Pferde in der Kunst
The Wishing Horse of Oz – Kapitel 3. Mehr über die Smaragde

The Wishing Horse of Oz wurde von Ruth Plumly Thompson und L. Frank Baum geschrieben und erzählt von weiteren aufregenden Abenteuern Dorothys. Diesmal sind Pferde mit von der Partie.
Mehr über die Smaragde
Skamperoo hatte kein Auge zugetan. Er wälzte sich im königlichen Bett von einer Seite auf die andere, und in seinem Kopf schwirrten nur so die herrlichsten Zukunftspläne. Mit den magischen Smaragden konnte er alles haben, was er begehrte, und seine Begierden und Wünsche vermehrten sich so rasch, dass er kaum wusste, wo er anfangen oder was er sich zuerst wünschen sollte. Die Ketten drückten unangenehm gegen seinen Hals, aber er wollte sie nicht abnehmen. Er war so erschöpft, dass ihm jeder Knochen wehtat, und doch konnte er nicht aufhören zu denken, und gerade als die Schlossuhr sieben schlug, fiel ihm plötzlich genau das ein, was er sich als Erstes wünschen sollte.
Ach ja, das war es – zu dumm, dass er eine ganze Woche warten musste, aber eine Woche würde vergehen, und vielleicht würde er in dieser Zeit selbst das magische Geheimnis seiner funkelnden neuen Schätze entdecken. Dann könnte er sein eigener Zauberer sein und diesen lästigen Kaufmann in seine Schranken weisen. Während er in Gedanken mögliche Orte durchging, an die er Matiah schicken könnte, öffnete sich vorsichtig die Tür seines Zimmers, und Pinny Penny steckte den Kopf herein.
„Na! Na? Habe ich etwa geläutet?“, brummte Skamperoo verdrießlich. „Das ist mir eine schöne Zeit, einen Kaiser zu wecken.“
„Kaiser?“, rief Pinny Penny, kam ganz ins Zimmer und schloss die Tür. „Seit wann ist denn der König von Skampavia ein Kaiser?“
„Ach, geh weg und lass mich in Ruhe.“ Der König kehrte Pinny Penny den Rücken zu, klopfte sein Kissen zurecht und kniff die Augen so fest zu, wie er nur konnte.
„Es geht um das Pferd“, flüsterte Pinny Penny und kam um das Bett herum auf die andere Seite. „Ein seltsames und prächtiges Tier für einen einfachen Kaufmann, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. Und nicht nur das – es SPRICHT. Es kommandiert die Stallburschen auf unerhörte Weise herum, und MIR hat es sogar gesagt, ich solle mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern.“
„Na, und warum tust du das nicht?“, schlug Skamperoo vor und rollte sich auf den Rücken. „Natürlich spricht er, Pinny; er ist ein Pferd aus Oz, und alle Tiere aus Oz sprechen. Ich dachte, das wüsstest du.“
„Nun, wenn dieser Kaufmann ein sprechendes Pferd hat, dann ist er nicht so arm, wie er tut“, beharrte Pinny Penny und fuchtelte dem König mit dem Finger unter der Nase herum. „Mein Rat ist, den Burschen auf sein Pferd zu setzen und ihn so schnell wie möglich seiner Wege zu schicken. Mir gefällt sein Aussehen nicht, Skamper. Er ist gemein und hinterhältig, und merk dir meine Worte: Von ihm und seinen Ketten wird nichts Gutes kommen.“
„Mir gefällt sein Aussehen auch nicht besser als dir“, stimmte der König zu und faltete die dicken Hände über dem Bauch. „Aber wenn ich die Smaragde behalte, muss ich auch den Kaufmann behalten, und außerdem habe ich so eine Ahnung, dass ich dieses sprechende Pferd selbst reiten könnte.“
„Oh, heiliger Ziegenbock und Bratensoße! Dann gehe ich wohl besser und lege mir einen Vorrat an Schienen und Einreibemittel an.“ Pinny Penny schob sich die Brille auf die Stirn, warf seinem riesigen, daliegenden Herrn einen angewiderten Blick zu und eilte hastig aus der königlichen Gegenwart.
Nun hatte Matiah, wie Sie sich gut vorstellen können, nicht besser geschlafen als der König. In dem kleinen Zimmer, in das Pinny Penny ihn gebracht hatte, lief er ruhelos auf und ab. Schließlich kannte er nur zwei Tatsachen über die magischen Smaragde: erstens, dass sie unter bestimmten Bedingungen tatsächlich Wünsche erfüllen konnten; zweitens, dass sie nicht von der Person getragen werden durften, die den Wunsch äußerte. So viel hatte sich der Kaufmann selbst zusammengereimt. Da der König seinen Wunsch erfüllt bekommen hatte, während er, Matiah, die Ketten trug, und er selbst den Wunsch, den er mit den Smaragden um den eigenen Hals geäußert hatte, nicht erfüllt bekommen hatte, schien so viel sicher. Freudig schnippte Matiah mit den Fingern, und in der festen Überzeugung, dass der König nun die Juwelenketten trug, äußerte er einen zweiten Wunsch und zählte langsam bis hundert. Doch das herzhafte Abendessen, das er sich zur Probe bestellt hatte, erschien nicht, und er warf sich aufs Bett und begann, sich den Kopf über eine andere Lösung des Rätsels zu zerbrechen. Vielleicht steckte die Zauberkraft in einem einzigen Stein, den er zufällig berührt hatte, als der König seinen Wunsch äußerte.
Er hielt sich den Kopf mit beiden Händen und versuchte, sich genau zu erinnern, was er getan hatte, als Skamperoo zu zählen begann. Aber es half nichts. Er konnte sich an nichts mehr erinnern, nachdem er losgerannt war, quer durch den Garten. Und wie, so schloss der wütende Kerl, sollte er je herausfinden, wie man die Smaragde benutzte, ohne den Argwohn des Königs zu wecken oder zu verraten, dass er nicht mehr über sie wusste als Skamperoo selbst? Ärgerlich vor sich hin murmelnd, trat er einen Fußschemel quer durchs ganze Zimmer und saß dann da und starrte missmutig auf den abgetretenen Teppich. Das kurze, unruhige Nickerchen, das er gegen Morgen schließlich noch bekam, tat ihm nicht gut, und mürrisch und schreckhaft wie ein Puma machte er sich auf den Weg in den düsteren Speisesaal des Palastes.
Der König hatte bereits gefrühstückt, und als Matiah aus dem Fenster schaute, sah er einen verängstigten Diener, der das Sprechende Pferd im Hof herumführte, während Skamperoo in sicherem Abstand folgte. Beim Anblick des stampfenden weißen Schlachtrosses schauderte Matiah aufs Neue. Welche Verschwendung!, dachte er bitter, und wenn der König dieses freche Ungetüm lieb gewann, würde das seine eigene Aufgabe noch schwieriger machen, denn bis es ihm gelang, die Ketten zu stehlen, wollte Matiah Skamperoo nicht aus den Augen lassen. Er stürzte den dünnen Kaffee und die kalten Eier hinunter, die ein schäbiger Diener ihm widerwillig hingestellt hatte, und eilte hinaus.
„Guten Morgen, Eure Majestät!“, rief er herzlich. „Dürfte ich Eure Königliche Hoheit auf ein Wort sprechen?“
„Auf was für ein Wort?“, kicherte Chalk und rollte schelmisch die gelben Augen zum Kaufmann herum. „Gib ihm ein Wort, alter Rumpelbauch, wenn das alles ist, was er will. Das richtige Wort für ihn wäre, würde ich sagen, ‚GEH!‘ oder ‚NEIN!‘, und dann könnten wir alle glücklich sein.“
„Es geht um die Ketten“, vertraute Matiah ihm an, ohne das Pferd im Geringsten zu beachten, und fiel mühelos in den Schritt des Königs ein. „Sie müssen jeden Tag gereinigt werden, damit sie in gutem Wunschzustand bleiben.“
„Aber ich wollte gerade ausreiten“, wandte Skamperoo mit leichtem Stirnrunzeln ein. „Hat das nicht bis heute Nachmittag Zeit?“
„Nein, JETZT ist die richtige Zeit“, antwortete Matiah mit Nachdruck und dachte dabei, wie schlau er doch war, sich diese List ausgedacht zu haben, um an die Smaragde zu kommen. „Wenn Eure Majestät sie mir einfach geben, poliere ich sie, während Ihr – äh – Euch Bewegung verschafft.“
„Nein – nein – äh – das heißt, ich komme lieber mit und helfe Euch“, sagte Skamperoo schnell. „Ausreiten kann ich auch heute Nachmittag.“
„Meinst du?“ Mit einem übermütigen Satz stieg Chalk auf die Hinterbeine und drehte sich wie ein Windrad. „Na, dann bis später, alter Sos!“ Und mit dem verängstigten Stallburschen, der an seinem Zaum hing, galoppierte er davon in den Stall.
„Wenn Ihr meinen Rat hören wollt, lasst Ihr diesem Geschöpf eins über den Schädel geben“, sagte Matiah grimmig. „Ihr werdet doch gewiss nicht unser Leben aufs Spiel setzen, indem Ihr auf seinem Rücken reitet?“
„UNSER Leben!“, rief Skamperoo und sah Matiah überrascht an. „Ihr müsst ihn ja nicht reiten; eigentlich ist er sogar mein Pferd“, erklärte er eifersüchtig.
„Solange Eure Majestät die magischen Ketten trägt, muss ich überall hingehen, wohin Ihr geht, und alles tun, was Ihr tut!“, erklärte der Kaufmann hochmütig.
„Wie – wie äußerst lästig!“ Unwillkürlich stöhnte Skamperoo, als er daran dachte, wie ermüdend es sein würde, Matiah von morgens bis abends hinter sich herzuhaben. „Ich hätte gedacht, ein Zauberer wie Ihr könnte die Dinge vernünftiger einrichten.“
„Aber bedenkt, was auf dem Spiel steht“, erinnerte ihn Matiah ernsthaft. „Zusammen können wir alles haben und tun, was wir uns wünschen. Ist das nicht ein paar Unannehmlichkeiten wert?“
„Ja, ja, vermutlich schon. Aber wenn wir alles zusammen tun sollen, dann finde ich, ich sollte die magische Wunschformel ebenso gut kennen wie Ihr.“ Skamperoo blickte trotzig zu seinem neuesten Berater auf.
„Das ist unmöglich.“ Steif ausschreitend schüttelte Matiah den Kopf. „Ist die Zauberformel einmal verraten, verliert sie ihre Macht. Nur wer in der Magie bewandert ist, darf die Smaragde benutzen. Habt Ihr Euch schon Gedanken über Euren nächsten Wunsch gemacht?“, fragte er, darauf bedacht, die Gedanken des Königs in fröhlichere Bahnen zu lenken. „Wir sollten ihn gemeinsam planen und beraten, wisst Ihr. Aber wartet, bis wir im Thronsaal Eurer Majestät sind“, fügte er schnell hinzu, als Skamperoo den Mund wie ein Fisch auf- und zuzumachen begann, ohne etwas zu sagen. „Während ich die Ketten reinige, können wir alles besprechen, ja?“ Matiahs Finger juckten förmlich nach den funkelnden Juwelen, doch er unterdrückte den wahnsinnigen Drang, sie dem König vom Hals zu reißen, ging ruhig neben Skamperoo her und redete so gelassen und überzeugend, dass der skampavische Monarch bald nicht nur bereit, sondern geradezu begierig war, den Wunsch zu verraten, der ihn den größten Teil der Nacht wach gehalten hatte.
Nachdem sich der König zunächst vergewissert hatte, dass sie allein waren, und die Tür abgeschlossen hatte, damit sie nicht gestört würden, setzte er sich an einen kleinen Tisch. Matiah zog einen Stuhl heran, setzte sich ihm gegenüber und streckte die Hand nach den Ketten aus. Widerstrebend reichte Skamperoo sie ihm und behielt die Juwelen eifersüchtig im Auge, als der Kaufmann sie mit einem kleinen Seidentuch zu polieren begann, das er aus der Tasche gezogen hatte.
Während er die Seide über die Smaragde rieb, untersuchte Matiah jeden einzelnen sorgfältig auf ein Zeichen oder Merkmal, das ihm einen Hinweis auf ihre Zauberkraft geben könnte. So vertieft er in diese Aufgabe auch war, ließen ihn ein paar leise gesprochene Worte Skamperoos plötzlich kerzengerade aufsitzen und den König mit neuem Respekt und neuer Aufmerksamkeit betrachten. Wie in drei Teufels Namen, fragte sich Matiah verwundert, war dieser dicke, alberne Monarch nur auf einen so großartigen und atemberaubenden Wunsch gekommen? Und als Skamperoo seine Pläne und Vorhaben für die Zukunft erklärte und ausschmückte, wuchs das Interesse des Kaufmanns zusehends. Schneller und klüger als der König, sah er nicht nur die Möglichkeiten dieses prächtigen Wunsches, sondern auch all die Schwierigkeiten und Probleme, die bewältigt und aus dem Weg geräumt werden mussten, bevor er vernünftigerweise erfüllt werden konnte.
Er beugte sich vor, die Smaragde für den Augenblick vergessen, und brachte den Mund dicht an Skamperoos Ohr. „Drei Dinge müssen getan werden, bevor Euer Wunsch Wirklichkeit werden kann“, sagte Matiah angespannt. „Erstens, … zweitens, … drittens, ….“ Nach jeder kurzen, geflüsterten Anweisung nickte Skamperoo, um zu zeigen, dass er verstanden hatte.
„Dann braucht es vier Wünsche dafür“, seufzte er und stützte die Ellbogen schwer auf den Tisch. „Das wären vier Wochen, nicht wahr?“
„Nein, wenn wir vorsichtig sind, können wir vielleicht alles in einen einzigen packen“, antwortete Matiah nachdenklich, nahm sein Stückchen Seide wieder auf und polierte die Smaragde mit neuem Eifer. Der König, der ihm zusah, vergaß seine frühere Abneigung und sein Misstrauen. Matiahs begeisterte Zustimmung zu seinen Plänen ließ ihn glauben, dass er diesen langgesichtigen, backenbärtigen Fremden vielleicht falsch eingeschätzt hatte. Vielleicht würde er ihn doch nicht fortwünschen. Er könnte sich in der seltsamen und prächtigen Zukunft, die vor ihm lag, noch als sehr nützlich erweisen.
Matiah seinerseits hegte keine so freundlichen Absichten gegenüber dem König. Er wollte Skamperoos Wunsch lediglich zu seinem eigenen machen, und so großartig und verwegen war die Aussicht, dass er ungeduldiger denn je herausfinden wollte, wie er ihn verwirklichen konnte. Er hielt alle drei Ketten gegen das Licht und blinzelte sie besorgt an. Die Ketten schienen in jeder Hinsicht gleich zu sein, aber nein – was war das? Eine hatte einen Diamantverschluss, während die Verschlüsse der beiden anderen aus flachen Smaragden bestanden. Das also war die Lösung. Die magische Wunschkraft steckte zweifellos im Diamantverschluss. Ohne sich seine Genugtuung und Hochstimmung über diese wichtige Entdeckung im Geringsten anmerken zu lassen, reichte Matiah die Ketten dem König zurück.
Irgendwie, beschloss der Kaufmann, musste er Skamperoo dazu bringen, den Diamantverschluss zu berühren, während er selbst im Stillen den Wunsch des Königs wiederholte. Doch zuvor brauchte er ein wenig Zeit, um sich auf die großartigen und glorreichen Jahre vorzubereiten, die ihm bevorstanden. Während Skamperoo, erschöpft von so viel Nachdenken am frühen Morgen, müde zu seinem Thron watschelte, schritt Matiah zu den Bücherregalen in einer angrenzenden Nische.
„Während Eure Majestät ruht, werde ich mir diese interessante Bibliothek ansehen“, murmelte er einschmeichelnd, „und mir zugleich ein paar nützliche Kenntnisse für die Zukunft aneignen.“ Schläfrig erwiderte Skamperoo das breite Zwinkern des Kaufmanns, sank dann in seine Kissen zurück und schloss die Augen.
Von seinem Stuhl in der Nische aus konnte Matiah den König im Blick behalten, und nachdem er sich vergewissert hatte, dass Skamperoo wirklich schlief, begann er hastig in dem dicken Band zu blättern, den Pinny Penny erst an diesem Morgen ins Regal zurückgestellt hatte. Bald war er so vertieft, dass er den König völlig vergaß. Und das war schade, denn hätte er sich die Mühe gemacht hinzusehen, hätte er entdeckt, dass der König nicht mehr da war.
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