Pferde in der Kunst

The Wishing Horse of Oz – Kapitel 4. Der König und sein sprechendes Pferd

· The Equinest

König, der ein Pferd reitet
The Wishing Horse of Oz wurde von Ruth Plumly Thompson und L. Frank Baum geschrieben und erzählt von weiteren aufregenden Abenteuern Dorothys. Diesmal sind Pferde mit von der Partie.

Der König und sein sprechendes Pferd

Nun stimmt es zwar, dass der König die Augen geschlossen hatte, als Matiah sich zum Lesen in der Nische niederließ, doch er war weit davon entfernt zu schlafen. Tatsächlich hatte die altmodische Uhr in der Ecke kaum fünf Minuten weitergetickt, als Skamperoo sich kerzengerade aufrichtete, als hätte ihn plötzlich der Blitz getroffen. Mit einem vorsichtigen Blick auf den stillen Kaufmann begann er, rasch zur Tür zu rutschen. Er öffnete sie lautlos, schlüpfte hinaus auf den Gang, schloss sie ebenso leise und schnaufte davon zur Unterkunft des Weißen Wunschpferds hinten im Hof. Auch wenn Skamperoo gewöhnlich wenig unternehmungslustig und eher schwerfällig war, müssen wir ihm doch eine glänzende Idee zugutehalten. Da Chalk durch die magischen Smaragde nach Skampavia gebracht worden war, warum sollte er nicht wissen, wie man sie benutzte? Geradezu keuchend vor Eifer und Ungeduld riss Skamperoo die Stalltür auf und trat unbekümmert in Chalks Box.

„Ah, das kleine Königlein!“, wieherte Chalk und warf fröhlich die Mähne zurück. Aus irgendeinem Grund fand er seinen dicken Herrn ungeheuer lustig, und während er sofort Lust verspürte, auf Matiah herumzutrampeln und die Stallburschen zu verscheuchen, empfand er für den rundlichen kleinen Herrscher von Skampavia nur eine liebevolle Nachsicht. „Kommst du zu deinem Ausritt?“, erkundigte er sich und stupste den König verspielt mit seiner weichen Nase an.

„Nein, ich komme, um mit dir zu reden“, keuchte Skamperoo und ließ sich vorsichtig auf einem umgedrehten Wassereimer nieder. „Schnell, erzähl mir alles, was du über diese magischen Smaragde weißt.“ Er berührte seine drei Ketten mit zitterndem Zeigefinger und blickte flehend in das Gesicht seines neuen, kraftvollen Rosses.

„Hmpf!“ Chalk schob ein Maul voll Heu in die andere Backe. „Nun, was das betrifft, oder vielmehr sie, so weiß ich darüber gar nichts. Du vergisst, dass ich erst gestern Nachmittag ins Dasein getreten bin.“

„Natürlich, natürlich! Ich war es ja, der dich hierhergewünscht hat“, erklärte der König ungeduldig.

„Du hast mich hierhergewünscht?“, sinnierte Chalk und betrachtete nachdenklich die komische Gestalt auf dem Wassereimer. „Nun, ich weiß kaum, ob ich dir danken oder dich mit allen vier Hufen niedertrampeln soll. Selbst ganz ohne Erfahrung sehe ich, dass das hier kein Ort für mich ist.“

„Du hast recht“, seufzte Skamperoo und umklammerte niedergeschlagen seine Knie. „Für mich ist es auch kein Ort. Deshalb muss ich über die Smaragde Bescheid wissen. Sie können uns jeden Wunsch erfüllen, und wenn wir nur wüssten, wie man sie benutzt, könnten wir zusammen fortgehen.“

„Du meinst, das würdest du schaffen!“, schnaubte Chalk, der seine eigene Meinung darüber hatte, was passieren würde, sobald der König auf seinem Rücken säße.

„Ja, zusammen!“, beharrte Skamperoo. „Versuch nachzudenken“, bat er inständig. „Du sagst, du weißt nichts, aber woher wusstest du dann, dass du aus Oz kommst, und deinen Namen und all das?“

„Stimmt, woher eigentlich?“ Chalk stellte ein Ohr nach vorn und eines nach hinten und schluckte sein Heu mit einem schnellen Happs hinunter. „Da muss eine Menge Zeug in meinem Kopf sein, von dem ich praktisch nichts weiß“, überlegte er nachdenklich. „Angenommen, du erzählst mir genau, was passiert ist, und dann sage ich dir, was ich davon halte.“ Also beugte sich Skamperoo vor und erzählte die ganze Geschichte von dem Kaufmann und den Ketten, wie er und Matiah sich in seinen privaten Garten zurückgezogen hatten und wie dort, während der Kaufmann die Smaragde trug, sein erster Wunsch erfüllt worden war.

„Und es war auch ein großartiger Wunsch“, seufzte Skamperoo und blickte liebevoll zu seinem weißen Pferd auf. „Vergiss nie, dass du mein erster Wunsch warst, mein Guter.“

„Mich selbst werde ich wohl kaum vergessen“, kicherte Chalk von oben herab, „aber hör gut zu, alter Krone-und-Zepter: Als ich in diesen Garten herunterplumpste, rannte jener backenbärtige Kaufmann zum Tor, als ginge es um sein Leben. Er blieb nur stehen, weil er sich nicht an mir vorbeitraute, und so, wie er in diese Kakteenbüsche gefallen ist, wette ich, dass er genauso verblüfft war wie du, dass die Smaragde deinen Wunsch erfüllt hatten.“ Chalk legte schlau die Stirn in Falten. „Ich glaube nicht, dass er mehr über die Ketten weiß als wir. Sonst hätte er dir gar nicht erst eine geschickt, und er hätte sich all seine eigenen Wünsche erfüllt und wäre jetzt an irgendeinem anderen, herrlichen Ort. Matiah ist ein Schwindler!“, schloss das Pferd des Königs heftig, „und er will die Smaragde zurückstehlen.“

„Natürlich! Natürlich! Oh! Oh! Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen? Was sollen wir jetzt tun?“, jammerte Skamperoo und sprang so schnell auf, dass er den Eimer umstieß, denn Chalks offen ausgesprochene Meinung bestätigte seinen eigenen Verdacht gegen den Kaufmann.

„Setz dich“, riet das weiße Pferd, nicht unfreundlich. „Ich mag kein Zauberer sein, aber ein bisschen Verstand habe ich, und gesunder Pferdeverstand ist das, was Eure Majestät mehr braucht als alles andere.“ Während Skamperoo den Eimer wieder aufrichtete und sich kleinlaut erneut daraufsetzte, schloss Chalk die Augen und stand so lange still und reglos da, dass der König glaubte, er sei in Trance gefallen. Doch gerade als er nervös auf dem unbequemen Eimerrand hin und her zu rutschen begann, öffnete das weiße Pferd die Augen, schenkte Skamperoo ein triumphierendes Lächeln und begann mit lauter, herrischer Stimme zu rufen: „Bursche! BURSCHE! BURSCHE!“

Während der König ihn mit gemischten Gefühlen aus Bedenken und Bewunderung betrachtete, erteilte Chalk dem ungeschickten kleinen Pferdeknecht, der auf seinen Ruf hin herbeigerannt kam, knappe Anweisungen. Als seine Mähne und sein Schweif gründlich gebürstet waren und er wieder mit dem prächtigen Sattel und Geschirr geschmückt war, die er bei seinem ersten Erscheinen in Skampavia getragen hatte, entließ er den Knecht mit einem hochmütigen Kopfschütteln.

„Komm!“, hauchte er geheimnisvoll. „Steig auf, Skamperoo, und wir skamperoodeln davon, bevor dieser schurkische Kaufmann uns überhaupt vermisst. Hast du dich schon entschieden, wohin wir gehen?“, fragte er neugierig, während der König sieben verzweifelte Versuche machte, den Fuß in den goldenen Steigbügel zu setzen. „He! He! He! Den anderen Fuß, Herr. Wie willst du denn so jemals aufsitzen? Stell dich auf den Eimer, Königlein, halt dich am Sattel fest und zieh. Das ist so leicht wie Haferfressen, wenn man erst den Dreh raushat.“

„So?“ Kläglich auf dem Rücken liegend, wo er nach seinem letzten Versuch hingefallen war, starrte Skamperoo trübselig nach oben, und Chalk selbst begann vor Ärger zu kauen, zu schnauben und mit dem Schweif zu schlagen.

„Du hast mich dir an den Hals gewünscht, und jetzt sieht es so aus, als müsstest du dich mir auf den Rücken wünschen“, murmelte er grimmig. „Hier, gib mir diese Ketten – häng sie mir übers Ohr, und machen wir Schluss mit diesem beschämenden Schauspiel.“

„Du meinst – wenn ich mich auf deinen Rücken wünsche, bin ich wirklich dort?“, keuchte Skamperoo und sprang auf wie ein Gummiball. „Du meinst, du hast das Geheimnis der Smaragde entdeckt?“

„Gewiss!“ Das weiße Pferd musterte ihn verächtlich durch halb geschlossene Augen, und der König, der sich nur allzu gern überzeugen ließ, öffnete die Verschlüsse seiner drei Ketten, stellte sich auf die Zehenspitzen und hängte sie Chalk über das rechte Ohr.

„Ich – ich wünsche mich auf den Rücken dieses Geschöpfs“, schnaufte Skamperoo, und seine Wangen blähten sich vor Spannung und Wichtigkeit. „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs –“, und kaum hatte er zu zählen begonnen, da saß er auch schon fest im Sattel.

„Na, na, kein Wort mehr“, befahl Chalk streng. „Bevor du es wagst zu sprechen, nimm diese Smaragde von meinem Ohr.“ Mit zitternden Händen tat der König, wie ihm geheißen, und sein Herz pochte so heftig, dass es ihm fast ein Loch ins Hemd schlug.

„So ist es recht“, sagte das weiße Pferd etwas sanfter. „Und jetzt erzähl mir doch, wohin du uns wünschen willst und was wir danach tun? Wünsche gehen ziemlich schnell, weißt du, und es ist besser, vorbereitet zu sein.“

„Aber – aber ich verstehe nicht, wie du sie zum Funktionieren gebracht hast“, sprudelte Skamperoo hervor. „Es ist wunderbar – es ist fabelhaft, verstehst du, was das bedeutet?“

„Vollkommen.“ Triumphierend rollte Chalk die Augen zu seinem gierigen kleinen Herrn herum. „Mein Kopf scheint voller Zauberei zu sein, was nicht seltsam ist, da ich auf magische Weise ins Dasein gerufen wurde, und der Trick mit den Ketten ist ganz einfach, sobald ich erst einmal darüber nachgedacht hatte. Nun bin ich, was ich bin – ein Pferd, und damit ganz zufrieden, aber du könntest dich mit diesen Smaragden leicht zum Esel machen, also sagst du mir besser, was du dir wünschst, bevor du es dir wünschst. Zum Beispiel“, fuhr er tadelnd fort, „wenn du dich, statt dich auf meinen Rücken zu wünschen, zu einem guten Reiter gewünscht hättest, wie viel klüger wäre das gewesen. Reiten ist nämlich viel mehr, als in den Sattel zu kommen, weißt du. Aber egal jetzt, was war das für ein großer Wunsch, den du und Matiah zusammen geplant habt?“ Skamperoo beugte sich so weit vor, dass er fast das Gleichgewicht verlor, und flüsterte Chalk hastig seinen großartigen und glorreichen Wunsch für die Zukunft ins linke Ohr, wobei er sorgfältig darauf achtete, seinem eigenen Wunsch die drei listigen Vorschläge des schlauen Kaufmanns hinzuzufügen.

„Bist du sicher, dass du das willst?“ Chalk betrachtete die rundliche königliche Gestalt auf seinem Rücken scharf und ein wenig traurig. „Du willst fortgehen und dein eigenes Volk ohne einen Gedanken oder eine Sorge zurücklassen? Gibt es hier niemanden, den du gern mitnehmen oder an deinem Glück teilhaben lassen möchtest?“ Der König schüttelte heftig den Kopf.

„Ich könnte einen Wunsch für Pinny Penny äußern“, fügte er etwas verlegen hinzu.

„Gute Idee“, schnaubte Chalk. „Was willst du denn dem alten Spindelbein schenken? Weißt du, ich mag den alten Kauz eigentlich ganz gern.“ Ohne Zögern und ein wenig gehässig sagte es ihm der König, und da Chalk diesmal an dem Wunsch nichts auszusetzen fand, hängte Skamperoo die Smaragde wieder über Chalks Ohr und sprach rasch neun Wörter. Dann, ohne abzuwarten, ob Pinny Penny seinen Wunsch erfüllt bekam, übernahm Chalk wieder das Kommando.

„Wenn du genau tust, was ich sage, sind wir fort, bevor Matiah merkt, dass du verschwunden bist, und hier herunterkommt, um dir den Kopf abzuschlagen und an seine Ketten zu kommen“, sagte das weiße Pferd streng. Mit gesenkter Stimme sprach er langsam und deutlich vier kurze Sätze vor. Halb vor Angst und halb vor Vorfreude kribbelnd, sprach Skamperoo die vier Sätze nach und begann zu zählen. Doch, du meine Güte! Kaum war er bei zehn angekommen, spürte er einen gewaltigen Ruck und ein Schwanken, hatte gerade noch Zeit, seine Smaragde zurückzureißen und die Zügel zu packen, bevor er und das riesige weiße Wunschpferd, ohne auch nur ein Rascheln in der stillen Luft zu hinterlassen, fort, verschwunden und spurlos aus Skampavia entschwunden waren.

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Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen