Pferdespaß
Black Beauty online lesen – Kapitel 34. Ein altes Kriegspferd

Kapitel 34. Ein altes Kriegspferd
Captain war als Armeepferd angeritten und ausgebildet worden; sein erster Besitzer war ein Kavallerieoffizier, der in den Krimkrieg zog. Er sagte, die Ausbildung mit all den anderen Pferden habe ihm großen Spaß gemacht: gemeinsam traben, gemeinsam wenden, nach rechts oder nach links, auf Kommando halten oder beim Klang der Trompete oder auf das Zeichen des Offiziers in vollem Tempo vorwärtsstürmen. In seiner Jugend war er ein dunkler, eisengrauer Apfelschimmel gewesen und galt als sehr schön. Sein Herr, ein junger, temperamentvoller Gentleman, hatte ihn sehr gern und behandelte ihn von Anfang an mit größter Sorgfalt und Güte. Er erzählte mir, er habe das Leben eines Armeepferdes sehr angenehm gefunden; doch als es darum ging, auf einem großen Schiff übers Meer ins Ausland geschickt zu werden, hätte er es sich beinahe anders überlegt.
„Dieser Teil“, sagte er, „war furchtbar! Natürlich konnten wir nicht einfach vom Land aufs Schiff gehen; also mussten sie uns starke Gurte unter den Bauch legen, und dann wurden wir, so sehr wir uns auch wehrten, von den Beinen gehoben und durch die Luft über das Wasser auf das Deck des großen Schiffes geschwungen. Dort brachte man uns in kleine, enge Stände, und lange Zeit sahen wir weder den Himmel, noch konnten wir unsere Beine strecken. Bei starkem Wind schlingerte das Schiff manchmal heftig, wir wurden hin und her geworfen und fühlten uns elend genug.
„Doch schließlich hatte es ein Ende, wir wurden hochgezogen und wieder an Land geschwungen; wir waren sehr froh und schnaubten und wieherten vor Freude, als wir endlich wieder festen Boden unter den Hufen spürten.
„Bald merkten wir, dass das Land, in das wir gekommen waren, ganz anders war als unser eigenes und dass wir außer den Kämpfen noch viele Entbehrungen zu ertragen hatten; doch viele der Männer hingen so an ihren Pferden, dass sie alles taten, was sie konnten, um es ihnen trotz Schnee, Nässe und aller Unordnung so angenehm wie möglich zu machen.“
„Aber was ist mit den Kämpfen?“, fragte ich. „War das nicht schlimmer als alles andere?“
„Nun“, sagte er, „ich weiß es kaum; wir hörten die Trompete immer gern erschallen und wurden gern ausgerufen und konnten es kaum erwarten loszureiten, auch wenn wir manchmal stundenlang stehen und auf das Kommando warten mussten; und wenn es dann gegeben wurde, sprangen wir so fröhlich und eifrig vorwärts, als gäbe es keine Kanonenkugeln, Bajonette oder Gewehrkugeln. Ich glaube, solange wir unseren Reiter fest im Sattel spürten und seine Hand ruhig am Zügel, ließ sich keiner von uns von der Angst überwältigen, nicht einmal dann, wenn die schrecklichen Granaten durch die Luft wirbelten und in tausend Stücke zersprangen.
„Mit meinem edlen Herrn zog ich in viele Gefechte, ohne verwundet zu werden; und obwohl ich Pferde sah, die von Kugeln niedergestreckt, von Lanzen durchbohrt und von fürchterlichen Säbelhieben zerfetzt wurden; obwohl wir sie tot auf dem Feld zurückließen oder sterbend in der Qual ihrer Wunden, glaube ich nicht, dass ich um mich selbst fürchtete. Die fröhliche Stimme meines Herrn, mit der er seine Männer anfeuerte, gab mir das Gefühl, dass er und ich nicht getötet werden könnten. Ich vertraute ihm so vollkommen, dass ich, solange er mich lenkte, bereit war, bis direkt vor die Mündung der Kanone anzugreifen. Ich sah viele tapfere Männer niedergehauen werden, viele tödlich verwundet aus dem Sattel stürzen. Ich hatte die Schreie und das Stöhnen der Sterbenden gehört, war im Galopp über Boden geritten, der glitschig von Blut war, und musste oft ausweichen, um nicht auf einen verwundeten Mann oder ein verwundetes Pferd zu treten; doch bis zu einem schrecklichen Tag hatte ich nie Entsetzen gefühlt; diesen Tag werde ich nie vergessen.“
Hier hielt der alte Captain eine Weile inne und holte tief Luft; ich wartete, und er fuhr fort.
„Es war an einem Herbstmorgen, und wie üblich war unsere Kavallerie eine Stunde vor Tagesanbruch angetreten, fertig aufgezäumt für das Tagwerk, ob es nun Kämpfen oder Warten bedeuten mochte. Die Männer standen wartend bei ihren Pferden, bereit für die Befehle. Als es heller wurde, schien unter den Offizieren eine gewisse Aufregung zu herrschen; und noch ehe der Tag richtig begonnen hatte, hörten wir die Geschütze des Feindes feuern.
„Dann ritt einer der Offiziere heran und gab den Männern den Befehl zum Aufsitzen, und im Nu saß jeder Mann im Sattel, und jedes Pferd stand da und erwartete die Berührung des Zügels oder den Druck der Fersen seines Reiters, alle voller Leben, alle voller Eifer; doch wir waren so gut ausgebildet, dass man nicht hätte sagen können, wir rührten uns, abgesehen vom Kauen auf unseren Gebissen und dem unruhigen Hochwerfen unserer Köpfe hin und wieder.
„Mein lieber Herr und ich standen an der Spitze der Reihe, und als alle reglos und wachsam dasaßen, nahm er eine kleine verirrte Strähne meiner Mähne, die auf die falsche Seite gefallen war, legte sie auf die richtige hinüber und strich sie mit der Hand glatt; dann klopfte er mir den Hals und sagte: ‚Heute wird es ein langer Tag, Bayard, mein Schöner; aber wir tun unsere Pflicht, wie wir sie immer getan haben.‘ An jenem Morgen streichelte er meinen Hals, glaube ich, mehr als je zuvor; ruhig, immer weiter, als dächte er an etwas anderes. Ich spürte seine Hand gern auf meinem Hals und wölbte stolz und glücklich meinen Kamm; doch ich stand ganz still, denn ich kannte all seine Stimmungen und wusste, wann er mich ruhig haben wollte und wann munter.
„Ich kann nicht alles erzählen, was an jenem Tag geschah, doch ich will von der letzten Attacke erzählen, die wir gemeinsam ritten; sie führte quer durch ein Tal, direkt vor den Kanonen des Feindes. Inzwischen waren wir an das Dröhnen schwerer Geschütze, das Knattern des Musketenfeuers und die Kugeln, die dicht an uns vorbeiflogen, gut gewöhnt; doch nie war ich unter einem solchen Feuer gewesen wie an jenem Tag, als wir hindurchritten. Von rechts, von links und von vorn prasselten Kugeln und Granaten auf uns nieder. Mancher tapfere Mann ging zu Boden, manches Pferd stürzte und schleuderte seinen Reiter zur Erde; manches Pferd ohne Reiter rannte wild aus den Reihen; dann, voller Angst, so allein und ohne eine Hand, die es lenkte, drängte es sich wieder zwischen seine alten Gefährten, um mit ihnen zur Attacke zu galoppieren.
„So furchtbar es auch war, niemand hielt an, niemand kehrte um. Mit jedem Augenblick lichteten sich die Reihen, doch wenn unsere Kameraden fielen, rückten wir zusammen, um geschlossen zu bleiben; und statt zu wanken oder ins Stocken zu geraten, wurde unser Galopp immer schneller, je näher wir den Kanonen kamen.
„Mein Herr, mein lieber Herr, feuerte seine Kameraden mit hoch erhobenem rechtem Arm an, als ihn eine der Kugeln traf, die dicht an meinem Kopf vorbeipfiffen. Ich spürte, wie er unter dem Schlag wankte, obwohl er keinen Laut von sich gab; ich versuchte, mein Tempo zu zügeln, doch das Schwert entglitt seiner rechten Hand, der Zügel fiel lose aus seiner linken, und er sank rückwärts aus dem Sattel und stürzte zu Boden; die anderen Reiter fegten an uns vorbei, und die Wucht ihres Angriffs trieb mich von der Stelle fort.
„Ich wollte an seiner Seite bleiben und ihn nicht unter diesem Ansturm von Pferdehufen zurücklassen, doch es war vergeblich; und nun war ich ohne Herrn und ohne Freund allein auf diesem großen Schlachtfeld; da ergriff mich die Angst, und ich zitterte, wie ich noch nie gezittert hatte; und auch ich versuchte, wie ich es bei anderen Pferden gesehen hatte, mich in die Reihen einzufügen und mit ihnen zu galoppieren; doch die Schwerter der Soldaten trieben mich zurück. Gerade da packte ein Soldat, dessen Pferd unter ihm getötet worden war, meinen Zügel und saß auf, und mit diesem neuen Herrn ging es wieder vorwärts; doch unsere tapfere Schar wurde grausam überwältigt, und wer nach dem erbitterten Kampf um die Geschütze noch am Leben war, galoppierte über denselben Boden zurück. Manche Pferde waren so schwer verwundet, dass sie sich vor Blutverlust kaum noch bewegen konnten; andere edle Geschöpfe versuchten, sich auf drei Beinen weiterzuschleppen, und wieder andere mühten sich, auf den Vorderbeinen hochzukommen, während ihre Hinterbeine von Kugeln zerschmettert waren. Nach der Schlacht wurden die verwundeten Männer hereingebracht und die Toten begraben.“
„Und was war mit den verwundeten Pferden?“, fragte ich. „Hat man sie sterben lassen?“
„Nein, die Hufschmiede der Armee gingen mit ihren Pistolen über das Feld und erschossen alle, die nicht mehr zu retten waren; einige, die nur leicht verwundet waren, wurden zurückgebracht und versorgt, doch der größte Teil der edlen, willigen Geschöpfe, die an jenem Morgen ausgezogen waren, kam nie zurück! In unseren Ställen kehrte nur etwa eines von vier zurück.
„Meinen lieben Herrn sah ich nie wieder. Ich glaube, er war tot aus dem Sattel gefallen. Nie habe ich einen anderen Herrn so geliebt. Ich zog noch in viele andere Gefechte, wurde aber nur ein einziges Mal verwundet, und auch dann nicht schwer; und als der Krieg vorbei war, kam ich wieder nach England zurück, so gesund und kräftig, wie ich ausgezogen war.“
Ich sagte: „Ich habe Leute vom Krieg reden hören, als wäre er eine sehr feine Sache.“
„Ach!“, sagte er, „die haben ihn wohl nie gesehen. Zweifellos ist er sehr fein, wenn es keinen Feind gibt, wenn alles nur Übung und Parade und Scheingefecht ist. Ja, dann ist er sehr fein; doch wenn Tausende guter, tapferer Männer und Pferde getötet oder fürs Leben verkrüppelt werden, sieht er ganz anders aus.“
„Weißt du, worum sie gekämpft haben?“, fragte ich.
„Nein“, sagte er, „das ist mehr, als ein Pferd verstehen kann; doch der Feind muss ein entsetzlich böses Volk gewesen sein, wenn es richtig war, eigens den ganzen weiten Weg übers Meer zu fahren, um sie zu töten.“
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen