Pferdespaß

Black Beauty online lesen – Kapitel 33. Ein Londoner Droschkenpferd

· The Equinest

Schwarzes Pferd auf einer grünen Wiese

Kapitel 33. Ein Londoner Droschkenpferd

Jeremiah Barker hieß mein neuer Herr, doch da ihn alle Jerry nannten, will ich es ebenso halten. Polly, seine Frau, passte so gut zu ihm, wie es sich ein Mann nur wünschen kann. Sie war eine rundliche, adrette, ordentliche kleine Frau mit glattem, dunklem Haar, dunklen Augen und einem fröhlichen kleinen Mund. Der Junge war zwölf Jahre alt, ein großer, offener, gutmütiger Bursche; und die kleine Dorothy (sie nannten sie Dolly) war mit ihren acht Jahren ganz die Mutter. Sie hatten einander alle wunderbar gern; nie zuvor und nie danach habe ich eine so glückliche, fröhliche Familie kennengelernt. Jerry besaß eine eigene Droschke und zwei Pferde, die er selbst fuhr und versorgte. Sein anderes Pferd war ein großer, weißer, ziemlich grobknochiger Bursche namens „Captain“. Er war inzwischen alt, doch in seiner Jugend muss er prachtvoll gewesen sein; noch immer trug er den Kopf stolz und wölbte den Hals; kurz, er war ein edel gezogenes, wohlerzogenes, vornehmes altes Pferd, jeder Zoll an ihm. Er erzählte mir, dass er in seiner frühen Jugend in den Krimkrieg gezogen war; er hatte einem Offizier der Kavallerie gehört und war dem Regiment vorangeritten. Davon werde ich später mehr erzählen.

Am nächsten Morgen, als ich gut geputzt war, kamen Polly und Dolly in den Hof, um mich anzusehen und Freundschaft zu schließen. Harry hatte seinem Vater seit dem frühen Morgen geholfen und erklärt, ich würde mich bestimmt als „richtiger Prachtkerl“ erweisen. Polly brachte mir eine Apfelscheibe und Dolly ein Stück Brot, und sie machten so viel Aufhebens um mich, als wäre ich der „Black Beauty“ aus alten Zeiten. Es war eine große Freude, wieder gestreichelt und mit sanfter Stimme angesprochen zu werden, und ich zeigte ihnen, so gut ich konnte, dass ich freundlich sein wollte. Polly fand mich sehr hübsch und viel zu schade für eine Droschke, wären da nicht die zerschundenen Knie gewesen.

„Natürlich kann uns niemand sagen, wessen Schuld das war“, sagte Jerry, „und solange ich es nicht weiß, gilt für ihn: im Zweifel für den Angeklagten; denn einen sichereren, saubereren Gänger bin ich nie geritten. Wir nennen ihn ‚Jack‘, nach dem alten – was meinst du, Polly?“

„Tu das“, sagte sie, „ich halte einen guten Namen gern am Leben.“

Captain war den ganzen Vormittag mit der Droschke unterwegs. Harry kam nach der Schule, um mich zu füttern und zu tränken. Am Nachmittag wurde ich vor die Droschke gespannt. Jerry gab sich so viel Mühe zu prüfen, ob Kummet und Zaum bequem saßen, als wäre er ein zweiter John Manly. Als der Schweifriemen ein oder zwei Löcher weiter geschnallt war, passte alles gut. Es gab keinen Aufsatzzügel, keine Kandare, nichts als eine einfache Ringtrense. Was für ein Segen das war!

Nachdem wir durch die Seitenstraße gefahren waren, kamen wir zu dem großen Droschkenstand, an dem Jerry „Gute Nacht“ gesagt hatte. Auf der einen Seite dieser breiten Straße standen hohe Häuser mit prächtigen Schaufenstern, auf der anderen eine alte Kirche mit Kirchhof, umgeben von einem eisernen Gitterzaun. Entlang dieses Eisengitters stand eine Reihe von Droschken und wartete auf Fahrgäste; Heureste lagen auf dem Boden herum; einige der Männer standen beisammen und unterhielten sich, einige saßen auf ihren Kutschböcken und lasen Zeitung, und ein oder zwei fütterten ihre Pferde mit etwas Heu und gaben ihnen Wasser zu trinken. Wir reihten uns hinter der letzten Droschke ein. Zwei oder drei Männer kamen herüber, begannen mich zu begutachten und ihre Bemerkungen zu machen.

„Sehr gut für einen Leichenzug“, sagte einer.

„Sieht zu schmuck aus“, sagte ein anderer und schüttelte dabei sehr weise den Kopf. „Eines schönen Morgens wirst du schon merken, dass etwas faul ist, oder ich heiße nicht Jones.“

„Nun“, sagte Jerry freundlich, „ich muss es ja wohl erst merken, wenn es mich merkt, was? Und bis dahin bleibe ich eben noch ein bisschen länger guter Dinge.“

Da kam ein Mann mit breitem Gesicht heran, gekleidet in einen großen grauen Mantel mit großem grauem Umhang und großen weißen Knöpfen, einen grauen Hut auf dem Kopf und einen blauen Wollschal locker um den Hals gebunden; auch sein Haar war grau; doch er sah aus wie ein fröhlicher Kerl, und die anderen Männer machten ihm Platz. Er musterte mich von oben bis unten, als wollte er mich kaufen; dann richtete er sich mit einem Grunzen auf und sagte: „Das ist der Richtige für dich, Jerry; mir ist gleich, was du für ihn bezahlt hast, er wird es wert sein.“ So war mein Ruf am Stand begründet.

Dieser Mann hieß Grant, doch man nannte ihn „Gray Grant“ oder „Governor Grant“. Er stand von allen Männern am längsten an diesem Stand und hatte es übernommen, Angelegenheiten zu regeln und Streitigkeiten zu schlichten. Im Allgemeinen war er ein gutmütiger, vernünftiger Mann; doch wenn er schlecht gelaunt war, wie es manchmal vorkam, wenn er zu viel getrunken hatte, wollte niemand seiner Faust zu nahe kommen, denn er konnte einen sehr kräftigen Schlag austeilen.

Die erste Woche meines Lebens als Droschkenpferd war sehr anstrengend. London war mir fremd, und der Lärm, die Hast, das Gedränge von Pferden, Karren und Kutschen, durch das ich mir meinen Weg bahnen musste, machten mich unruhig und gehetzt; doch bald merkte ich, dass ich mich voll und ganz auf meinen Fahrer verlassen konnte, und da beruhigte ich mich und gewöhnte mich daran.

Jerry war ein so guter Fahrer, wie ich nur je einen gekannt hatte, und, was noch besser war, er sorgte sich ebenso um seine Pferde wie um sich selbst. Er merkte bald, dass ich willig war zu arbeiten und mein Bestes zu geben, und er gebrauchte die Peitsche nie bei mir, außer dass er ihr Ende sanft über meinen Rücken streichen ließ, wenn ich antreten sollte; doch meistens wusste ich das schon an der Art, wie er die Zügel aufnahm, und ich glaube, seine Peitsche steckte häufiger neben ihm in der Halterung, als dass er sie in der Hand hielt.

Nach kurzer Zeit verstanden mein Herr und ich einander so gut, wie Pferd und Mensch es nur können. Auch im Stall tat er alles, was er konnte, damit wir es bequem hatten. Die Stände waren altmodisch gebaut und zu stark abschüssig; doch er hatte zwei bewegliche Querstangen an der Rückseite unserer Stände angebracht, sodass er uns nachts und wenn wir ruhten, einfach die Halfter abnahm und die Stangen vorlegte; so konnten wir uns umdrehen und stehen, wie es uns gefiel, was eine große Wohltat ist.

Jerry hielt uns sehr sauber, gab uns so viel Abwechslung im Futter, wie er konnte, und immer reichlich davon; und nicht nur das, er gab uns auch stets reichlich sauberes, frisches Wasser, das er Tag und Nacht bei uns stehen ließ, außer natürlich, wenn wir erhitzt hereinkamen. Manche Leute sagen, ein Pferd sollte nicht so viel trinken dürfen, wie es will; doch ich weiß: Wenn wir trinken dürfen, wann wir wollen, trinken wir jedes Mal nur ein wenig, und das bekommt uns viel besser, als einen halben Eimer auf einmal hinunterzuschlucken, weil man uns so lange ohne Wasser gelassen hat, bis wir durstig und elend sind. Manche Stallknechte gehen nach Hause zu ihrem Bier und lassen uns stundenlang mit unserem trockenen Heu und Hafer allein, ohne etwas, das ihn anfeuchtet; dann schlingen wir natürlich zu viel auf einmal hinunter, was unserem Atem schadet und manchmal unseren Magen verkühlt. Doch das Beste, was wir hier hatten, waren unsere Sonntage zum Ausruhen; wir arbeiteten unter der Woche so hart, dass wir es ohne diesen Tag wohl nicht hätten durchhalten können; außerdem hatten wir dann Zeit, die Gesellschaft des anderen zu genießen. An diesen Tagen erfuhr ich die Geschichte meines Gefährten.

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Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen