Pferdespaß
Canterbury Tales – Der Mönch

Dies ist vielleicht eines der ältesten Pferdegedichte, die ich bisher vorgestellt habe: ein Abschnitt aus Chaucers Canterbury Tales (geschrieben Ende des 14. Jahrhunderts) mit dem Titel Der Mönch.
Canterbury Tales – Der Mönch
Ein Mönch war da, zum Herrschen wie gemacht,
ein Klostervogt, der Jagd und Weidwerk liebte;
ein ganzer Mann, als Abt wohl tauglich, fürwahr.
Gar manches Ross von edlem Blut stand ihm im Stall:
Und ritt er aus, so hörte man sein Zaumzeug
im pfeifend Wind so hell und klar erklingen,
ja, und so laut wie die Kapellenglocke
dort, wo der wackre Mönch der Zelle vorstand.
Die Regel des Maurus oder Sankt Benedikts,
weil sie schon alt und etwas streng war,
ließ dieser Mönch gemächlich ihres Weges ziehn
und folgte stattdessen den Sitten der neuen Welt.
Er gab für jenen Spruch kein gerupftes Huhn,
der sagt, dass Jäger keine heil’gen Männer sind;
noch dass ein Mönch, wenn er kein Kloster hat,
gleich einem Fisch ist, dem das Wasser fehlt;
das heißt, ein Mönch, der aus dem Kloster ist.
Doch diesen Spruch hielt er nicht einer Auster wert;
und ich sprach, seine Meinung sei recht gut.
Was? Sollt’ er grübeln, wie ein Narr es tut,
in seiner Zelle über einem Buch? Oder gar
mit seinen Händen schuften, sich plagen und schwitzen,
wie Augustin gebietet? Wie wäre der Welt gedient?
Soll Augustin die Plackerei für sich behalten.
Drum war er Reiter Tag und Nacht;
Windhunde hatt’ er, schnell wie Vögel im Flug.
Da Reiten und die Jagd auf Hasen
all seine Liebe waren, scheut’ er keine Kosten.
Ich sah, die Ärmel waren an der Hand verbrämt
mit grauem Pelz, dem feinsten weit und breit;
auch hatte er, die Kapuze unterm Kinn zu schließen,
aus gut gewirktem Gold eine kunstvolle Nadel:
Ein Liebesknoten saß am größeren Ende.
Sein Kopf war kahl und glänzte wie ein Glas,
und glatt wie frisch gesalbt war sein Gesicht.
Fett war der Herr und wohlgenährt dazu.
Die Glotzaugen rollte er umher, und heiß
und rot glühten sie wie Feuer unterm Topf;
Weich waren seine Stiefel, sein Pferd von hohem Rang.
Gewiss war er ein stattlicher Prälat:
Nicht bleich wie mancher arme, ausgezehrte Geist.
Ein fetter Schwan war ihm der liebste Braten.
Sein Zelter war so braun wie eine Beere.
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Für nächste Woche habe ich noch ein Stück aus den Canterbury Tales … auch wenn es darin eigentlich gar nicht um Pferde geht – aber im Titel Canterbury Tales steckt doch der „Canter“, der englische Galopp, oder?
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen