihnen, als Ihnen vielleicht bewusst ist, und ich habe mir einen kleinen Plan ausgedacht, um Sie wieder zusammenzubringen. Was, wenn ich eine Gelegenheit finde, die Dame zu sehen, der sie gehört – wir haben uns in letzter Zeit nicht gesehen, wie Sie wissen, und ich gebe nicht vor, mir eine Erneuerung unserer Vertrautheit zu wünschen …‘

‚Sie mögen die auf dem Schimmel lieber; das habe ich längst gesehen‘, sagte er; und ich ließ ihn in seinem Irrtum.

‚Jedenfalls will ich mich Ihnen zuliebe opfern‘, sagte ich großmütig. ‚Ich fange morgen an. Na, Sie werden doch nicht zulassen, dass Ihr Leben an einem törichten Streit unter Liebenden zerbricht?‘

Er leistete ein wenig halbherzigen Widerstand, willigte aber schließlich, wie ich es gewusst hatte, ein. Ich hatte mein Ziel erreicht: Endlich war ich Miss Gittens los!

An diesem Abend traf ich Diana in der Halle eines Hauses am Eaton Square. Sie ging gerade die Treppe hinunter, als ich mir den Weg zum Ballsaal bahnte, und begrüßte mich mit einem ziemlich kühlen kleinen Nicken.

‚Sie haben mich in letzter Zeit ganz im Stich gelassen‘, sagte sie lächelnd, doch ich konnte den Vorwurf in ihren Augen lesen, ‚Sie reiten gar nicht mehr mit uns.‘

Meine Kehle schwoll vor leidenschaftlicher Beredsamkeit – und ich brachte nichts davon heraus.

‚Nein, nie mehr‘, war alles, was meine dumme Zunge zu sagen fand.

‚Sie haben eine angenehmere Begleiterin gefunden‘, sagte die grausame Diana.

‚Miss Chetwynd‘, sagte ich eifrig, ‚Sie wissen nicht, wie sehr ich mir gewünscht habe …! Lassen Sie mich morgen mit Ihnen reiten, so – so wie früher?‘

‚Sind Sie ganz sicher, dass Sie keine Angst vor meiner ungezogenen Wild Rose haben?‘, fragte sie. ‚Ich habe sie so ausgescholten, dass sie sich, glaube ich, gründlich schämt.‘

‚Sie dachten, das hätte mich ferngehalten!‘, rief ich. ‚Oh, wenn ich es Ihnen nur sagen könnte!‘

Sie lächelte: Sie war wieder meine liebe, freundliche Diana.

‚Sie sollen mir morgen alles darüber erzählen‘, sagte sie. ‚Eine andere Gelegenheit werden Sie nicht haben, denn wir reisen am Freitag nach Aix. Und jetzt gute Nacht. Ich halte den Verkehr auf, und der Fackelträger regt sich schon ganz darüber auf.‘

Sie ging weiter, und die Kutsche rollte mit ihr davon, und ich war zu glücklich, um mir viel daraus zu machen – hatte sie mir nicht vergeben? Würden wir uns nicht morgen sehen? Ich würde zwei ganze Stunden haben, um mich zu erklären, und diesmal würde ich nicht länger mit dem Glück spielen.

Wie aufgeregt war ich am folgenden Tag: wie ängstlich, als der Morgen grau und düster anbrach; wie dankbar, als später die gütige Sonne hervorkam und einen strahlenden Nachmittag versprach; wie sorgfältig kleidete ich mich an, und welchen Preis zahlte ich für die Blume in meinem Knopfloch!

So galoppierten wir auf die Row, ein so stattliches Paar (wenn man mir diese nachträgliche Eitelkeit verzeiht) wie irgendeines dort; und nach einer Weile erblickte ich mit dem scharfen Auge des Liebenden in der Ferne Dianas schlanke Gestalt. Sie war nicht allein, doch ich wusste, dass der Colonel mir bald seinen Platz würde räumen müssen.

Sobald sie mich sah, trieb sie ihre Stute zum Trab an und kam mit dem lieblichsten zarten Erröten und einem aufkeimenden Lächeln des Willkommens auf mich zu, als Brutus plötzlich wie angewurzelt stehen blieb, sodass ich ihm fast auf den Hals geworfen wurde, und an allen Gliedern zitternd dastand.

‚Sehen Sie das?‘, sagte er heiser. ‚Und ich war drauf und dran, ihr zu vergeben!‘

Ich sah es: Meine Unterstellung, anfangs völlig unbegründet, war nun nur allzu gerechtfertigt. Colonel Cockshott saß auf seinem knochigen braunen Jagdpferd, und selbst meine kurze Bekanntschaft mit Pferden genügte, um zu erkennen, dass Wild Rose ihm nicht mehr mit ihrer früheren Gleichgültigkeit begegnete.

Diana und der Colonel hatten angehalten und schienen auf mich zu warten – würde Brutus sich denn nie bewegen? ‚Zeigen Sie Ihren Stolz‘, flüsterte ich gequält, ‚behandeln Sie sie mit der Verachtung, die sie verdient!‘

‚Das werde ich‘, sagte er zwischen Gebiss und zusammengebissenen Zähnen.

Und dann kam Miss Gittens auf dem Schimmel vorbeigehoppelt, und ehe ich eingreifen konnte, schoss mein Houyhnhnm wie ein Pfeil hinter ihr her. Ich sah Dianas süßes, überraschtes Gesicht; ich hörte das schrille Lachen des Colonels, als ich vorbeikam, und ich – ich konnte mich nur mit gekränkter, flehender Miene verneigen und mich nach einem Abgrund sehnen, in den ich mich wie Curtius stürzen konnte!

Ich weiß nicht, was ich zu Miss Gittens sagte. Ich glaube, ich war rücksichtslos liebenswürdig, und ich erinnere mich, dass sie den Abschied auf schrecklich gefühlvolle Weise in die Länge zog. Ich war zu unglücklich, um mir etwas daraus zu machen: Die ganze Zeit sah ich Dianas erstaunte Augen, hörte Colonel Cockshotts herzloses Lachen. Brutus gab auf dem Heimweg eine Art Erklärung ab: ‚Sie haben es gut gemeint‘, sagte er, ‚aber Sie sehen ja, dass Sie sich geirrt haben. Ihr geplantes Opfer, für das ich Ihnen ebenso dankbar bin, als wäre es vollbracht worden, war nutzlos. Alles, was ich im Gegenzug tun konnte, war, Sie dorthin zu bringen, wo Ihre wahre Neigung lag. Auch ich kann selbstlos sein.‘

Ich war zu niedergeschlagen, um seine Selbstlosigkeit zu verfluchen. Ich gab mir nicht einmal die Mühe zu erklären, was sie mich wahrscheinlich gekostet hatte. Ich fühlte nur trübsinnig, dass ich meinen letzten Ausritt gemacht hatte; ich hatte für immer genug von der Reiterei!

An diesem Abend ging ich ins Theater, ich wollte die Gedanken für den Moment betäuben; und in einer der Pausen sah ich Lady Verney im Parkett und ging hinüber, um mit ihr zu sprechen. ‚Ihre Nichte ist nicht bei Ihnen?‘, sagte ich. ‚Ich dachte, ich hätte vielleicht Gelegenheit, mich – mich von ihr zu verabschieden, bevor sie auf den Kontinent reist.‘

Ich hegte noch die leise Hoffnung, sie würde mich zum Mittagessen einladen, damit ich noch einmal Gelegenheit zu einer Erklärung hätte.

‚Oh‘, sagte Lady Verney, ‚aber das hat sich alles geändert; wir fahren nicht – zumindest noch nicht.‘

‚Sie fahren nicht!‘, rief ich, ungläubig vor lauter Freude.

‚Nein, es kam alles sehr plötzlich; aber – nun, Sie sind fast wie ein alter Freund, und Sie werden es ohnehin früher oder später erfahren. Ich habe es selbst erst heute Nachmittag erfahren, als sie von ihrem Ausritt hereinkam. Colonel Cockshott hat ihr einen Antrag gemacht, und sie hat ihn angenommen. Wir sind so froh darüber. War die liebe Mrs. —— im letzten Akt nicht entzückend? Ich habe tatsächlich echte Tränen auf ihrem Gesicht gesehen!‘

Hätte ich noch viel länger gewartet, hätte sie eine ähnliche Darbietung von Realismus auf meinem sehen können. Doch ich ging zurück, saß die Pause aus, lauschte kritisch der klassischen Auswahl an Kammermusik aus dem Orchester und sah mir den Rest des Stücks an, obwohl ich keine Ahnung habe, wie es endete.

Die ganze Nacht wurde mein Herz langsam von einer dumpfen Wut verzehrt, die mit jeder schlaflosen Stunde wuchs; doch der Gegenstand meines Grolls war nicht Diana. Sie hatte nur getan, wozu sie als Frau nach der deutlichen Kränkung, die ich ihr allem Anschein nach zugefügt hatte, voll und ganz berechtigt war. Ihre Strafe war schon groß genug, denn ich ahnte natürlich, dass sie den Colonel nur unter dem ersten unerträglichen Stachel des Verlassenseins angenommen hatte. Nein: Ich hob meinen ganzen Zorn für Brutus auf, der mich im Augenblick des Triumphes verraten hatte. Ich plante Rache. Koste es, was es wolle, ich würde ihn noch einmal reiten. In den Augen des Gesetzes war ich sein Herr. Ich würde meine gesetzlichen Rechte voll ausschöpfen.

Endlich kam der Nachmittag. Ich glühte vor Zorn, auch wenn manche Umstehende, als ich in den Sattel stieg, meiner Gesichtsfarbe eine weniger wohlwollende Deutung gaben.

Brutus warf beim Aufbruch einen unbehaglichen Blick auf meine Fersen: ‚Was haben Sie denn da an?‘, fragte er.

‚Sporen‘, antwortete ich knapp.

‚Die sollten Sie nicht tragen, bevor Sie gelernt haben, die Fußspitzen nach innen zu drehen‘, sagte er. ‚Und eine Gerte auch noch! Darf ich fragen, wozu die gut sein soll?‘

‚Darüber sprechen wir gleich‘, sagte ich sehr kühl; denn ich wollte auf der Straße keine Szene mit meinem Pferd.

Als wir an der Achilles-Statue vorbei auf den Reitweg kamen, nahm ich die Zügel kürzer und fasste die Gerte fester, während ich bemerkte, dass mir aus einem Grund, den ich nicht erklären kann, der Gaumen unangenehm trocken wurde.

‚Ich hätte gern ein kleines ruhiges Gespräch mit Ihnen, wenn Sie nichts dagegen haben‘, begann ich.

‚Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung‘, sagte er und kaute mit einem Anflug von Ironie auf seinem Gebiss.

‚Zunächst lassen Sie mich Ihnen sagen‘, sagte ich, ‚dass ich meine einzige Liebe für immer verloren habe.‘

‚Na‘, erwiderte er leichtfertig, ‚daran werden Sie nicht sterben. Ich auch. Wir müssen versuchen, einander zu trösten!‘

Ich bewahrte noch immer eine tödliche Ruhe. ‚Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass Sie die alleinige Ursache meines Unglücks sind‘, sagte ich. ‚Hätten Sie gestern nur eingewilligt, Wild Rose entgegenzutreten, wäre ich jetzt ein glücklicher Mann!‘

‚Woher sollte ich das wissen, wenn Sie mich glauben ließen, Ihre ganze Zuneigung gehöre dem ältlichen Ding, das von meinem Freund, dem Schimmel, spazieren getragen wird?‘

‚Wir wollen bitte nicht streiten‘, sagte ich hastig. ‚Es genügt, dass Ihre höllische Selbstsucht und Ihr Eigensinn mein Glück zerstört haben. Ich habe Ihnen erlaubt, die Herrschaft an sich zu reißen und unsere natürlichen Rollen umzukehren. Das werde ich nicht mehr tun. Ich habe vor, Ihnen eine Lektion zu erteilen, die Sie nie vergessen werden.‘

Für ein Pferd hatte er wahrhaftig einen ausgeprägten Sinn für Humor. Ich dachte, die Sattelgurte würden reißen.

‚Und wann gedenken Sie anzufangen?‘, fragte er, sobald er sprechen konnte.

Ich blickte nach vorn: Da ritten Diana und ihr Verlobter auf uns zu; und so natürlich ist die Verstellung selbst den liebsten und besten Frauen, dass niemand ihrem strahlenden Gesicht angesehen hätte, dass sich hinter ihrer Fröhlichkeit ein schmerzendes Herz verbarg.

‚Ich gedenke jetzt anzufangen‘, sagte ich. ‚Ungeheuer, Dämon, was immer Sie sind, der Sie mich so lange in Knechtschaft gehalten haben, ich habe meine Ketten gesprengt! Ich war lange genug ein Feigling. Sie können mich umbringen, wenn Sie wollen. Ich hoffe eigentlich sogar, dass Sie es tun; aber zuerst will ich Ihnen etwas von der Demütigung heimzahlen, mit der Sie mich überhäuft haben. Ich habe vor, Sie zu verprügeln, solange ich im Sattel bleibe.‘

Augenzeugen haben mir erzählt, dass die Züchtigung nur kurz währte, aber solange sie dauerte, war sie, wie ich mir schmeichle, streng. Ich drosch mit einer kräftigen Gerte auf ihn ein, von deren Wirksamkeit ich mich durch Versuche an meinen eigenen Beinen überzeugt hatte. Ich stieß ihm meine geliehenen Sporen in die Flanken. Ich riss ihm im Maul. Ich vermute, er war fast ebenso überrascht wie getroffen. Aber getroffen war er!

Ich wollte meine handfeste Zurechtweisung gerade fortsetzen, als mein Opfer sich plötzlich meinem Griff entzog; und für eine lebhafte Sekunde schien ich seinen Rücken aus der Vogelperspektive zu betrachten; dann gab es einen Krach, und ich lag summend wie eine Biene in einem schillernden Nebel, und jede Farbe bedeutete einen anderen Schmerz, und schließlich verblassten sie in Dunkelheit, und ich erinnere mich an nichts mehr.

„Es dauerte Wochen“, schloss Mr. Pulvertoft, „bis sich diese Dunkelheit lichtete und ich mich als verschnürter und bandagierter Kranker wiederfand. Aber – und das ist vielleicht der merkwürdigste Teil meiner Erzählung – fast die ersten Klänge, die an meine Ohren drangen, waren Hochzeitsglocken; und ich wusste, ohne dass man es mir sagen musste, dass sie für Dianas Hochzeit mit dem Colonel läuteten. Das zeigte doch, dass mir nicht viel fehlte, nicht wahr? Ich höre sie jetzt sogar überall. Ich finde allerdings, sie hätte sie nicht in Sandown läuten lassen sollen: Das war doch ein wenig prahlerisch, so lange nach der Trauung; finden Sie nicht?“

„Ja – ja“, sagte ich, „aber Sie haben mir nie erzählt, was aus dem Pferd geworden ist.“

„Ah! Das Pferd – ja. Ich suche ihn. Ich bin nicht mehr so böse auf ihn wie früher, und ich mag in den Ställen nicht zu viele Fragen stellen, aus Angst, man könnte mir eines Tages sagen, dass man ihn erschießen musste, während ich so krank war. Sie wussten wohl, dass ich krank war?“, brach er ab. „Es standen Bulletins über mich in den Zeitungen. Sehen Sie hier.“

Er reichte mir einen Zeitungsausschnitt, auf dem ich las:

„Der jüngste Unfall in der Rotten Row. – Mr. Pulvertofts Zustand ist bislang unverändert. Der unglückliche Herr liegt noch immer bewusstlos in seiner Wohnung in der Park Street, und seine behandelnden Ärzte befürchten, dass das Gehirn dauerhaft geschädigt bleiben wird, selbst wenn er seine körperlichen Kräfte wiedererlangt.“

„Aber das war alles Unsinn!“, sagte Mr. Pulvertoft mit einem kleinen nervösen Lachen. „Es war kein bisschen geschädigt, wie könnte ich mich sonst an alles so deutlich erinnern, wie ich es tue, nicht wahr?“

Und das war natürlich ein Argument, auf das es keine Antwort gab.

Pferdebücher

Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen