Pferde in der Kunst
Die Geschichte vom Zauberpferd

Die Märchen aus Tausendundeiner Nacht erfreuen Leser schon seit sehr langer Zeit, und zum Glück ist auch eine Geschichte von einem Zauberpferd darunter.
Diese recht lange Geschichte stammt aus dem Buch Stories from The Arabian Nights, nacherzählt von Laurence Housman.
Im Land der Perser lebte in alten Zeiten ein König, der hatte drei Töchter und einen einzigen Sohn, die so schön waren, dass sie die Blicke aller, die sie sahen, auf sich zogen wie der Mondaufgang an einem klaren Himmel. Nun war es in jenem Land Brauch, zum neuen Jahr ein großes Fest abzuhalten, bei dem Menschen jeden Standes, vom höchsten bis zum niedrigsten, mit Gaben und Grüßen vor den König traten. So geschah es an einem dieser Tage, dass drei Weise, Meister ihres Fachs, zum König kamen, als er in vollem Staat auf dem Thron saß, und ihm Geschenke zur Prüfung brachten. Der erste hatte einen goldenen Pfau bei sich, der so gebaut war, dass er zu jeder vollen Stunde mit den Flügeln schlug und einen Schrei ausstieß. Der König prüfte ihn, fand das Geschenk annehmbar und ließ den Erfinder angemessen belohnen. Der zweite hatte eine Trompete angefertigt, die, über den Toren einer Stadt angebracht, gegen jeden einen Stoß blies, der hineinwollte; so war die Stadt sicher vor einem Überfall durch Feinde. Und als der König festgestellt hatte, dass sie diese Eigenschaft besaß, nahm er sie an und gewährte ihrem Erbauer eine reiche Belohnung.
Doch das Geschenk des dritten Weisen, eines Inders, schien wundersamer als alle anderen, denn er hatte ein Pferd aus Elfenbein und Ebenholz mitgebracht, von dem er behauptete, es werde sich nach dem Willen seines Besitzers oder eines jeden, der in das Geheimnis eingeweiht sei, über die Erde erheben und fliegen und in erstaunlich kurzer Zeit an ferne Orte gelangen. Der König, voller Staunen über eine solche Behauptung und begierig, sie zu prüfen, wusste nicht recht, wie er das anstellen sollte, denn der Inder wollte das Geheimnis nicht preisgeben, ehe ihm die Belohnung sicher war, die er sich im Stillen ausgedacht hatte. Nun stand etwa drei Meilen von der Stadt entfernt ein Berg, dessen Gipfel für alle Augen deutlich zu erkennen war; um also das Wort des Inders auf die Probe zu stellen, zeigte der König darauf und sagte: „Reitet dorthin und bringt mir, während ich warte, den Zweig einer Palme, die am Fuß jenes Berges wächst; dann werde ich wissen, dass Ihr die Wahrheit sagt.“
Sogleich setzte der Inder den Fuß in den Steigbügel und schwang sich auf sein Ross, und kaum hatte er an einem kleinen Zapfen am Sattelknauf gedreht, als das Pferd sich leicht in die Luft erhob und ihn unter den Rufen der Zuschauer mit wundersamer Geschwindigkeit davontrug; und während noch alle staunend über ein so plötzliches Verschwinden in die Höhe blickten, erschien er hoch über ihren Köpfen wieder, den Palmzweig in der Hand, sank mitten unter sie herab und landete genau an der Stelle, von der er aufgebrochen war. Dort warf er sich nieder und legte den Zweig dem König zu Füßen.
Der König war so entzückt, als ihm die wunderbaren Eigenschaften des Pferdes auf diese Weise offenbart worden waren, dass er, begierig, es zu besitzen, den Inder aufforderte, seinen Lohn selbst zu nennen, und erklärte, kein Preis könne zu hoch sein. Da sagte der Weise: „Da Eure Majestät den Wert meiner Erfindung so wahrhaft zu schätzen weiß, fürchte ich nicht, dass Euch der Lohn, den ich verlange, zu hoch erscheinen wird. Gebt mir die Hand der schönsten Eurer drei Töchter zur Ehe, und das Pferd soll Euer sein.“
Über eine so anmaßende Forderung brachen alle Höflinge in lautes Gelächter aus; nur der König, verzehrt von dem Verlangen, den wunderbaren Schatz zu besitzen, zögerte mit seiner Antwort. Als der Sohn des Königs, Prinz Firouz Schah, sah, dass sein Vater einem so schändlichen Vorschlag Gehör schenkte, packte ihn die Empörung. Entschlossen, die Ehre seiner Schwester und seine eigene zu verteidigen, wandte er sich an den König. „Verzeiht, Majestät“, sagte er, „wenn ich mir die Freiheit nehme zu sprechen. Doch wie soll es möglich sein, dass sich einer der größten und mächtigsten Herrscher mit einem bloßen Niemand verbindet? Ich flehe Euch an, zu bedenken, was Ihr nicht nur Euch selbst schuldet, sondern auch dem edlen Blut Eurer Ahnen und Eurer Kinder.“
„Mein Sohn“, erwiderte der König von Persien, „was du sagst, ist wahr, soweit es reicht; doch du bedenkst nicht genug den Wert eines so unvergleichlichen Wunders, als das sich dieses Pferd erwiesen hat, und wie groß mein Verdruss wäre, wenn ein anderer Herrscher es besäße. Und obwohl ich dem Vorschlag des Inders noch nicht zugestimmt habe, kann ich ihn nicht ohne Weiteres zurückweisen. Zuerst aber muss ich mich vergewissern, dass das Pferd auch anderen Händen gehorcht als denen seines Erfinders, sonst nützt es mir womöglich nichts, auch wenn ich es besitze.“
Der Inder, der während dieses Gesprächs abseits gestanden hatte, schöpfte nun große Hoffnung, denn er merkte, dass der König seine Bedingungen nicht gänzlich abgelehnt hatte, und nichts schien wahrscheinlicher, als dass der König das Zauberpferd umso mehr besitzen wollte, je besser er dessen Eigenschaften kennenlernte. Als der König daher vorschlug, das Pferd unter einem anderen Reiter unabhängiger zu prüfen, stimmte der Inder bereitwillig zu, umso mehr, als der Prinz selbst seinen scheinbaren Widerstand aufgab, vortrat und sich für den Versuch anbot.
Der König willigte ein, und der Prinz saß auf. Begierig, seinem Vater Gelegenheit zu ruhigerem Nachdenken zu geben, wartete er nicht alle Anweisungen des Inders ab, sondern drehte den Zapfen, wie er es den anderen beim ersten Aufsitzen hatte tun sehen, ließ das Pferd plötzlich in die Luft steigen und wurde schneller als ein vom Bogen geschnellter Pfeil gen Osten davongetragen, bis er außer Sicht war.
Kaum waren Pferd und Reiter verschwunden, als der König sich große Sorgen um die Sicherheit seines Sohnes machte; und obwohl der Weise sich zu Recht damit entschuldigen konnte, dass die Ungeduld des jungen Prinzen ihn die Anweisungen hatte abbrechen lassen, die seine sichere Rückkehr gewährleistet hätten, entschied sich der König, die ganze Wucht seines Unmuts an dem Inder auszulassen. Er verfluchte den Tag, an dem er das Zauberpferd zum ersten Mal erblickt hatte, ließ dessen Erbauer ins Gefängnis werfen und erklärte, wenn der Prinz nicht binnen einer bestimmten Frist zurückkehre, sei dessen Leben verwirkt.
Der Inder hatte nun allen Grund, den Ehrgeiz zu bereuen, der ihn in diese äußerste Not gebracht hatte, denn der Prinz, über dessen Widerstand gegen seinen Plan er genau unterrichtet war, brauchte seine Abwesenheit nur auszudehnen, um ihn ins unwiderrufliche Verderben zu stürzen. Doch wenn anmaßende Ansprüche scheitern, ist das Mitgefühl der Verständigen verschwendet; kehren wir daher zu Prinz Firouz Schah zurück, den wir auf dem Rücken des Zauberrosses verlassen haben, wie er mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Lüfte flog.
Eine Zeit lang hatte der Prinz, im Vertrauen auf seine Reitkunst und weder von der Geschwindigkeit noch von der Höhe seines Fluges erschreckt, keinerlei Wunsch, zum Palast zurückzukehren; doch bald kam ihm die Sorge seines Vaters in den Sinn, und da er ein zartfühlendes und rücksichtsvolles Wesen hatte, bemühte er sich sofort, sein Ross von seinem Kurs abzubringen. Das versuchte er, indem er den Zapfen, den er beim Aufsitzen gedreht hatte, in die entgegengesetzte Richtung drehte, doch zu seinem Erstaunen antwortete das Pferd damit, noch höher in die Luft zu steigen und mit verdoppelter Geschwindigkeit vorwärtszufliegen. Hätte ihn da der Mut verlassen, hätte seine Lage gefährlich werden können; doch er bewahrte seine gewohnte Ruhe und suchte sorgfältig nach dem Mittel, mit dem sich die Geschwindigkeit der Maschine drosseln ließ, und bald entdeckte er unter der Mähne des Pferdes einen kleineren Zapfen. Kaum hatte er ihn berührt, spürte er, wie er rasch zur Erde hinabsank, mit einer Geschwindigkeit, die abnahm, je näher er dem Boden kam.
Während er hinabsank, verschwand das Tageslicht, in dem er bisher gereist war, und innerhalb weniger Minuten ging es vom Sonnenuntergang in eine so dichte Finsternis über, dass er nicht mehr erkennen konnte, wo er sich befand, bis er, als das Pferd aufsetzte, unter sich eine glatte Fläche wahrnahm, die auf allen Seiten jäh endete und offenbar höher lag als alles, was sie umgab.
Als er abstieg, fand er sich auf dem Dach eines großen Palastes wieder, das durch Marmorbalustraden in Terrassen geteilt war, und auf einer Seite führte eine Treppe hinab ins Innere. Mit seinem stets abenteuerlustigen Geist stieg Prinz Firouz Schah sofort hinab und tastete sich durch die Dunkelheit, bis er zu einem Treppenabsatz kam, an dessen anderem Ende eine offene Tür in einen Raum führte, in dem ein schwaches Licht brannte.
Der Prinz blieb an der Tür stehen und lauschte, doch er hörte nur das schwere Atmen schlafender Männer. Er stieß die Tür auf und trat ein; und dort, jenseits einer inneren Schwelle, sah er schwarze Eunuchen schlafend liegen, jeder mit einem gezogenen Schwert in der Hand. Sofort ahnte er, dass dahinter etwas weit Schöneres liegen müsse; also ging er, von der Gefahr unbeirrt, weiter, stieg leichtfüßig über ihre Schwerter hinweg und gelangte durch seidene Vorhänge in das innere Gemach. Hier sah er inmitten königlicher Pracht eine Reihe von Ruhebetten, von denen eines höher stand als die übrigen. Auf jedem schlief ein schönes Mädchen; doch auf dem, das sich über die anderen erhob, lag eine Gestalt von so vollkommener und bezaubernder Schönheit, dass der Prinz, nachdem er sie einmal erblickt hatte, weder den Willen noch die Kraft hatte, sich abzuwenden. Leise trat er an die Schlafende heran, kniete nieder und zupfte sie sanft am Ärmel; und sofort öffnete die Prinzessin – denn das musste sie sein, wenn Rang und Schönheit zusammenpassten – die Tiefen ihrer strahlenden Augen und blickte in stillem Staunen auf den fürstlichen Jüngling, dessen schönes Aussehen und ehrerbietige Haltung jeden Gedanken an Gefahr sogleich vertrieben.
Nun warb zu jener Zeit gerade ein Sohn des Königs von Indien um die Hand der Prinzessin; doch ihr Vater, der König von Bengalen, hatte ihn wegen seines grimmigen und unangenehmen Aussehens abgewiesen. Als die Prinzessin daher jemanden von königlichem Aussehen vor sich knien sah, nahm sie an, er könne kein anderer sein als der Freier, den sie nur vom Hörensagen kannte, und sie schenkte ihm einen strahlenden Blick und sagte lächelnd: „Bei Allah, mein Vater hat gelogen, als er sagte, dir fehle es an gutem Aussehen!“
Prinz Firouz Schah erkannte an diesen Worten und dem Blick, der sie begleitete, dass sie ihm wohlgesinnt war, und scheute sich nicht länger, ihr von der Lage zu erzählen, in der er sich befand; die Prinzessin ihrerseits lauschte der Geschichte seiner Abenteuer mit lebhaftem Interesse und erfuhr nicht ohne heimliche Genugtuung, dass ihr Besucher einen Rang und eine Würde besaß, die den ihren gleichkamen.
Unterdessen waren die Mädchen, die der Prinzessin dienten, erwacht und sahen bestürzt die unerklärliche Erscheinung eines schönen Jünglings, der zu Füßen ihrer Herrin kniete; und da sie fürchteten, die Wachen könnten es entdecken, wussten sie nicht, was sie tun sollten. Die Prinzessin aber sah, dass sie wach waren, rief sie in vollkommener Gelassenheit zu sich und befahl ihnen, sofort ein inneres Gemach herzurichten, in dem der Prinz schlafen und sich von den Strapazen seiner Reise erholen könne; zugleich befahl sie, ein reiches Festmahl für die Zeit vorzubereiten, da er bereit wäre, daran teilzunehmen. Als ihr Besucher sich dann zurückgezogen hatte, stand sie auf und begann, sich mit Juwelen und prächtigen Gewändern zu schmücken und ihren Körper mit Wohlgerüchen zu salben, und sie ließ ihren Frauen keine Ruhe, bis ihr Spiegel sie zufriedenstellte; und als alles viele Male wiederholt und der letzte kunstvolle Hauch ihrer Lieblichkeit hinzugefügt war, ließ sie nachfragen, ob der Prinz schon erwacht und bereit sei, sie zu empfangen.
Als die Botschaft ihn erreichte, erhob sich der Prinz eifrig, und während er sich eilig ankleidete, obwohl es noch kaum Tag war, hörte er überall im Palast die Geräusche der Vorbereitungen für das Fest, das man ihm zu Ehren ausrichtete.
Bald trat die Prinzessin selbst ein, um zu fragen, wie er geschlafen habe, und als sie in diesem Punkt völlig beruhigt war, ließ sie das Festmahl auftragen. Alles geschah mit größter Pracht, doch die Prinzessin entschuldigte sich unablässig und erklärte, die Bewirtung sei eines so vornehmen Gastes unwürdig. „Ihr müsst mir verzeihen, Prinz“, sagte sie, „dass ich Euch mit so wenig Prunk und nach so eiliger Vorbereitung empfange; aber der Oberste der Eunuchen betritt diesen Ort nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis, und ich fürchtete, anderswo könnte unser Gespräch gestört werden.“
Prinz Firouz Schah war nun überzeugt, dass die Neigung der Prinzessin der seinen entsprach; doch obwohl jedes ihrer Worte und jede ihrer Bewegungen die Zärtlichkeit seiner Leidenschaft steigerte, vergaß er nicht die Achtung, die er ihrem Rang und ihrer Tugend schuldete. Eine ihrer Dienerinnen aber, die klar erkannte, wohin die Dinge sich entwickelten, und für sich selbst die Folgen einer plötzlichen Entdeckung fürchtete, zog sich heimlich zurück, ohne den anderen etwas zu sagen, lief rasch zum Obersten der Eunuchen und rief: „O elender Mann, was für eine jämmerliche Wache hast du gehalten, um die Ehre des Königs zu hüten; und wer ist dieser Mann oder Dschinn, den du zu unserer Herrin vorgelassen hast? Ja, wenn die Sache nicht schon jenseits aller Rettung ist, so ist es nicht dein Verdienst!“ Bei diesen Worten sprang der Eunuch erschrocken auf, ging heimlich hin, hob den Vorhang des inneren Gemachs und erblickte an der Seite der Prinzessin einen Jüngling von so schöner und majestätischer Erscheinung, dass er es nicht wagte, ungebeten einzutreten. Schreiend lief er zum König, und unterwegs zerriss er seine Kleider und streute sich Staub aufs Haupt. „O Herr und Gebieter“, rief er, „komm schnell und rette deine Tochter, denn bei ihr ist ein Dschinn in menschlicher Gestalt, anzusehen wie ein Königssohn; und wenn er sie nicht schon entführt hat, so beeile dich und befiehl, ihn zu ergreifen, damit du nicht kinderlos wirst.“
Der König erhob sich sofort und ging in großer Hast und Furcht zum Palast seiner Tochter. Dort kamen ihm einige ihrer Frauen entgegen, die seine Angst sahen und sagten: „O Herr, fürchte nicht um die Sicherheit deiner Tochter; denn dieser junge Mann ist im Herzen so schön wie von Gestalt, und so keusch sein Benehmen ist, so ehrenhaft sind auch seine Absichten.“
Da kühlte der Zorn des Königs etwas ab; doch da noch vieles einer Erklärung bedurfte, zog er sein Schwert und trat mit drohender Miene in das Gemach, in dem seine Tochter und der Prinz noch immer im Gespräch beisammensaßen. Als Prinz Firouz Schah sah, wie der Neuankömmling in kriegerischer Haltung auf ihn zukam, zog er sein eigenes Schwert und stand zur Verteidigung bereit; worauf der König, der sah, dass der andere der Stärkere war, seine Waffe in die Scheide steckte und ihn mit einer grüßenden Geste höflich ansprach. „Sagt mir, schöner Jüngling“, sprach er, „ob Ihr Mensch oder Teufel seid, denn auch wenn Ihr menschlich ausseht, wie sonst als durch Teufelei seid Ihr hierhergekommen?“
„Majestät“, erwiderte der Jüngling, „wäre nicht die Achtung, die ich dem Vater einer so schönen Tochter schulde, so könnte ich, der ich ein Sohn von Königen bin, eine solche Unterstellung übel nehmen. Seid jedoch versichert: Auf welchem Weg ich auch hierhergekommen sein mag, meine Absichten sind jetzt ganz und gar menschlich und ehrenhaft; denn ich habe keinen anderen und keinen innigeren Wunsch, als Euer Schwiegersohn zu werden, indem ich diese Prinzessin heirate, in deren Augen Gunst gefunden zu haben mein Glück ist.“
„Was Ihr mir sagt“, antwortete der König, „mag alles wahr sein; doch es ist nicht Sitte, dass Königssöhne ohne Erlaubnis der Besitzer in Paläste eindringen, noch dazu unangemeldet und ohne Gefolge oder irgendein Zeichen ihrer Königswürde. Wie soll ich also mein Volk davon überzeugen, dass Ihr ein würdiger Bewerber um die Hand meiner Tochter seid?“
„Der Beweis von Ehre und Königswürde“, antwortete der andere, „liegt nicht allein in Pracht und Gefolge, obwohl mir auch diese zu Gebote stünden, hätte ich die Geduld, auf ihre Ankunft aus jenem allzu fernen Land zu warten, in dem mein Vater König ist. Lasst es genügen, wenn ich meinen Wert allein und ohne Hilfe so beweisen kann, dass alle zufrieden sind.“ „Allein und ohne Hilfe?“, sagte der König. „Wie soll das gehen?“ „Ich werde es so beweisen“, antwortete der Prinz. „Ruft Eure Truppen herbei und lasst sie diesen Palast umstellen; sagt ihnen, Ihr hättet hier einen Fremden, über den nichts bekannt ist und der erklärt, er werde Euch Eure Tochter mit Gewalt entführen, wenn Ihr sie ihm nicht zur Frau gebt. Befehlt ihnen, alle Mittel einzusetzen, um mich zu fangen und zu töten, und wenn ich einen so ungleichen Kampf überlebe, dann urteilt, ob ich würdig bin, Euer Schwiegersohn zu werden, oder nicht.“
Der König nahm den Vorschlag sofort an und willigte ein, sich an den Ausgang zu halten; doch es betrübte ihn, dass ein Jüngling von so schönem Aussehen und so vielversprechend sein Leben in einem so tollkühnen Abenteuer wegwerfen sollte. Sobald der Tag anbrach, ließ er seinen Wesir rufen und befahl ihm, alle Heerführer mit ihren Truppen und Kompanien zu versammeln, bis sich schließlich vierzigtausend Reiter und ebenso viele Fußsoldaten um den Palast geschart hatten; und der König gab ihnen Anweisungen und sagte: „Wenn der junge Mann, vor dem ich euch gewarnt habe, herauskommt und euch zum Kampf herausfordert, dann fallt über ihn her und erschlagt ihn, denn auf keinen Fall darf er entkommen.“ Dann führte er den Prinzen auf einen freien Platz, von dem aus er das ganze Heer sehen konnte, das gegen ihn in Schlachtordnung aufgestellt war. „Dort“, sagte der König und zeigte hinüber, „sind jene, mit denen Ihr kämpfen müsst; geht hinaus und verfahrt mit ihnen, wie es Euch am besten scheint.“
„Nein“, antwortete der Prinz, „das sind keine fairen Bedingungen, denn dort sehe ich Reiter ebenso wie Fußvolk; wie soll ich gegen sie kämpfen, wenn ich nicht beritten bin?“ Der König bot ihm sofort das beste Pferd aus seinen Ställen an, doch davon wollte der Prinz nichts wissen. „Ist es gerecht“, sagte er, „dass ich mein Leben unter solchen Bedingungen einem Pferd anvertraue, das ich nie geritten habe? Ich reite kein anderes Pferd als das, auf dem ich hierhergekommen bin.“ „Wo ist es denn?“, fragte der König. „Wenn es noch dort ist, wo ich es gelassen habe“, antwortete der Prinz, „steht es auf dem Dach des Palastes.“
Alle, die diese Antwort hörten, waren voller Gelächter und Erstaunen, denn es schien unmöglich, dass ein Pferd auf ein so hohes Dach geklettert sein könnte. Dennoch befahl der König, danach zu suchen, und tatsächlich fanden die Ausgesandten dort das Pferd aus Ebenholz und Elfenbein, steif und reglos. Und obwohl es ihnen noch immer nur wie ein Anlass für Scherz und Spott vorkam, gehorchten sie dem Befehl des Königs, hoben es auf ihre Schultern, trugen es hinunter und brachten es auf den freien Platz vor dem Palast, wo die Truppen des Königs versammelt waren.
Da trat Prinz Firouz Schah vor, sprang auf das Pferd und rief den achtzigtausend Mann, die in Schlachtordnung gegen ihn standen, seine Herausforderung zu. Und als sie ihrerseits sahen, wie kühn der Jüngling seinem eigenen Verderben entgegenging, zogen sie die Schwerter, legten die Lanzen ein und stürmten alle zugleich zum Angriff. Der Prinz wartete, bis sie fast bei ihm waren, dann drehte er den Zapfen am Sattelknauf, ließ das Pferd plötzlich in die Luft steigen, und alle vordersten Reihen des Feindes prallten unter ihm aufeinander. Bei diesem Anblick hielten der König und sein ganzer Hof vor Staunen den Atem an, und das Heer taumelte und schwankte hierhin und dorthin und schlug vergeblich nach den Hufen des Zauberpferdes, das über es hinwegflog. Da rief der König, voller Angst, es könnte wirklich ein böser Dschinn sein, der ihm seine Tochter entführen wollte, seinen Bogenschützen zu, sie sollten schießen; doch ehe sie ihre Bogen bereitmachen konnten, hatte Prinz Firouz Schah den Zapfen ein weiteres Mal gedreht, und sofort schnellte das Pferd empor und stieg höher als das Dach des Palastes, sodass alle Pfeile zu kurz flogen und Verderben auf jene herabregnen ließen, die unten standen.
Da rief der Prinz dem König zu: „O König von Bengalen, habe ich mich nun nicht als würdig erwiesen, dein Schwiegersohn zu sein, und willst du mir nicht die Hand deiner Tochter zur Ehe geben?“ Doch der Zorn des Königs war sehr groß, denn er war vor seinem Volk zum Narren gemacht worden, Panik hatte die Reihen seines Heeres zerbrochen, und viele seiner Männer waren getötet worden; und keinesfalls wollte er jemanden zum Schwiegersohn haben, der eine solche Macht besaß, Ordnung und Gefüge seines Königreichs umzustürzen. So rief er dem Prinzen zurück: „O elender Zauberer, mach dich fort, wenn dir dein Leben lieb ist, denn wenn du es je wagst, zurückzukehren und einen Fuß in mein Reich zu setzen, wird dein Lohn der Tod sein und nicht meine Tochter!“ So sprach er in seinem Zorn und vergaß ganz und gar das Versprechen, das er gegeben hatte.
Nun muss man wissen, dass die Prinzessin die ganze Zeit vom Dach des Palastes aus den Kampf beobachtet hatte; und so groß zu Beginn ihre Angst und Sorge um den Prinzen gewesen war, so überglücklich war sie nun, als sie sah, wie er sich über die Gefahren erhob, die ihn bedroht hatten. Doch sobald sie die Worte ihres Vaters hörte, erfüllte sie neue Angst, sie und ihr Geliebter könnten nun getrennt werden; und als der Prinz auf dem Zauberpferd vorbeigeflogen kam, streckte sie die Arme nach ihm aus und rief: „O Herr des fliegenden Vogels, lass mich nicht verlassen zurück, denn wenn du mich jetzt verlässt, werde ich sterben.“
Kaum hörte Prinz Firouz Schah diese Worte, als er sein Ross im Flug anhielt, tief über das Dach des Palastes herabstieß, die Prinzessin in die Arme schloss und sie vor sich auf den Sattel setzte; und sogleich, auf den Druck seines Reiters hin, erhob sich das Pferd unter ihnen und trug sie hoch in die Lüfte davon, sodass sie augenblicklich aus den Augen des Königs und seines Volkes verschwanden.
Doch während sie reisten, wurde der Tag heiß, und die Sonne brannte unbarmherzig auf sie herab; und als der Prinz hinunterblickte, sah er eine grüne Wiese am Ufer eines Sees. Da sagte er: „O Sehnsucht meines Herzens, lass uns auf jene Wiese hinabgehen und Ruhe und Erfrischung suchen, und dort lass uns warten, bis es Abend ist, damit wir unbemerkt zum Palast meines Vaters gelangen; und wenn ich dich sicher und heimlich dorthin gebracht habe, will ich Vorbereitungen treffen, damit du am Hof meines Vaters so erscheinen kannst, wie es deinem Rang gebührt.“
Die Prinzessin willigte ein, und so stiegen sie hinab, setzten sich an den See und erquickten sich süß an der Liebe, bis es Abend war. Dann standen sie auf, stiegen noch einmal auf das Zauberpferd und kamen in der Nacht an den Rand der Stadt, in der der König von Persien wohnte. Im Garten des Sommerpalastes, der außerhalb der Mauern lag, herrschten Stille und Einsamkeit, und als der Königssohn unbemerkt dorthin gelangt war, führte er die Prinzessin zu einem Pavillon, dessen Tür offen stand, stellte das Zauberpferd davor und bat sie, drinnen zu bleiben und zu warten, bis sein Bote käme, um sie zu dem Palast zu bringen, den er für sie herrichten lassen wollte.
Nachdem er sie so in Sicherheit gebracht hatte, ging der Prinz in die Stadt, um sich dem König, seinem Vater, vorzustellen; und er fand ihn in tiefer Trauer und Betrübnis wegen der Abwesenheit seines Sohnes. Als sein Vater ihn sah, stand er auf und umarmte ihn zärtlich, freute sich über seine sichere Heimkehr und wollte unbedingt wissen, wie es ihm ergangen war. Und der Prinz sagte: „O mein Vater, wenn es dein Wille und Wohlgefallen ist: Ich bin weit reicher zu dir zurückgekehrt, als ich fortging. Denn ich habe die schönste Prinzessin mitgebracht, die die Augen der Liebe je erblickt haben, und sie ist die Tochter des Königs von Bengalen; und wegen meiner Liebe zu ihr und des großen Dienstes, den sie mir erwiesen hat, als ich ein Fremder unter Feinden war, habe ich kein anderes Herz, keinen anderen Sinn und keinen anderen Willen, als Eure Zustimmung zu erlangen, dass ich sie heiraten darf.“ Und als der König das hörte und alles, was die Prinzessin getan hatte und wie sie zusammen entkommen waren, gab er bereitwillig seine Zustimmung und befahl, sofort einen Palast für ihren Empfang herzurichten, damit sie am nächsten Tag so vor dem Volk erscheinen könne, wie es ihrem Rang gebühre.
Während die Vorbereitungen im Gange waren, erkundigte sich der Prinz nach dem Weisen, denn er fürchtete, der König könnte ihn getötet haben. „Sprich nicht von ihm“, rief der König. „Wollte der Himmel, ich hätte weder ihn noch seine Erfindung je gesehen, denn daraus ist all mein Kummer und Wehklagen entstanden. Darum liegt er jetzt im Gefängnis und wartet auf den Tod.“
„Nein“, sagte der Prinz, „nun sollte er gewiss freigelassen und angemessen belohnt werden, da er ohne sein Wissen die Ursache meines Glücks geworden ist; aber gib ihm nicht meine Schwester zur Frau.“
Also ließ der König den Inder in einem Ehrengewand vor sich bringen. Und der König sagte zu ihm: „Weil mein Sohn, den deine üble Erfindung mir entrissen hat, wohlbehalten zurückgekehrt ist, will ich dein Leben schonen. Und als Lohn für deinen Erfindungsgeist schenke ich dir dieses Ehrengewand; doch nun nimm dein Pferd, wo immer es sein mag, und geh, und tritt mir nie wieder unter die Augen. Und wenn du heiraten willst, so suche dir eine Frau deines Standes, doch strebe nicht nach den Töchtern von Königen.“
Als der Inder das hörte, verbarg er seine Wut, verneigte sich bis zur Erde und verließ den König. Und während er ging, lief überall im Palast die Geschichte um, wie der Königssohn auf dem Zauberpferd zurückgekehrt sei und eine Prinzessin von wunderbarster Schönheit mitgebracht habe und wie sie in den Gärten des Sommerpalastes außerhalb der Mauern gelandet seien.
Als man ihm dies erzählte, erkannte der Inder sofort seine Gelegenheit, verließ eilig die Stadt und erreichte den Sommerpalast noch vor dem Boten mit dem bestimmten Gefolge, das der Prinz und der König schickten. Als er zum Pavillon im Garten kam, fand er die Prinzessin drinnen wartend und vor der Tür das Pferd aus Elfenbein und Ebenholz. Da hüpfte sein Herz vor Freude, umso mehr, als er sah, wie weit das Mädchen an Lieblichkeit alles übertraf, was man von ihr erzählt hatte. Er betrat das Gemach, in dem sie saß, und küsste den Boden zu ihren Füßen; und als sie jemanden in einem Amtsgewand sah, der sich vor ihr verneigte, sprach sie ihn ohne Furcht an und sagte: „Wer bist du?“
Der Weise antwortete: „O Mond der Schönheit, ich bin nur der Staub auf der Straße, auf der du reisen wirst. Doch ich komme als Bote des Königssohns, der mich gesandt hat, dich in aller Eile in ein Gemach im königlichen Palast zu bringen, wo er dich jetzt erwartet.“
Nun war der Inder von ganz und gar hässlicher und abscheulicher Gestalt. Die Prinzessin sah ihn daher überrascht an und sagte: „Konnte der Königssohn niemand anderen finden, um ihn zu mir zu schicken, als dich?“ Der Weise lachte, denn er verstand, was ihre Worte bedeuteten. „O Ergründerin der Herzen“, sagte er, „wundere dich nicht, dass der Prinz dir einen Mann von wenig anziehendem Aussehen geschickt hat, denn aus Liebe zu dir ist er überaus eifersüchtig geworden. Wäre es anders, so hätte er zweifellos den Höchsten und Ehrenwertesten im Land gewählt; doch da ich bin, wie ich bin, hat er es vorgezogen, mich zu seinem Boten zu machen.“
Als die Prinzessin das hörte, glaubte sie ihm, und weil ihre Ungeduld, bei ihrem Geliebten zu sein, so groß war, gab sie sich bereitwillig in seine Hände. Da stieg der Weise auf das Pferd und nahm das Mädchen hinter sich; und nachdem er sie zur Sicherheit an seinen Gürtel gebunden hatte, drehte er den Zapfen so schnell, dass sie sich sofort hoch über das Dach des Palastes in die Luft erhoben, vor den Augen des königlichen Gefolges, das sich gerade näherte.
Weil nun sein Verlangen, bei seiner Geliebten zu sein, so stark war, war der Prinz selbst allen anderen vorausgeeilt, um sie zu empfangen; und als er sah, wie sie so als Gefangene davongetragen wurde, stieß er einen lauten Klageschrei aus und streckte die Hände nach ihr aus. Der Schrei ihres Geliebten drang an die Ohren der Prinzessin, und als sie hinunterblickte, sah sie verwundert seine Gebärden des Schmerzes und der Verzweiflung. Da sagte sie zu dem Inder: „O Sklave, warum trägst du mich von deinem Herrn fort und missachtest seinen Befehl?“ Der Weise antwortete: „Er ist nicht mein Herr, und ich schulde ihm weder Pflicht noch Gehorsam. Möge der Himmel ihm all den Kummer vergelten, den er über mich gebracht hat, denn ich bin der Erbauer dieses Pferdes, auf dem er dich gewonnen hat, und weil er es mir gestohlen hat, wurde ich ins Gefängnis geworfen. Doch jetzt nehme ich für all mein Unrecht volle Vergeltung und will sein Herz quälen, wie er das meine gequält hat. Sei daher guten Mutes, denn zweifle nicht daran, dass ich dir bald als begehrenswerterer Liebhaber erscheinen werde, als er es je war.“
Als die Prinzessin diese Worte hörte, erfüllten sie solcher Schrecken und Abscheu, dass sie versuchte, sich aus dem Sattel zu stürzen; doch da der Inder sie an seinen Gürtel gebunden hatte, gab es vorerst kein Entkommen.
Das Pferd hatte sie unterdessen weit fort von der Stadt des Königs von Persien getragen, und es war noch früh am Morgen, als sie über das Land Kaschmir gelangten. In der Gewissheit, dass er nun vor Verfolgern sicher war, und als er unter sich ein unbewohntes Land sah, ließ der Inder das Pferd am Rand eines Waldes niedergehen, an dem ein Bach entlangfloss. Hier ließ er die Prinzessin absteigen und war schon dabei, ihr seine niederträchtigen und zudringlichen Aufmerksamkeiten aufzuzwingen, als die Schreie der Prinzessin eine Schar Reiter an diesen Ort lockten, die in der Nähe gejagt hatten. Der Anführer der Schar, der kein anderer als der Sultan dieses Landes war, sah ein schönes Mädchen, das von einem Mann mit rohem und boshaftem Aussehen misshandelt wurde, ritt heran und fragte den Inder, mit welchem Recht er sie so behandle. Der Weise erklärte dreist, sie sei seine Frau, und wie er sie behandle, gehe niemanden etwas an außer ihn selbst. Das Mädchen jedoch widersprach seiner Behauptung voller Empörung und Verachtung, und so groß waren ihre Schönheit und die Würde ihrer Haltung, dass man ihre Darstellung der Sache nur zu hören brauchte, um ihr zu glauben. Der Sultan befahl daher, den Inder zu fesseln und zu schlagen und ihn danach in die nahe Stadt zu führen und dort in das tiefste Verlies zu werfen. Die Prinzessin und das Zauberpferd ließ er in den Palast bringen; dort stellte er dem Mädchen prächtige Gemächer mit Sklaven und Dienern zur Verfügung, wie es ihrem Rang gebührte; das Pferd aber, dessen Eigenschaften geheim blieben, wurde in die königliche Schatzkammer gebracht, da man keinen anderen Nutzen dafür fand.
Obwohl die Prinzessin voller Freude über ihre Rettung vor dem Inder und voller Dankbarkeit gegenüber ihrem Retter war, konnte sie im Verhalten des Sultans ihr gegenüber nicht übersehen, welchen Zauber ihre Schönheit auf ihn ausübte. Und tatsächlich wurde sie schon am nächsten Tag vom Lärm des Trubels und Jubels in der ganzen Stadt geweckt, und als sie nach dem Grund fragte, erfuhr sie, dass diese Feierlichkeiten das Vorspiel zu ihrer eigenen Hochzeit mit dem Sultan seien, die noch am selben Tag vor Sonnenuntergang gefeiert werden sollte.
Bei dieser Nachricht war ihre Bestürzung so groß, dass sie sofort in Ohnmacht fiel und lange Zeit sprachlos blieb. Doch kaum hatte sie ihre Sinne wieder beisammen, stand ihr Entschluss fest, und als der Sultan eintrat, wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist, um ihr seine Aufwartung zu machen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, verfiel sie in so maßlose Gebärden und Reden, so geschickt ersonnen, dass alle, die sie sahen, von ihrem Wahnsinn überzeugt waren. Und um ihr Ziel umso sicherer zu erreichen und zugleich ihren Gefühlen Luft zu machen, ging sie heftig auf den Sultan selbst los; und sie ließ nicht ab, bis sie ihn zu der Einsicht gebracht hatte, dass alle Hoffnungen, die Ehe vorerst zu vollziehen, vergeblich waren.
Auch am folgenden Tag und an jedem weiteren zeigte die Prinzessin dieselben heftigen Anzeichen, sobald der Sultan sich ihr näherte. Vergeblich wurden alle weisesten Ärzte des Landes zur Beratung herbeigerufen. Während einige erklärten, ihr Leiden sei heilbar, erklärten andere, deren Wort die Prinzessin durch ihr Verhalten jedes nur mögliche Gewicht verlieh, es sei unheilbar; und kein Heilmittel wurde angewandt, das die Krankheit nicht sofort zu verschlimmern schien.
Und hier müssen wir die Prinzessin für eine Weile verlassen und zu Prinz Firouz Schah zurückkehren, dessen Kummer keine Worte beschreiben können. Er konnte die Last der Abwesenheit seiner Geliebten in der Pracht des väterlichen Palastes nicht ertragen und sie auch nicht dem Schicksal überlassen, ohne einen Rettungsversuch zu wagen; also verkleidete er sich als wandernder Derwisch, verließ heimlich den persischen Hof und zog in die Welt hinaus, um sie zu suchen.
Viele Monate reiste er ohne Spur oder Nachricht, die ihn hätte leiten können; doch wie der Himmel der Beständigkeit in der Liebe stets seine Gunst schenkt, so führte er ihn schließlich in das Land Kaschmir und in die Stadt seines Sultans. Als er sich ihr nun auf der Hauptstraße näherte, kam er mit einem Kaufmann ins Gespräch und erkundigte sich bei ihm nach der Stadt und dem Leben und den Verhältnissen ihrer Bewohner. Der Kaufmann sah ihn verwundert an und sagte: „Ihr müsst gewiss aus einem fernen Land kommen, wenn Ihr nichts von den seltsamen Dingen gehört habt, die sich hier zugetragen haben, denn überall in diesen Gegenden und bei allen Karawanen erzählt man sich die Geschichte von dem seltsamen Mädchen, dem Ebenholzpferd und der aufgeschobenen Hochzeit.“
Als der Prinz das hörte, wusste er, dass das Ende seiner Wanderschaft in Sicht war; und indem er die Stadt mit frohen Augen betrachtete, sagte er: „Erzählt mir davon, denn ich weiß nichts von alledem.“ Da erzählte ihm der Kaufmann wahrheitsgetreu alles, was hier berichtet worden ist; und als er geendet hatte, sagte er: „O Derwisch, obwohl Ihr jung seid, habt Ihr das Licht der Weisheit in den Augen; und wenn Ihr auch die Kraft des Heilens in den Händen habt, dann sage ich Euch, dass in dieser Stadt das Glück auf Euch wartet, denn der Sultan wird sogar die Hälfte seines Königreichs jedem Mann geben, der diesem Mädchen die geistige Gesundheit wiedergibt.“
Da fühlte der Königssohn sein Herz höherschlagen, auch wenn er wohl wusste, dass das Glück, das er suchte, nicht nach dem Willen des Sultans sein würde; also verabschiedete er sich von dem Kaufmann, legte das Gewand eines Arztes an, ging hin und stellte sich im Palast vor.
Der Sultan freute sich über sein Kommen, denn obwohl viele Ärzte Heilung versprochen und alle versagt hatten, weckte doch jeder Neuankömmling neue Hoffnung in ihm. Da nun der Anblick eines Arztes das Leiden der Prinzessin stets erheblich zu verschlimmern schien, führte der Sultan ihn in eine kleine Kammer oder auf einen Balkon, damit er sie von dort unbemerkt betrachten konnte. So sah Prinz Firouz Schah, der so viele Meilen auf der Suche nach ihr gereist war, seine Geliebte in tiefer Niedergeschlagenheit neben einem Brunnen sitzen; und während ihr unablässig die Tränen aus den Augen liefen, seufzte und sang sie. Als er nun ihre Stimme und die Worte hörte und den sanften Kummer in ihrem Gesicht sah, wusste der Prinz, dass ihre Krankheit nur vorgetäuscht war; und er ging hinaus und sagte zum Sultan: „Dieses Leiden ist heilbar; doch für die Heilung fehlt noch etwas. Lasst mich hineingehen und allein mit dem Mädchen sprechen, und bei meinem Leben verspreche ich, dass die Heilung, wenn alles nach meinen Anweisungen geschieht, morgen um diese Zeit vollbracht sein wird.“
Bei diesen Worten freute sich der Sultan sehr und befahl, dem Arzt die Türen zum Gemach der Prinzessin zu öffnen. So trat Firouz Schah ein, und er und seine Geliebte waren allein. Wegen seines Kummers, seiner Wanderschaft und seines gewachsenen Bartes hatte sich das Gesicht des Prinzen so verändert, dass die Prinzessin ihn nicht erkannte; doch als sie jemanden in der Kleidung eines Arztes vor sich sah, sprang sie in gespielter Raserei auf und begann, sich heftig hin und her zu werfen, bis sie vor völliger Erschöpfung zu Boden sank. Da trat der Prinz näher und rief sie [Pg 97]sanft beim Namen; und sobald sie seine Stimme hörte, erkannte sie ihn und stieß einen lauten Schrei aus. Da legte der Königssohn den Mund an ihr Ohr und sagte: „O Versuchung aller Herzen, schone jetzt mein Leben und hab Geduld, denn gewiss bin ich gekommen, um dich zu retten; doch wenn der Sultan erfährt, wer ich bin, sind wir tot, du und ich, denn seine Eifersucht ist groß.“ Da antwortete sie und sagte: „O du, der du mir das Leben bringst, sag mir, was ich tun soll?“ Der Prinz sagte: „Wenn ich von hier fortgehe, lass es so aussehen, als hätte ich dir deine Sinne wiedergegeben; die vollständige Heilung aber soll erst danach kommen. Wenn also der Sultan zu dir kommt, sei traurig und sanftmütig und weise ihn nicht ab, wie du es bisher getan hast. Doch fürchte nichts, denn ich werde dich bis zuletzt vor ihm beschützen.“ Und mit diesen Worten verließ er die Prinzessin, kehrte zum Sultan zurück und sagte zu ihm: „Geht hinein und seht, ob die Heilung nicht schon wirkt; aber tretet ihr nicht zu nahe, denn obwohl der Dschinn, der sie besessen hat, gebunden ist, ist er noch nicht ausgetrieben; doch morgen vor Mittag wird das Heilmittel vollständig wirken.“
Also ging der Sultan hin und fand sie genau so, wie man es ihm gesagt hatte; und voller Freude und Dankbarkeit kehrte er zu Firouz Schah zurück und sagte: „Wahrlich, du bist ein Heiler, und die anderen sind nur Stümper und Narren. Darum gib nun deine Befehle, und alles soll nach deinem Willen geschehen. Zweifle nicht daran, dass dein Lohn groß sein wird.“
Da sagte der Prinz: „Lass das Pferd aus Elfenbein und Ebenholz, das anfangs bei ihr war, herbeibringen und wieder an die Stelle setzen, an der es gefunden wurde, und lass auch das Mädchen herbeibringen und in meine Hand geben; und es wird geschehen, dass, sobald ich sie auf das Pferd gesetzt habe, der böse Dschinn, der sie gefangen hielt, plötzlich losgelassen wird und von ihr in das übergeht, was früher der Ort seiner Gefangenschaft war. So wird das Heilmittel vollständig wirken, und die Prinzessin wird vor aller Augen Freude an ihrem Herrn finden.“
Als der Sultan das hörte, schien ihm das Geheimnis des Ebenholzpferdes klar und sein Nutzen offenkundig. Darum befahl er, die Sache in aller Eile so auszuführen, wie es der Arzt der Prinzessin verlangte.
So brachten sie früh am nächsten Morgen das Pferd aus der königlichen Schatzkammer und die Prinzessin aus ihrem Gemach und trugen sie an den Ort, an dem man sie zuerst gefunden hatte; und ringsum hatte sich eine große Volksmenge versammelt, um das Schauspiel zu sehen. Da nahm Prinz Firouz Schah die Prinzessin, setzte sie auf das Pferd, schwang sich vor ihr in den Sattel und drehte den Zapfen zum Aufsteigen, und sofort erhob sich das Pferd mit großem Getöse in die Luft und schwebte über den Köpfen der erschrockenen Menge. Und der Königssohn beugte sich aus dem Sattel und rief mit lauter Stimme: „O Sultan von Kaschmir, wenn Ihr Prinzessinnen heiraten wollt, die Euren Schutz suchen, dann lernt zuerst, ihre Zustimmung einzuholen.“ Und mit diesen Worten trieb er das Pferd zu seiner höchsten Geschwindigkeit an, und wie ein Pfeil im Wind wurden er und die Prinzessin davongetragen, zogen vorüber und verschwanden und wurden in jenem Land nie wieder gesehen.
In der Stadt des Königs von Persien aber erwarteten sie große Freude, herzlicher Empfang und Dankgebete; und dort wurde ohne Aufschub die Hochzeit gefeiert, und im ganzen Land freute sich das Volk und feierte einen ganzen Monat lang. Doch wegen des Kummers und der Betrübnis, die es ihm bereitet hatte, zerbrach der König das Ebenholzpferd und zerstörte seine Mechanik. Seinen Erbauer aber ließ der Sultan von Kaschmir einen grausamen Tod sterben: Und so ist die Geschichte von dem Weisen und seiner Erfindung zu Ende erzählt.
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen