Pferde in der Kunst
Die Legende von Sleepy Hollow

Es ist wieder diese Zeit des Jahres – Zeit für Washington Irvings schaurige Geschichte von einem kopflosen Reiter und seinem glücklosen Opfer.
Gefunden unter den Papieren des verstorbenen Diedrich Knickerbocker:
Ein freundlich Land war’s, schläfrig und verträumt,
Voll Träume, die vor halbgeschlossnem Auge wehn;
Voll heitrer Wolkenschlösser, die vorüberziehn
Und ewig glühn an sommerlichem Himmel.
Castle of Indolence
Im Schoß einer jener weiten Buchten, die sich in das Ostufer des Hudson einschneiden, an jener breiten Ausweitung des Flusses, welche die alten holländischen Seefahrer die Tappan Zee nannten und wo sie beim Überqueren stets vorsichtig die Segel refften und den Schutz des heiligen Nikolaus anriefen, liegt ein kleiner Marktflecken oder ländlicher Hafen, den manche Greensburgh nennen, der aber allgemeiner und zutreffender unter dem Namen Tarry Town bekannt ist. Diesen Namen gaben ihm, so erzählt man uns, in früheren Tagen die braven Hausfrauen der umliegenden Gegend, wegen des unausrottbaren Hangs ihrer Ehemänner, an Markttagen im Dorfwirtshaus zu verweilen. Wie dem auch sei – ich verbürge mich nicht für die Tatsache, sondern erwähne sie nur, um genau und glaubwürdig zu sein. Nicht weit von diesem Dorf, vielleicht etwa zwei Meilen entfernt, liegt zwischen hohen Hügeln ein kleines Tal oder vielmehr eine Mulde, die zu den stillsten Orten der ganzen Welt gehört. Ein kleiner Bach gleitet hindurch, der gerade so viel murmelt, dass er einen in den Schlaf wiegt; und der gelegentliche Pfiff einer Wachtel oder das Klopfen eines Spechts ist fast der einzige Laut, der die gleichförmige Ruhe je unterbricht.
Ich erinnere mich, dass ich als junger Bursche meine erste Heldentat auf der Eichhörnchenjagd in einem Hain hoher Walnussbäume vollbrachte, der eine Seite des Tals beschattet. Ich war um die Mittagszeit hineingewandert, wenn die ganze Natur besonders still ist, und erschrak über das Krachen meiner eigenen Flinte, das die sonntägliche Stille ringsum zerriss und von den zornigen Echos verlängert und zurückgeworfen wurde. Sollte ich mir je einen Zufluchtsort wünschen, an den ich mich vor der Welt und ihren Zerstreuungen davonstehlen und den Rest eines unruhigen Lebens still verträumen könnte, so wüsste ich keinen verheißungsvolleren als dieses kleine Tal.
Wegen der trägen Ruhe des Ortes und des eigentümlichen Charakters seiner Bewohner, die von den ersten holländischen Siedlern abstammen, ist diese abgeschiedene Schlucht seit Langem unter dem Namen SLEEPY HOLLOW bekannt, und ihre Bauernburschen heißen in der ganzen Umgebung die Sleepy Hollow Boys. Ein schläfriger, träumerischer Einfluss scheint über dem Land zu hängen und die Luft selbst zu durchdringen. Manche sagen, der Ort sei in den frühen Tagen der Besiedlung von einem hochdeutschen Doktor verhext worden; andere, ein alter Indianerhäuptling, der Prophet oder Zauberer seines Stammes, habe dort seine Powwows abgehalten, bevor das Land von Meister Hendrick Hudson entdeckt wurde. Gewiss ist, dass der Ort noch immer unter der Herrschaft einer zauberischen Macht steht, die die Gemüter der braven Leute in ihrem Bann hält und sie in beständiger Träumerei umhergehen lässt. Sie neigen zu allerlei wundersamem Glauben, verfallen in Trancen und Visionen, sehen häufig seltsame Erscheinungen und hören Musik und Stimmen in der Luft. Die ganze Gegend ist reich an örtlichen Geschichten, Spukorten und abergläubischen Dämmerungsgeschichten; Sternschnuppen fallen und Meteore glühen öfter über dem Tal als in irgendeinem anderen Teil des Landes, und die Nachtmahr scheint es mit ihrem ganzen neunfachen Gefolge zum liebsten Schauplatz ihrer Tollereien erkoren zu haben.
Der beherrschende Geist jedoch, der in dieser verzauberten Gegend umgeht und der Oberbefehlshaber aller Mächte der Luft zu sein scheint, ist die Erscheinung einer Gestalt zu Pferd – ohne Kopf. Manche sagen, es sei der Geist eines hessischen Reiters, dem in irgendeiner namenlosen Schlacht des Unabhängigkeitskriegs eine Kanonenkugel den Kopf weggerissen habe und den die Landleute immer wieder im Dunkel der Nacht vorbeijagen sehen, als ritte er auf den Flügeln des Windes. Sein Spukrevier beschränkt sich nicht auf das Tal, sondern erstreckt sich bisweilen auch auf die angrenzenden Straßen und besonders auf die Umgebung einer nicht weit entfernten Kirche. Tatsächlich behaupten einige der glaubwürdigsten Geschichtsschreiber dieser Gegend, die die umlaufenden Tatsachen über dieses Gespenst sorgfältig gesammelt und verglichen haben, dass der Leichnam des Reiters auf dem Kirchhof begraben liege, der Geist allnächtlich zum Schlachtfeld reite, um seinen Kopf zu suchen, und dass die stürmische Eile, mit der er manchmal wie ein mitternächtlicher Windstoß durch die Schlucht jagt, daher rühre, dass er sich verspätet habe und vor Tagesanbruch zum Kirchhof zurückmüsse.
Das ist der allgemeine Inhalt dieses sagenhaften Aberglaubens, der in jener Region der Schatten den Stoff für so manche wilde Geschichte geliefert hat; und das Gespenst ist an allen ländlichen Herdfeuern unter dem Namen „der Kopflose Reiter von Sleepy Hollow“ bekannt.
Bemerkenswert ist, dass der Hang zum Visionären, den ich erwähnt habe, nicht auf die gebürtigen Bewohner des Tals beschränkt ist, sondern von jedem, der eine Zeit lang dort lebt, unbewusst aufgesogen wird. Wie hellwach sie auch gewesen sein mögen, bevor sie diese schläfrige Gegend betraten – nach kurzer Zeit atmen sie gewiss den zauberischen Einfluss der Luft ein, werden fantasievoll, träumen Träume und sehen Erscheinungen.
Ich erwähne diesen friedlichen Ort mit allem erdenklichen Lob, denn gerade in solchen kleinen, abgeschiedenen holländischen Tälern, die hier und da im Schoß des großen Staates New York verborgen liegen, bleiben Bevölkerung, Sitten und Bräuche unverändert, während der große Strom von Zuwanderung und Fortschritt, der in anderen Teilen dieses rastlosen Landes so unaufhörliche Veränderungen bewirkt, unbemerkt an ihnen vorüberrauscht. Sie gleichen jenen kleinen Winkeln stillen Wassers am Rand eines reißenden Flusses, wo wir Strohhalm und Blase ruhig vor Anker liegen oder sich langsam in ihrem kleinen Scheinhafen drehen sehen, unberührt vom Ansturm der vorbeiziehenden Strömung. Obwohl viele Jahre vergangen sind, seit ich die schläfrigen Schatten von Sleepy Hollow durchwandert habe, frage ich mich doch, ob ich nicht noch immer dieselben Bäume und dieselben Familien in seinem geschützten Schoß vor sich hin vegetieren fände.
In diesem abgelegenen Winkel der Natur wohnte in einer fernen Epoche der amerikanischen Geschichte, das heißt vor etwa dreißig Jahren, ein ehrenwerter Wicht namens Ichabod Crane, der sich in Sleepy Hollow aufhielt oder, wie er es ausdrückte, dort „verweilte“, um die Kinder der Umgebung zu unterrichten. Er stammte aus Connecticut, einem Staat, der die Union mit Pionieren des Geistes wie des Waldes versorgt und alljährlich seine Legionen von Holzfällern für die Grenzgebiete und von Dorfschulmeistern aussendet. Der Name Crane, Kranich, passte nicht schlecht zu seiner Person. Er war groß, aber überaus hager, mit schmalen Schultern, langen Armen und Beinen, Händen, die eine Meile weit aus den Ärmeln baumelten, Füßen, die als Schaufeln hätten dienen können, und sein ganzer Körperbau hing höchst lose zusammen. Sein Kopf war klein und oben flach, mit riesigen Ohren, großen, grünen, glasigen Augen und einer langen Schnepfennase, sodass er aussah wie ein Wetterhahn, der auf seinem spindeldürren Hals saß, um anzuzeigen, woher der Wind wehte. Sah man ihn an einem windigen Tag den Kamm eines Hügels entlangschreiten, die Kleider sackartig um ihn flatternd, so hätte man ihn für den Geist der Hungersnot halten können, der auf die Erde herabsteigt, oder für eine Vogelscheuche, die einem Kornfeld entlaufen ist.
Sein Schulhaus war ein niedriges Gebäude mit einem einzigen großen Raum, grob aus Baumstämmen gezimmert; die Fenster teils verglast, teils mit Blättern aus alten Schreibheften geflickt. In den unterrichtsfreien Stunden war es höchst sinnreich gesichert, durch eine Weidenrute, die um den Türgriff gewunden war, und Pfähle, die gegen die Fensterläden gestemmt waren; sodass ein Dieb zwar mit Leichtigkeit hineingelangen, beim Hinauskommen aber einige Verlegenheit haben würde – ein Gedanke, den der Baumeister Yost Van Houten höchstwahrscheinlich dem Geheimnis einer Aalreuse entlehnt hatte. Das Schulhaus lag recht einsam, aber angenehm, direkt am Fuß eines bewaldeten Hügels, mit einem Bach, der dicht daneben floss, und einer furchteinflößenden Birke an einem Ende. Von dort hörte man an einem schläfrigen Sommertag das leise Gemurmel seiner Schüler, die ihre Lektionen paukten, wie das Summen eines Bienenstocks; hin und wieder unterbrochen von der gebieterischen Stimme des Lehrers in drohendem oder befehlendem Ton oder womöglich vom schauerlichen Klang der Birkenrute, wenn er einen säumigen Trödler auf dem blumigen Pfad des Wissens vorantrieb. Um die Wahrheit zu sagen, er war ein gewissenhafter Mann und hielt sich stets an die goldene Maxime: „Wer die Rute schont, verdirbt das Kind.“ Ichabod Cranes Schüler wurden jedenfalls nicht verdorben.
Man möge sich jedoch nicht vorstellen, er sei einer jener grausamen Schulpotentaten gewesen, die sich am Schmerz ihrer Untertanen ergötzen; im Gegenteil, er sprach Recht mit Unterscheidungsvermögen statt mit Strenge, nahm den Schwachen die Last vom Rücken und legte sie den Starken auf. Ein schmächtiger Knirps, der schon beim leisesten Schwung der Rute zusammenzuckte, wurde nachsichtig übergangen; den Ansprüchen der Gerechtigkeit aber wurde Genüge getan, indem irgendein zäher, querköpfiger, breitschößiger holländischer Bengel, der unter der Birkenrute schmollte, sich aufblähte und verstockt und mürrisch wurde, eine doppelte Portion erhielt. All das nannte er „seine Pflicht gegenüber den Eltern tun“; und er vollzog nie eine Züchtigung, ohne ihr die für den brennenden Bengel so tröstliche Versicherung folgen zu lassen, „er werde daran denken und ihm dafür danken, solange er lebe“.
Nach Schulschluss war er sogar Kamerad und Spielgefährte der größeren Jungen; und an freien Nachmittagen geleitete er einige der Kleineren nach Hause, die zufällig hübsche Schwestern hatten oder tüchtige Hausfrauen zu Müttern, die für die Genüsse ihrer Speisekammer bekannt waren. Tatsächlich tat er gut daran, sich mit seinen Schülern gut zu stellen. Die Einkünfte aus seiner Schule waren gering und hätten kaum gereicht, ihn mit dem täglichen Brot zu versorgen, denn er war ein gewaltiger Esser und besaß, obwohl hager, das Dehnungsvermögen einer Anakonda; um seinen Unterhalt aufzubessern, wurde er jedoch nach dem ländlichen Brauch jener Gegend in den Häusern der Bauern, deren Kinder er unterrichtete, verköstigt und beherbergt. Bei ihnen lebte er der Reihe nach jeweils eine Woche lang und machte so die Runde durch die Nachbarschaft, mit all seinen irdischen Habseligkeiten in ein Baumwolltaschentuch gebunden.
Damit all dies die Geldbeutel seiner ländlichen Gönner nicht zu sehr belaste, die dazu neigen, die Kosten des Schulunterrichts als schwere Bürde und Schulmeister als bloße Drohnen zu betrachten, hatte er verschiedene Mittel, sich sowohl nützlich als auch angenehm zu machen. Gelegentlich half er den Bauern bei den leichteren Arbeiten auf ihren Höfen, half beim Heumachen, flickte die Zäune, führte die Pferde zur Tränke, trieb die Kühe von der Weide und hackte Holz für das Winterfeuer. Auch legte er all die gebieterische Würde und unumschränkte Herrschaft ab, mit der er in seinem kleinen Reich, der Schule, regierte, und wurde wunderbar sanft und einschmeichelnd. Er fand Gnade in den Augen der Mütter, indem er die Kinder hätschelte, besonders die jüngsten; und wie der kühne Löwe, der einst so großmütig das Lamm hielt, saß er mit einem Kind auf dem Knie und schaukelte mit dem Fuß stundenlang eine Wiege.
Neben seinen anderen Berufungen war er auch der Gesangslehrer der Gegend und verdiente sich manchen blanken Schilling, indem er die jungen Leute im Psalmengesang unterwies. Es schmeichelte seiner Eitelkeit nicht wenig, sonntags mit einer Schar auserwählter Sänger seinen Platz vorn auf der Kirchenempore einzunehmen, wo er nach eigener Einschätzung dem Pfarrer gänzlich den Rang ablief. Gewiss ist, dass seine Stimme weit über die ganze übrige Gemeinde hinausschallte; und noch heute sind in jener Kirche eigentümliche Triller zu hören, die man an einem stillen Sonntagmorgen sogar eine halbe Meile entfernt, bis hinüber zum anderen Ufer des Mühlteichs, vernehmen kann und die angeblich in gerader Linie von der Nase des Ichabod Crane abstammen. So kam der ehrenwerte Pädagoge durch allerlei kleine Notbehelfe, auf jene findige Art, die man gemeinhin „mit allen Mitteln“ nennt, ganz leidlich zurecht und galt bei allen, die nichts von der Mühsal der Kopfarbeit verstanden, als jemand, der ein wunderbar leichtes Leben führte.
Der Schulmeister ist im weiblichen Kreis einer ländlichen Nachbarschaft gewöhnlich ein Mann von einiger Bedeutung; er gilt als eine Art müßiger, vornehmer Herr, an Geschmack und Bildung den derben Bauernburschen weit überlegen und an Gelehrsamkeit tatsächlich nur dem Pfarrer nachstehend. Sein Erscheinen verursacht daher am Teetisch eines Bauernhauses leicht ein wenig Aufregung und zieht eine zusätzliche Schüssel mit Kuchen oder Süßigkeiten nach sich oder womöglich das Vorzeigen einer silbernen Teekanne. Unser Mann der Gelehrsamkeit erfreute sich daher ganz besonders des Lächelns aller ländlichen Jungfern. Wie er sich sonntags zwischen den Gottesdiensten auf dem Kirchhof unter ihnen hervortat; wie er für sie Trauben von den wilden Reben pflückte, die die umstehenden Bäume überwucherten; wie er zu ihrer Unterhaltung sämtliche Grabinschriften auf den Grabsteinen vortrug; oder wie er mit einer ganzen Schar von ihnen am Ufer des nahen Mühlteichs entlangschlenderte, während die schüchterneren Bauerntölpel verlegen zurückblieben und ihn um seine überlegene Eleganz und Gewandtheit beneideten!
Durch sein halbes Wanderleben war er außerdem eine Art reisende Zeitung, die den ganzen Vorrat an örtlichem Klatsch von Haus zu Haus trug, sodass sein Erscheinen stets mit Genugtuung begrüßt wurde. Überdies schätzten ihn die Frauen als einen Mann von großer Gelehrsamkeit, denn er hatte mehrere Bücher von vorn bis hinten gelesen und beherrschte Cotton Mathers „History of New England Witchcraft“ vollkommen, an die er übrigens fest und unerschütterlich glaubte.
Er war in der Tat eine seltsame Mischung aus kleiner Schlauheit und einfältiger Leichtgläubigkeit. Sein Appetit auf das Wunderbare und seine Fähigkeit, es zu verdauen, waren gleichermaßen außergewöhnlich, und beide waren durch seinen Aufenthalt in dieser verzauberten Gegend noch gewachsen. Keine Geschichte war zu grob oder ungeheuerlich für seinen weiten Schlund. Oft war es ihm eine Wonne, sich nachmittags nach Schulschluss auf das üppige Kleebett am Rand des Bächleins zu strecken, das an seinem Schulhaus vorbeiwimmerte, und dort die schauerlichen Geschichten des alten Mather zu studieren, bis die hereinbrechende Abenddämmerung die gedruckte Seite vor seinen Augen zu bloßem Nebel werden ließ. Wenn er dann durch Sumpf und Bach und schaurigen Wald zu dem Bauernhaus wanderte, in dem er gerade einquartiert war, erregte zu dieser Geisterstunde jedes Geräusch der Natur seine aufgewühlte Fantasie – das Klagen des Ziegenmelkers vom Hang, der unheilverkündende Ruf des Laubfroschs, dieses Vorboten des Sturms, das trostlose Heulen der Kreischeule oder das plötzliche Rascheln von Vögeln im Dickicht, die von ihrem Schlafplatz aufgeschreckt wurden. Auch die Glühwürmchen, die an den dunkelsten Stellen am hellsten funkelten, erschreckten ihn hin und wieder, wenn eines von ungewöhnlicher Helligkeit über seinen Weg schoss; und wenn zufällig ein riesiger Tölpel von Käfer in plumpem Flug gegen ihn prallte, war der arme Kerl bereit, den Geist aufzugeben, in dem Glauben, er sei von einem Hexenzeichen getroffen worden. Sein einziger Ausweg bei solchen Gelegenheiten, um entweder die Gedanken zu ertränken oder böse Geister zu vertreiben, war, Psalmenmelodien zu singen; und die braven Leute von Sleepy Hollow, die abends vor ihren Türen saßen, wurden oft von Ehrfurcht ergriffen, wenn sie seine näselnde Melodie „in verschlungener Süße lang gezogen“ vom fernen Hügel oder die dämmrige Straße entlang heranschweben hörten.
Eine weitere Quelle schaurigen Vergnügens war es für ihn, lange Winterabende bei den alten holländischen Frauen zu verbringen, wenn sie spinnend am Feuer saßen, während eine Reihe Äpfel am Herd briet und zischte, und ihren wundersamen Geschichten von Geistern und Kobolden zu lauschen, von Spukfeldern und Spukbächen, Spukbrücken und Spukhäusern und besonders vom kopflosen Reiter oder dem Galoppierenden Hessen der Schlucht, wie sie ihn manchmal nannten. Er wiederum ergötzte sie ebenso mit seinen Anekdoten über Hexerei und über die schrecklichen Vorzeichen und unheilvollen Erscheinungen und Laute in der Luft, die in den früheren Zeiten Connecticuts verbreitet gewesen waren; und er jagte ihnen gewaltigen Schrecken ein mit Spekulationen über Kometen und Sternschnuppen und mit der beunruhigenden Tatsache, dass die Welt sich tatsächlich drehte und sie die Hälfte der Zeit kopfstanden!
Doch wenn all dies auch ein Vergnügen war, solange er behaglich in der Kaminecke einer Stube kauerte, die ganz vom rötlichen Schein des knisternden Holzfeuers erfüllt war und in der sich natürlich kein Gespenst zu zeigen wagte, so wurde es doch teuer erkauft durch die Schrecken seines anschließenden Heimwegs. Welch furchtbare Gestalten und Schatten bedrängten seinen Pfad im fahlen, gespenstischen Schimmer einer Schneenacht! Mit welch sehnsüchtigem Blick betrachtete er jeden zitternden Lichtstrahl, der aus einem fernen Fenster über die öden Felder fiel! Wie oft entsetzte ihn ein schneebedeckter Strauch, der wie ein Gespenst im Leichentuch mitten auf seinem Weg stand! Wie oft schrak er mit gerinnendem Grausen beim Klang seiner eigenen Schritte auf der gefrorenen Kruste unter seinen Füßen zusammen und fürchtete sich, über die Schulter zu blicken, aus Angst, ein unheimliches Wesen dicht hinter sich herstapfen zu sehen! Und wie oft geriet er in völlige Bestürzung, wenn ein heulender Windstoß durch die Bäume fuhr, weil er glaubte, es sei der Galoppierende Hesse auf einem seiner nächtlichen Streifzüge!
All dies waren jedoch bloße Schrecken der Nacht, Hirngespinste, die im Dunkeln umgehen; und obwohl er zu seiner Zeit viele Gespenster gesehen hatte und auf seinen einsamen Wanderungen mehr als einmal vom Satan in allerlei Gestalt bedrängt worden war, machte das Tageslicht all diesen Übeln ein Ende; und er hätte ein angenehmes Leben geführt, dem Teufel und all seinen Werken zum Trotz, wäre ihm nicht ein Wesen über den Weg gelaufen, das dem sterblichen Mann mehr Verwirrung bereitet als Geister, Kobolde und das ganze Hexengeschlecht zusammen, und das war – eine Frau.
Unter den musikalischen Jüngern, die sich jede Woche an einem Abend versammelten, um seine Unterweisung im Psalmengesang zu empfangen, war Katrina Van Tassel, die Tochter und das einzige Kind eines wohlhabenden holländischen Bauern. Sie war ein blühendes Mädchen von frischen achtzehn Jahren, rundlich wie ein Rebhuhn, reif und zart und rotwangig wie einer der Pfirsiche ihres Vaters, und überall berühmt, nicht nur für ihre Schönheit, sondern auch für ihre gewaltigen Erbaussichten. Dabei war sie ein wenig kokett, wie man schon an ihrer Kleidung erkennen konnte, einer Mischung aus alter und neuer Mode, ganz so, wie es ihre Reize am besten zur Geltung brachte. Sie trug den Schmuck aus reinem gelbem Gold, den ihre Ururgroßmutter aus Saardam mitgebracht hatte, das verführerische Mieder der alten Zeit und dazu einen herausfordernd kurzen Unterrock, der den hübschesten Fuß und Knöchel weit und breit zeigte.
Ichabod Crane hatte ein weiches und törichtes Herz für das weibliche Geschlecht; und es ist nicht verwunderlich, dass ein so verlockender Leckerbissen bald Gnade in seinen Augen fand, besonders nachdem er sie im väterlichen Anwesen besucht hatte. Der alte Baltus Van Tassel war das vollkommene Bild eines blühenden, zufriedenen, freigebigen Bauern. Zwar schickte er seine Augen oder Gedanken selten über die Grenzen seines eigenen Hofes hinaus; innerhalb dieser Grenzen aber war alles behaglich, glücklich und wohlbestellt. Er war mit seinem Reichtum zufrieden, aber nicht stolz darauf, und tat sich mehr auf den herzhaften Überfluss als auf den Stil zugute, in dem er lebte. Seine Burg lag am Ufer des Hudson, in einem jener grünen, geschützten, fruchtbaren Winkel, in denen sich die holländischen Bauern so gern einnisten. Eine große Ulme breitete ihre weiten Äste darüber aus, und an ihrem Fuß sprudelte in einem kleinen, aus einem Fass gebildeten Brunnen eine Quelle mit dem weichsten und süßesten Wasser hervor, das dann funkelnd durch das Gras zu einem nahen Bach davonrann, der zwischen Erlen und Zwergweiden dahinplätscherte. Dicht beim Bauernhaus stand eine gewaltige Scheune, die als Kirche hätte dienen können; aus jedem Fenster und jeder Ritze schienen die Schätze des Hofes hervorzuquellen; der Dreschflegel klang darin geschäftig von morgens bis abends; Schwalben und Mauersegler strichen zwitschernd um die Dachtraufen; und Reihen von Tauben – manche mit einem nach oben gedrehten Auge, als beobachteten sie das Wetter, manche mit dem Kopf unter dem Flügel oder in der Brust vergraben, und andere, die sich aufplusterten, gurrten und sich vor ihren Damen verneigten – genossen auf dem Dach den Sonnenschein. Glatte, schwerfällige Mastschweine grunzten in der Ruhe und Fülle ihrer Koben, aus denen hin und wieder Scharen von Spanferkeln hervorstürmten, als wollten sie Luft schnuppern. Ein stattliches Geschwader schneeweißer Gänse schwamm auf einem angrenzenden Teich und gab ganzen Flotten von Enten Geleit; Regimenter von Truthähnen kollerten über den Hof, und Perlhühner zeterten darauf herum wie übellaunige Hausfrauen, mit ihrem verdrießlichen, unzufriedenen Geschrei. Vor dem Scheunentor stolzierte der tapfere Hahn, dieses Musterbild eines Ehemanns, Kriegers und feinen Herrn, schlug mit seinen glänzenden Flügeln und krähte voller Stolz und Herzensfreude – mal scharrte er mit den Füßen die Erde auf, mal rief er großmütig seine ewig hungrige Familie aus Frauen und Kindern herbei, damit sie den köstlichen Bissen genossen, den er entdeckt hatte.
Dem Pädagogen lief das Wasser im Mund zusammen, als er diese prächtige Verheißung üppiger Winterkost betrachtete. Vor seinem gefräßigen geistigen Auge sah er jedes Spanferkel mit einem Pudding im Bauch und einem Apfel im Maul herumlaufen; die Tauben lagen behaglich in einer gemütlichen Pastete zu Bett, zugedeckt mit einer Decke aus Teigkruste; die Gänse schwammen in ihrer eigenen Soße; und die Enten lagen paarweise traulich in Schüsseln, wie gemütliche Ehepaare, mit einem anständigen Auskommen an Zwiebelsoße. In den Mastschweinen sah er schon die künftige glatte Speckseite und den saftigen, würzigen Schinken herausgeschnitten; keinen Truthahn gab es, den er nicht schon zierlich dressiert sah, den Magen unter dem Flügel und womöglich mit einer Halskette aus würzigen Würsten; und selbst der prächtige Hahn lag ausgestreckt auf dem Rücken in einer Beilagenschüssel, die Krallen erhoben, als bettele er um jene Gnade, die zu erbitten sein ritterlicher Geist zu Lebzeiten verschmäht hatte.
Während sich der entzückte Ichabod all dies ausmalte und seine großen grünen Augen über das fette Weideland schweifen ließ, über die reichen Felder mit Weizen, Roggen, Buchweizen und Mais und die Obstgärten voller rotbackiger Früchte, die das warme Heim der Van Tassels umgaben, sehnte sich sein Herz nach der Jungfer, die diese Ländereien erben sollte, und seine Fantasie schwoll an bei dem Gedanken, wie man sie mühelos zu Geld machen und das Geld in riesige Flächen wilden Landes und in Schindelpaläste in der Wildnis anlegen könnte. Ja, seine geschäftige Fantasie verwirklichte seine Hoffnungen bereits und zeigte ihm die blühende Katrina mit einer ganzen Kinderschar hoch oben auf einem Wagen, beladen mit Hausrat und Krimskrams, darunter baumelnd Töpfe und Kessel; und er sah sich selbst rittlings auf einer Passgängerstute, ein Fohlen bei Fuß, wie er nach Kentucky, Tennessee aufbrach – oder weiß der Herrgott wohin!
Als er das Haus betrat, war die Eroberung seines Herzens vollkommen. Es war eines jener geräumigen Bauernhäuser mit hohem First, aber flach abfallenden Dächern, gebaut in dem Stil, den die ersten holländischen Siedler überliefert hatten; die niedrig vorspringende Traufe bildete an der Vorderseite eine Veranda, die man bei schlechtem Wetter schließen konnte. Darunter hingen Dreschflegel, Geschirr, allerlei landwirtschaftliches Gerät und Netze zum Fischen im nahen Fluss. An den Seiten waren Bänke für den Sommer angebracht; und ein großes Spinnrad am einen Ende und ein Butterfass am anderen zeigten, zu welch vielfältigen Zwecken diese wichtige Vorhalle dienen konnte. Von dieser Veranda aus betrat der staunende Ichabod die Halle, die den Mittelpunkt des Hauses und den gewöhnlichen Aufenthaltsort bildete. Hier blendeten ihn Reihen von glänzendem Zinngeschirr, aufgereiht auf einer langen Anrichte. In einer Ecke stand ein riesiger Sack Wolle, bereit zum Spinnen, in einer anderen ein Stapel Halbwollstoff, frisch vom Webstuhl; Maiskolben und Schnüre mit getrockneten Äpfeln und Pfirsichen hingen in bunten Girlanden an den Wänden, durchsetzt mit dem leuchtenden Rot von Paprikaschoten; und eine angelehnte Tür gewährte ihm einen Blick in die gute Stube, wo die Stühle mit Klauenfüßen und die dunklen Mahagonitische wie Spiegel glänzten; Kaminböcke samt Schaufel und Zange schimmerten unter ihrer Hülle aus Spargelkraut hervor; Zieräpfel und Muschelschalen schmückten den Kaminsims; darüber hingen Schnüre mit bunten Vogeleiern; ein großes Straußenei hing von der Mitte der Decke herab, und ein Eckschrank, wohlweislich offen gelassen, zeigte gewaltige Schätze an altem Silber und gut geflicktem Porzellan.
Von dem Augenblick an, da Ichabod diese Gefilde der Wonne erblickt hatte, war es um seinen Seelenfrieden geschehen, und er sann nur noch darauf, wie er die Zuneigung der unvergleichlichen Tochter Van Tassels gewinnen könnte. Bei diesem Unternehmen hatte er jedoch mit mehr echten Schwierigkeiten zu kämpfen, als sie gewöhnlich einem fahrenden Ritter vergangener Zeiten beschieden waren, der es selten mit etwas anderem zu tun hatte als mit Riesen, Zauberern, feuerspeienden Drachen und ähnlich leicht zu besiegenden Gegnern und sich lediglich durch Tore aus Eisen und Erz und Mauern aus Diamant bis zum Burgturm durchschlagen musste, in dem die Dame seines Herzens gefangen saß; all das gelang ihm so leicht, wie man sich bis zur Mitte einer Weihnachtspastete durchschneidet, und dann reichte ihm die Dame selbstverständlich ihre Hand. Ichabod dagegen musste sich den Weg zum Herzen einer ländlichen Kokette erkämpfen, umgeben von einem Labyrinth aus Launen und Grillen, die ständig neue Schwierigkeiten und Hindernisse bereiteten; und er musste es mit einem Heer furchterregender Gegner aus echtem Fleisch und Blut aufnehmen, den zahlreichen ländlichen Verehrern, die jeden Zugang zu ihrem Herzen belagerten, einander wachsam und zornig im Auge behielten, aber bereit waren, gemeinsam gegen jeden neuen Mitbewerber loszuschlagen.
Der furchterregendste unter ihnen war ein stämmiger, lärmender, rauflustiger Bursche namens Abraham oder, nach der holländischen Abkürzung, Brom Van Brunt, der Held der ganzen Gegend, die von seinen Kraft- und Mutproben widerhallte. Er war breitschultrig und gelenkig, mit kurzem, lockigem schwarzem Haar und einem derben, aber nicht unangenehmen Gesicht, in dem sich Spaß und Überheblichkeit mischten. Wegen seines herkulischen Körperbaus und seiner gewaltigen Gliederkraft hatte er den Spitznamen BROM BONES erhalten, unter dem ihn jeder kannte. Er war berühmt für sein großes Wissen und Können in der Reitkunst und saß so geschickt im Sattel wie ein Tatar. Bei allen Rennen und Hahnenkämpfen war er vorn dabei; und mit der Überlegenheit, die körperliche Kraft im Landleben stets verschafft, war er der Schiedsrichter bei allen Streitigkeiten, setzte seinen Hut schief auf und verkündete seine Entscheidungen mit einer Miene und in einem Ton, die keinen Widerspruch und keine Berufung duldeten. Er war jederzeit zu einer Rauferei oder einem Streich aufgelegt, hatte aber mehr Schalk als Bosheit im Leib; und bei all seiner herrischen Grobheit steckte im Grunde eine kräftige Portion schelmischer Gutmütigkeit in ihm. Er hatte drei oder vier Saufkumpane, die ihn als ihr Vorbild betrachteten und an deren Spitze er die Gegend durchstreifte, um meilenweit bei jedem Streit und jeder Lustbarkeit dabei zu sein. Bei kaltem Wetter erkannte man ihn an einer Pelzmütze mit einem flatternden Fuchsschwanz obendrauf; und wenn die Leute bei einem ländlichen Fest dieses bekannte Wahrzeichen von Weitem inmitten eines Trupps wilder Reiter umherwirbeln sahen, machten sie sich stets auf ein Unwetter gefasst. Manchmal hörte man seine Bande um Mitternacht mit Johlen und Hallo an den Bauernhäusern vorbeipreschen wie eine Schar Donkosaken; und die alten Frauen, aus dem Schlaf geschreckt, lauschten einen Augenblick, bis das wilde Getrappel vorübergeklappert war, und riefen dann: „Ja, da reitet Brom Bones mit seiner Bande!“ Die Nachbarn betrachteten ihn mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Bewunderung und Wohlwollen, und wenn in der Umgebung irgendein toller Streich oder eine ländliche Prügelei vorkam, schüttelten sie stets den Kopf und wetteten, dass Brom Bones dahintersteckte.
Dieser wilde Held hatte sich schon seit einiger Zeit die blühende Katrina als Ziel seiner ungehobelten Galanterien ausersehen, und obwohl seine verliebten Tändeleien etwa den sanften Liebkosungen und Zärtlichkeiten eines Bären glichen, wurde doch geflüstert, dass sie seine Hoffnungen nicht ganz und gar entmutigte. Gewiss ist, dass seine Annäherungen für rivalisierende Bewerber das Zeichen zum Rückzug waren, denn niemand verspürte Lust, einem Löwen in seinen Liebeshändeln in die Quere zu kommen; so sehr, dass, wenn man an einem Sonntagabend sein Pferd an Van Tassels Zaun angebunden sah – ein sicheres Zeichen, dass sein Herr drinnen freite oder, wie man sagte, „poussierte“ –, alle anderen Freier verzweifelt vorbeizogen und den Krieg in andere Gegenden trugen.
Das war der furchterregende Rivale, mit dem es Ichabod Crane aufzunehmen hatte, und alles in allem wäre ein kräftigerer Mann als er vor diesem Wettstreit zurückgeschreckt und ein klügerer Mann verzweifelt. Er besaß jedoch eine glückliche Mischung aus Biegsamkeit und Beharrlichkeit; er war an Gestalt und Geist wie eine Gerte – nachgiebig, aber zäh; obwohl er sich bog, brach er nie, und obwohl er sich unter dem leichtesten Druck beugte, stand er, sobald dieser nachließ – schwupp! –, wieder so aufrecht da und trug den Kopf so hoch wie eh und je.
Offen gegen seinen Rivalen ins Feld zu ziehen, wäre Wahnsinn gewesen; denn dieser war ebenso wenig ein Mann, der sich in seinen Liebeshändeln durchkreuzen ließ, wie jener stürmische Liebhaber Achilles. Ichabod machte seine Annäherungsversuche daher auf stille und sanft einschmeichelnde Weise. Unter dem Deckmantel seiner Rolle als Gesangslehrer stattete er dem Bauernhaus häufig Besuche ab; nicht, dass er die lästige Einmischung von Eltern zu befürchten gehabt hätte, die Liebenden so oft ein Stein des Anstoßes ist. Balt Van Tassel war eine gutmütige, nachsichtige Seele; er liebte seine Tochter sogar mehr als seine Pfeife und ließ ihr wie ein vernünftiger Mann und vortrefflicher Vater in allem ihren Willen. Auch seine tüchtige kleine Frau hatte genug damit zu tun, den Haushalt zu besorgen und ihr Geflügel zu versorgen; denn wie sie weise bemerkte, sind Enten und Gänse dumme Geschöpfe und müssen beaufsichtigt werden, Mädchen aber können auf sich selbst aufpassen. Während also die geschäftige Hausfrau im Haus umherwirtschaftete oder am einen Ende der Veranda ihr Spinnrad drehte, saß der ehrliche Balt am anderen und rauchte seine Abendpfeife, während er die Heldentaten eines kleinen hölzernen Kriegers auf dem Scheunengiebel verfolgte, der, in jeder Hand ein Schwert, aufs Tapferste gegen den Wind focht. Unterdessen machte Ichabod der Tochter den Hof, an der Quelle unter der großen Ulme oder beim Schlendern in der Dämmerung, jener Stunde, die der Beredsamkeit des Liebenden so günstig ist.
Ich gebe nicht vor zu wissen, wie Frauenherzen umworben und gewonnen werden. Für mich waren sie stets Gegenstand von Rätseln und Bewunderung. Manche scheinen nur eine einzige verwundbare Stelle oder Zugangstür zu haben, während andere tausend Zugänge haben und auf tausend verschiedene Arten erobert werden können. Es ist ein großer Triumph der Geschicklichkeit, die ersteren zu gewinnen, aber ein noch größerer Beweis von Feldherrnkunst, die letzteren im Besitz zu behalten, denn hier muss der Mann an jeder Tür und jedem Fenster um seine Festung kämpfen. Wer tausend gewöhnliche Herzen gewinnt, hat daher Anspruch auf einigen Ruhm; wer aber die unbestrittene Herrschaft über das Herz einer Kokette behauptet, ist wahrhaft ein Held. Gewiss ist, dass dies beim gefürchteten Brom Bones nicht der Fall war; und von dem Augenblick an, da Ichabod Crane seine Annäherungsversuche machte, sanken die Aussichten des Ersteren zusehends: Sein Pferd sah man sonntagabends nicht mehr am Zaun angebunden, und zwischen ihm und dem Lehrmeister von Sleepy Hollow entstand allmählich eine tödliche Fehde.
Brom, dem eine gewisse raue Ritterlichkeit eigen war, hätte die Sache gern zum offenen Krieg getrieben und ihre Ansprüche auf die Dame nach der Art jener bündigsten und schlichtesten Logiker, der fahrenden Ritter vergangener Zeiten, ausgefochten – im Zweikampf; doch Ichabod war sich der überlegenen Kraft seines Gegners zu sehr bewusst, um mit ihm in die Schranken zu treten; er hatte Bones prahlen hören, er werde „den Schulmeister zusammenfalten und auf ein Regal in seinem eigenen Schulhaus legen“, und er war zu vorsichtig, um ihm eine Gelegenheit dazu zu geben. Dieses hartnäckig friedliche System hatte etwas äußerst Herausforderndes; es ließ Brom keine andere Wahl, als aus dem Vorrat an bäuerlichem Schalk in seinem Wesen zu schöpfen und seinem Rivalen grobe Streiche zu spielen. Ichabod wurde zum Ziel launischer Verfolgungen durch Bones und seine Bande wilder Reiter. Sie verheerten sein bis dahin friedliches Reich, räucherten seine Gesangsschule aus, indem sie den Schornstein verstopften, brachen nachts trotz der furchterregenden Sicherungen aus Weidenrute und Fensterpfählen ins Schulhaus ein und stellten alles auf den Kopf, sodass der arme Schulmeister zu glauben begann, sämtliche Hexen des Landes hielten dort ihre Versammlungen ab. Was aber noch ärgerlicher war: Brom nutzte jede Gelegenheit, ihn in Gegenwart seiner Angebeteten lächerlich zu machen, und hatte einen Schurken von Hund, dem er beibrachte, auf höchst lächerliche Weise zu jaulen, und den er als Rivalen Ichabods vorstellte, der sie im Psalmengesang unterrichten sollte.
So ging es eine Zeit lang weiter, ohne dass sich an der Lage der streitenden Mächte Wesentliches änderte. An einem schönen Herbstnachmittag saß Ichabod in nachdenklicher Stimmung auf dem hohen Schemel thronend, von dem aus er gewöhnlich alle Angelegenheiten seines kleinen Reichs der Gelehrsamkeit überwachte. In der Hand schwang er ein Lineal, jenes Zepter despotischer Macht; die Birkenrute der Gerechtigkeit ruhte auf drei Nägeln hinter dem Thron, ein ständiger Schrecken für die Übeltäter, während auf dem Pult vor ihm allerlei Schmuggelware und verbotene Waffen zu sehen waren, die man bei faulen Bengeln entdeckt hatte, etwa halb angebissene Äpfel, Knallbüchsen, Kreisel, Fliegenkäfige und ganze Legionen kampflustiger kleiner Papierkampfhähne. Offenbar war kürzlich irgendein entsetzlicher Akt der Gerechtigkeit vollzogen worden, denn seine Schüler waren alle eifrig in ihre Bücher vertieft oder flüsterten verstohlen dahinter, ein Auge stets auf den Lehrer gerichtet; und im ganzen Schulraum herrschte eine Art summende Stille. Sie wurde plötzlich unterbrochen durch das Erscheinen eines Schwarzen in Jacke und Hose aus grobem Werg, mit dem Überrest eines Huts mit runder Krone wie die Kappe des Merkur auf dem Kopf, der auf dem Rücken eines struppigen, wilden, halb zugerittenen Fohlens saß, das er mit einem Strick als Halfter lenkte. Er kam zur Schultür geklappert und überbrachte Ichabod eine Einladung zu einem Fest oder „Quiltabend“, der an jenem Abend bei Mynheer Van Tassel stattfinden sollte; und nachdem er seine Botschaft mit jener wichtigen Miene und dem Bemühen um gewählte Ausdrucksweise ausgerichtet hatte, die ein Schwarzer bei solch kleinen Gesandtschaften gern an den Tag legt, setzte er über den Bach und wurde gesehen, wie er, ganz erfüllt von der Wichtigkeit und Eile seines Auftrags, die Schlucht hinaufsprengte.
Nun herrschte in dem eben noch stillen Schulraum lauter Trubel und Getöse. Die Schüler wurden durch ihre Lektionen gehetzt, ohne sich bei Kleinigkeiten aufzuhalten; die Flinken übersprangen ungestraft die Hälfte, und die Langsamen bekamen hin und wieder einen kräftigen Klaps aufs Hinterteil, um sie anzutreiben oder ihnen über ein langes Wort hinwegzuhelfen. Bücher wurden beiseitegeworfen, ohne ins Regal gestellt zu werden, Tintenfässer umgestoßen, Bänke umgeworfen, und die ganze Schule wurde eine Stunde vor der gewohnten Zeit entlassen und brach hervor wie eine Legion junger Teufelchen, die vor Freude über ihre frühe Befreiung johlend und lärmend über die Wiese tobten.
Der galante Ichabod verbrachte nun mindestens eine zusätzliche halbe Stunde mit seiner Toilette, bürstete und polierte seinen besten und tatsächlich einzigen Anzug aus verschossenem Schwarz auf und ordnete seine Locken vor einem Stück zerbrochenen Spiegels, das im Schulhaus hing. Um vor seiner Angebeteten ganz nach Art eines Kavaliers zu erscheinen, lieh er sich ein Pferd von dem Bauern, bei dem er gerade wohnte, einem cholerischen alten Holländer namens Hans Van Ripper, und zog, so stattlich beritten, aus wie ein fahrender Ritter auf der Suche nach Abenteuern. Doch es gebührt sich, dass ich im wahren Geist romantischer Erzählungen etwas über Aussehen und Ausrüstung meines Helden und seines Rosses berichte. Das Tier, auf dem er saß, war ein ausgedientes Ackerpferd, das fast alles überlebt hatte außer seiner Bösartigkeit. Es war hager und zottig, mit einem Hirschhals und einem Kopf wie ein Hammer; seine rostfarbene Mähne und sein Schweif waren verfilzt und voller Kletten; ein Auge hatte seine Pupille verloren und starrte glasig und gespenstisch, im anderen aber funkelte ein echter Teufel. Dennoch musste es in seinen besten Tagen Feuer und Mut besessen haben, wenn man nach dem Namen urteilen darf, den es trug: Gunpowder, Schießpulver. Es war tatsächlich das Lieblingspferd seines Herrn gewesen, des cholerischen Van Ripper, der ein wilder Reiter war und dem Tier sehr wahrscheinlich etwas von seinem eigenen Temperament eingeflößt hatte; denn so alt und verbraucht es auch aussah, steckte doch mehr lauernder Teufel in ihm als in irgendeinem jungen Stutfohlen weit und breit.
Ichabod war die passende Gestalt für ein solches Ross. Er ritt mit kurzen Steigbügeln, sodass seine Knie fast bis an den Sattelknauf reichten; seine spitzen Ellbogen standen ab wie die Beine einer Heuschrecke; er hielt seine Peitsche senkrecht in der Hand wie ein Zepter, und während sein Pferd dahintrottete, glich die Bewegung seiner Arme nicht wenig dem Schlagen eines Flügelpaares. Ein kleiner Wollhut saß ihm oben auf der Nase, denn so konnte man seinen spärlichen Streifen Stirn wohl nennen, und die Schöße seines schwarzen Rocks flatterten fast bis zum Schweif des Pferdes. So sahen Ichabod und sein Ross aus, als sie aus dem Tor von Hans Van Ripper schlurften, und es war ganz und gar eine Erscheinung, wie man sie bei hellem Tageslicht selten zu sehen bekommt.
Es war, wie gesagt, ein schöner Herbsttag; der Himmel war klar und heiter, und die Natur trug jenes reiche, goldene Gewand, das wir stets mit der Vorstellung von Überfluss verbinden. Die Wälder hatten ihr gedecktes Braun und Gelb angelegt, während einige zartere Bäume vom Frost zu leuchtenden Farben von Orange, Purpur und Scharlach gebissen worden waren. Lange Züge von Wildenten zeigten sich hoch in der Luft; aus den Hainen von Buchen und Hickorynussbäumen hörte man das Bellen des Eichhörnchens und vom nahen Stoppelfeld ab und zu den nachdenklichen Pfiff der Wachtel.
Die kleinen Vögel hielten ihre Abschiedsbankette. In der Fülle ihrer Ausgelassenheit flatterten sie zwitschernd und spielend von Busch zu Busch und Baum zu Baum, launisch gerade wegen des Überflusses und der Vielfalt um sie herum. Da war das ehrliche Rotkehlchen, das Lieblingswild junger Jäger, mit seinem lauten, klagenden Ruf; und die zwitschernden Amseln, die in schwarzen Wolken dahinflogen; und der Goldspecht mit seinem karmesinroten Schopf, seinem breiten schwarzen Brustlatz und seinem prächtigen Gefieder; und der Zedernseidenschwanz mit seinen rot gesprenkelten Flügeln, seinem gelb gesäumten Schwanz und seiner kleinen Federmütze; und der Blauhäher, dieser lärmende Geck, in seinem bunten hellblauen Rock und seiner weißen Unterwäsche, der kreischte und schwatzte, nickte, wippte und sich verbeugte und so tat, als stünde er mit jedem Sänger des Hains auf gutem Fuß.
Während Ichabod langsam seines Weges trottete, schweifte sein Auge, stets offen für jedes Anzeichen kulinarischen Überflusses, voller Entzücken über die Schätze des fröhlichen Herbstes. Überall sah er gewaltige Mengen von Äpfeln, manche in drückender Fülle an den Bäumen hängend, manche in Körben und Fässern für den Markt gesammelt, andere in üppigen Haufen für die Mostpresse aufgetürmt. Weiter vorn sah er große Maisfelder, deren goldene Kolben aus ihren Blätterhüllen lugten und Kuchen und Maisbrei verhießen; und darunter lagen die gelben Kürbisse, die ihre schönen runden Bäuche der Sonne zukehrten und reichlich Aussicht auf die üppigsten Pasteten boten; und bald kam er an den duftenden Buchweizenfeldern vorbei, die den Geruch des Bienenstocks verströmten, und bei ihrem Anblick beschlichen ihn sanfte Vorfreuden auf feine Pfannkuchen, gut gebuttert und mit Honig oder Sirup garniert von der zarten kleinen Grübchenhand der Katrina Van Tassel.
So nährte er seinen Geist mit vielen süßen Gedanken und „gezuckerten Vermutungen“ und reiste an den Hängen einer Hügelkette entlang, die auf einige der schönsten Landschaften des mächtigen Hudson hinausblickt. Die Sonne senkte ihre breite Scheibe allmählich im Westen. Der weite Schoß der Tappan Zee lag reglos und spiegelglatt, nur hier und da kräuselte eine sanfte Welle den blauen Schatten des fernen Berges und zog ihn in die Länge. Ein paar bernsteinfarbene Wolken schwebten am Himmel, ohne einen Lufthauch, der sie bewegte. Der Horizont war von zartem Goldton, der allmählich in ein reines Apfelgrün und von dort in das tiefe Blau des mittleren Himmels überging. Ein schräger Strahl verweilte auf den bewaldeten Kämmen der Steilhänge, die stellenweise über den Fluss ragten, und verlieh dem dunklen Grau und Purpur ihrer felsigen Flanken größere Tiefe. In der Ferne trödelte eine Schaluppe dahin, die langsam mit der Strömung flussabwärts trieb, ihr Segel nutzlos am Mast hängend; und da sich der Himmel im stillen Wasser spiegelte, schien es, als schwebe das Schiff in der Luft.
Gegen Abend erreichte Ichabod die Burg des Herrn Van Tassel, die er voll vom Stolz und von der Blüte der umliegenden Gegend fand. Alte Bauern, ein hageres Geschlecht mit ledernen Gesichtern, in selbst gewebten Röcken und Kniehosen, blauen Strümpfen, riesigen Schuhen und prächtigen Zinnschnallen. Ihre flinken, verhutzelten kleinen Frauen in eng gefältelten Hauben, langtaillierten kurzen Kleidern und selbst gewebten Unterröcken, mit Scheren und Nadelkissen und bunten Kattuntaschen, die außen herabhingen. Dralle Mädchen, fast so altmodisch wie ihre Mütter, außer wo ein Strohhut, ein feines Band oder vielleicht ein weißes Kleid Anzeichen städtischer Neuerungen verriet. Die Söhne in kurzen, eckig geschnittenen Röcken mit Reihen gewaltiger Messingknöpfe, das Haar meist nach der Mode der Zeit zum Zopf gebunden, besonders wenn sie dafür eine Aalhaut auftreiben konnten, die im ganzen Land als kräftiges Nähr- und Stärkungsmittel für das Haar galt.
Der Held des Abends aber war Brom Bones, der auf seinem Lieblingsross Daredevil zu dem Fest gekommen war, einem Geschöpf, das wie er selbst voller Feuer und Unfug steckte und das niemand außer ihm bändigen konnte. Er war tatsächlich dafür bekannt, bösartige Tiere zu bevorzugen, die zu allerlei Tücken neigten, bei denen der Reiter ständig Gefahr lief, sich den Hals zu brechen, denn ein lenksames, gut zugerittenes Pferd hielt er eines beherzten Burschen für unwürdig.
Gern würde ich innehalten, um bei der Welt der Reize zu verweilen, die sich dem entzückten Blick meines Helden darbot, als er die Prunkstube von Van Tassels Haus betrat. Nicht die Reize der Schar draller Mädchen mit ihrer üppigen Pracht von Rot und Weiß, sondern die reichen Reize eines echten holländischen Teetisches auf dem Lande in der üppigen Herbstzeit. Welche aufgetürmten Platten mit Kuchen der verschiedensten und fast unbeschreiblichen Sorten, die nur erfahrenen holländischen Hausfrauen bekannt sind! Da gab es den wackeren Doughnut, den zarten Olykoek und den knusprigen, krümelnden Cruller; süße Kuchen und Mürbekuchen, Ingwerkuchen und Honigkuchen und die ganze Familie der Kuchen. Und dann gab es Apfelpasteten, Pfirsichpasteten und Kürbispasteten; dazu Scheiben von Schinken und Rauchfleisch; und außerdem köstliche Schüsseln mit eingemachten Pflaumen, Pfirsichen, Birnen und Quitten; ganz zu schweigen von gegrilltem Maifisch und gebratenen Hühnern; dazu Schüsseln mit Milch und Sahne, alles kunterbunt durcheinander, ziemlich genau so, wie ich es aufgezählt habe, und mittendrin die mütterliche Teekanne, die ihre Dampfwolken aufsteigen ließ – der Himmel sei gepriesen! Mir fehlen Atem und Zeit, dieses Festmahl so zu würdigen, wie es es verdient, und ich bin zu begierig, mit meiner Geschichte fortzufahren. Zum Glück hatte es Ichabod Crane nicht so eilig wie sein Chronist, sondern ließ jedem Leckerbissen reichlich Gerechtigkeit widerfahren.
Er war ein freundliches und dankbares Geschöpf, dessen Herz sich in dem Maße weitete, wie sich seine Haut mit guten Dingen füllte, und dessen Stimmung beim Essen stieg, wie es bei manchen Männern beim Trinken geschieht. Er konnte auch nicht umhin, beim Essen seine großen Augen umherrollen zu lassen und in sich hineinzukichern bei dem Gedanken, dass er eines Tages Herr über all diesen Schauplatz fast unvorstellbaren Luxus und Glanzes sein könnte. Wie schnell, dachte er, würde er dann dem alten Schulhaus den Rücken kehren, Hans Van Ripper und jedem anderen knauserigen Gönner mit den Fingern vor der Nase schnippen und jeden umherziehenden Pädagogen, der es wagte, ihn Kamerad zu nennen, zur Tür hinauswerfen!
Der alte Baltus Van Tassel bewegte sich unter seinen Gästen mit einem vor Zufriedenheit und guter Laune strahlenden Gesicht, rund und fröhlich wie der Erntemond. Seine gastfreundlichen Aufmerksamkeiten waren kurz, aber ausdrucksvoll und beschränkten sich auf einen Händedruck, einen Schlag auf die Schulter, ein lautes Lachen und die dringende Aufforderung, „zuzulangen und sich zu bedienen“.
Und nun rief der Klang der Musik aus der Wohnstube oder Halle zum Tanz. Der Musikant war ein alter grauhaariger Schwarzer, der seit mehr als einem halben Jahrhundert das umherziehende Orchester der Gegend war. Sein Instrument war so alt und zerschunden wie er selbst. Die meiste Zeit kratzte er auf zwei oder drei Saiten und begleitete jeden Bogenstrich mit einer Kopfbewegung; er verbeugte sich fast bis zum Boden und stampfte mit dem Fuß, sobald ein neues Paar beginnen sollte.
Ichabod war auf sein Tanzen ebenso stolz wie auf seine Stimmgewalt. Kein Glied, keine Faser an ihm blieb untätig; und hätte man seinen locker zusammengehängten Körper in voller Bewegung durch den Raum klappern sehen, so hätte man gemeint, der heilige Veit selbst, der gesegnete Schutzpatron des Tanzes, führe leibhaftig seine Figuren vor. Er war die Bewunderung aller Schwarzen, die sich, Junge und Alte, Große und Kleine, vom Hof und aus der Nachbarschaft versammelt hatten und an jeder Tür und jedem Fenster eine Pyramide glänzender schwarzer Gesichter bildeten, die das Geschehen voller Freude bestaunten, mit den weißen Augäpfeln rollten und von Ohr zu Ohr grinsende Reihen von Elfenbein zeigten. Wie hätte der Bengelprügler da anders als lebhaft und fröhlich sein können? Die Dame seines Herzens war seine Tanzpartnerin und lächelte huldvoll als Antwort auf all seine verliebten Blicke, während Brom Bones, von Liebe und Eifersucht schwer getroffen, allein grübelnd in einer Ecke saß.
Als der Tanz zu Ende war, fühlte sich Ichabod zu einer Gruppe der Älteren hingezogen, die mit dem alten Van Tassel an einem Ende der Veranda saßen, rauchten, über vergangene Zeiten plauderten und lange Geschichten über den Krieg erzählten.
Diese Gegend war zu der Zeit, von der ich spreche, einer jener hochbegünstigten Orte, die reich an Chroniken und großen Männern sind. Während des Krieges war die britische und amerikanische Linie in ihrer Nähe verlaufen; sie war daher Schauplatz von Plünderungen gewesen und wimmelte von Flüchtlingen, Cowboys und allerlei Grenzrittertum. Gerade so viel Zeit war vergangen, dass jeder Erzähler seine Geschichte mit ein wenig schicklicher Erfindung ausschmücken und sich in der Unschärfe seiner Erinnerung zum Helden jeder Heldentat machen konnte.
Da war die Geschichte von Doffue Martling, einem großen, blaubärtigen Holländer, der mit einem alten eisernen Neunpfünder von einer Schlammbrustwehr aus beinahe eine britische Fregatte erobert hätte, wäre nicht beim sechsten Schuss sein Geschütz zersprungen. Und da war ein alter Herr, der ungenannt bleiben soll, da er ein zu reicher Mynheer ist, um leichtfertig erwähnt zu werden, und der in der Schlacht von White Plains als ausgezeichneter Fechter eine Musketenkugel mit einem kleinen Degen parierte, sodass er sie regelrecht um die Klinge sausen und am Griff abprallen spürte; als Beweis dafür war er jederzeit bereit, den Degen mit dem leicht verbogenen Griff vorzuzeigen. Es gab noch mehrere andere, die im Feld ebenso groß gewesen waren, und jeder von ihnen war überzeugt, dass er einen beträchtlichen Anteil daran gehabt hatte, den Krieg zu einem glücklichen Ende zu bringen.
Doch all dies war nichts gegen die Geschichten von Geistern und Erscheinungen, die nun folgten. Die Gegend ist reich an sagenhaften Schätzen dieser Art. Örtliche Geschichten und Aberglauben gedeihen am besten in diesen geschützten, seit Langem besiedelten Zufluchtsorten, werden aber von der wechselnden Menge, die die Bevölkerung der meisten unserer ländlichen Orte bildet, mit Füßen getreten. Außerdem finden Geister in den meisten unserer Dörfer keine Ermutigung, denn kaum haben sie Zeit gehabt, ihr erstes Nickerchen zu beenden und sich im Grab umzudrehen, sind ihre hinterbliebenen Freunde schon aus der Gegend fortgezogen; sodass sie, wenn sie nachts zu ihren Runden aufbrechen, keine Bekannten mehr haben, die sie besuchen könnten. Das ist vielleicht der Grund, warum wir so selten von Geistern hören, außer in unseren alteingesessenen holländischen Gemeinden.
Die unmittelbare Ursache dafür, dass in dieser Gegend übernatürliche Geschichten so verbreitet waren, lag jedoch zweifellos in der Nähe von Sleepy Hollow. In der Luft selbst, die aus jener Spukgegend herüberwehte, lag eine Ansteckung; sie verströmte eine Atmosphäre von Träumen und Fantasien, die das ganze Land befiel. Mehrere Leute aus Sleepy Hollow waren bei Van Tassel anwesend und gaben wie gewöhnlich ihre wilden und wundersamen Legenden zum Besten. Viele düstere Geschichten wurden erzählt von Leichenzügen, von Trauerrufen und Wehklagen, die man bei dem großen Baum gehört und gesehen hatte, an dem der unglückliche Major André gefangen genommen worden war und der in der Nachbarschaft stand. Auch von der Frau in Weiß war die Rede, die in der dunklen Schlucht am Raven Rock spukte und die man in Winternächten vor einem Sturm oft schreien hörte, da sie dort im Schnee umgekommen war. Der größte Teil der Geschichten drehte sich jedoch um das Lieblingsgespenst von Sleepy Hollow, den Kopflosen Reiter, den man in letzter Zeit mehrmals durch die Gegend patrouillieren gehört hatte und der, wie es hieß, sein Pferd allnächtlich zwischen den Gräbern auf dem Kirchhof anband.
Die abgeschiedene Lage dieser Kirche scheint sie seit jeher zu einem beliebten Aufenthaltsort ruheloser Geister gemacht zu haben. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von Robinien und hohen Ulmen, zwischen denen ihre schlichten, weiß getünchten Mauern bescheiden hervorleuchten wie christliche Reinheit, die durch die Schatten der Zurückgezogenheit strahlt. Ein sanfter Hang führt von ihr hinab zu einer silbernen Wasserfläche, gesäumt von hohen Bäumen, zwischen denen man hier und da einen Blick auf die blauen Hügel des Hudson erhaschen kann. Wer auf ihren grasbewachsenen Kirchhof blickt, wo die Sonnenstrahlen so still zu schlafen scheinen, möchte meinen, dass wenigstens dort die Toten in Frieden ruhen könnten. Auf einer Seite der Kirche erstreckt sich ein weites, bewaldetes Tal, durch das ein großer Bach zwischen zerklüfteten Felsen und Stämmen umgestürzter Bäume tost. Über eine tiefe, schwarze Stelle des Baches, nicht weit von der Kirche, war früher eine Holzbrücke geschlagen; der Weg, der zu ihr führte, und die Brücke selbst lagen im dichten Schatten überhängender Bäume, die selbst bei Tag ein Dämmerlicht um sie warfen, nachts aber eine furchtbare Finsternis verursachten. Dies war einer der Lieblingsorte des Kopflosen Reiters und der Ort, an dem man ihm am häufigsten begegnete. Man erzählte die Geschichte vom alten Brouwer, einem höchst ketzerischen Ungläubigen in Sachen Geister, wie er dem Reiter begegnete, als dieser von seinem Streifzug durch Sleepy Hollow zurückkehrte, und hinter ihm aufsitzen musste; wie sie über Busch und Dickicht, über Hügel und Sumpf galoppierten, bis sie die Brücke erreichten; da verwandelte sich der Reiter plötzlich in ein Skelett, warf den alten Brouwer in den Bach und sprang mit einem Donnerschlag über die Baumwipfel davon.
Diese Geschichte wurde sogleich von einem dreimal wundersameren Abenteuer des Brom Bones übertrumpft, der den Galoppierenden Hessen als ausgemachten Stümper im Sattel abtat. Er versicherte, dass ihn eines Nachts, als er aus dem Nachbardorf Sing Sing heimkehrte, dieser mitternächtliche Reiter eingeholt habe; dass er ihm ein Wettrennen um eine Bowle Punsch angeboten habe und es auch gewonnen hätte, denn Daredevil habe das Koboldpferd haushoch geschlagen; doch gerade als sie an die Kirchenbrücke kamen, sei der Hesse ausgebrochen und in einem Feuerblitz verschwunden.
All diese Geschichten, erzählt in jenem schläfrigen, gedämpften Ton, in dem Männer im Dunkeln sprechen, wobei die Gesichter der Zuhörer nur hin und wieder vom Aufglühen einer Pfeife flüchtig erhellt wurden, sanken tief in Ichabods Gemüt. Er vergalt es ihnen in gleicher Münze mit langen Auszügen aus seinem unschätzbaren Autor Cotton Mather und fügte viele wundersame Begebenheiten hinzu, die sich in seinem Heimatstaat Connecticut zugetragen hatten, sowie furchtbare Erscheinungen, die er auf seinen nächtlichen Gängen durch Sleepy Hollow gesehen hatte.
Das Fest löste sich nun allmählich auf. Die alten Bauern sammelten ihre Familien in ihren Wagen, und man hörte sie noch eine Weile die hohlen Wege entlang und über die fernen Hügel rattern. Einige der Mädchen saßen auf Sattelkissen hinter ihren liebsten Burschen auf, und ihr unbeschwertes Lachen, vermischt mit dem Klappern der Hufe, hallte durch die stillen Wälder, immer schwächer werdend, bis es allmählich verklang – und der eben noch so lärmende und fröhliche Schauplatz lag ganz still und verlassen da. Nur Ichabod blieb nach dem Brauch ländlicher Liebhaber noch zurück, um ein Tête-à-Tête mit der Erbin zu haben, fest überzeugt, dass er nun auf dem besten Weg zum Erfolg sei. Was bei dieser Unterredung geschah, will ich nicht zu sagen vorgeben, denn ich weiß es tatsächlich nicht. Irgendetwas muss jedoch, fürchte ich, schiefgegangen sein, denn er brach nach nicht allzu langer Zeit mit ganz verzweifelter und niedergeschlagener Miene auf. Oh, diese Frauen! Diese Frauen! Hatte das Mädchen etwa einen ihrer koketten Streiche gespielt? War ihre Ermutigung des armen Pädagogen nur ein Schein gewesen, um sich ihre Eroberung seines Rivalen zu sichern? Das weiß allein der Himmel, nicht ich! Es genüge zu sagen, dass Ichabod sich mit der Miene eines Mannes davonschlich, der eher einen Hühnerstall geplündert hatte als das Herz einer schönen Dame. Ohne nach rechts oder links zu blicken, um den Schauplatz ländlichen Reichtums zu beachten, an dem er sich so oft geweidet hatte, ging er geradewegs zum Stall und weckte sein Ross mit mehreren kräftigen Hieben und Tritten höchst unhöflich aus dem behaglichen Quartier, in dem es fest schlief und von Bergen aus Mais und Hafer und ganzen Tälern voll Lieschgras und Klee träumte.
Es war die rechte Geisterstunde der Nacht, als Ichabod schweren Herzens und niedergeschlagen seinen Heimweg antrat, an den Hängen der hohen Hügel entlang, die sich über Tarry Town erheben und die er am Nachmittag so fröhlich durchquert hatte. Die Stunde war so trostlos wie er selbst. Tief unter ihm breitete die Tappan Zee ihre düstere, verschwommene Wasserwüste aus, hier und da mit dem hohen Mast einer Schaluppe, die still unter dem Ufer vor Anker lag. In der Totenstille der Mitternacht konnte er sogar das Bellen eines Wachhunds vom gegenüberliegenden Ufer des Hudson hören; doch es war so undeutlich und schwach, dass es ihm nur eine Vorstellung davon gab, wie weit er von diesem treuen Gefährten des Menschen entfernt war. Hin und wieder ertönte auch das lang gezogene Krähen eines zufällig erwachten Hahns weit, weit entfernt von irgendeinem Bauernhaus drüben in den Hügeln – doch es klang in seinem Ohr wie ein Laut aus einem Traum. In seiner Nähe zeigte sich kein Lebenszeichen außer dem gelegentlichen schwermütigen Zirpen einer Grille oder vielleicht dem kehligen Quaken eines Ochsenfroschs aus einem nahen Sumpf, als schliefe er unbequem und drehte sich plötzlich in seinem Bett um.
All die Geschichten von Geistern und Kobolden, die er am Nachmittag gehört hatte, drängten sich nun in seine Erinnerung. Die Nacht wurde immer dunkler; die Sterne schienen tiefer in den Himmel zu sinken, und treibende Wolken verbargen sie bisweilen vor seinem Blick. Nie hatte er sich so einsam und trübselig gefühlt. Überdies näherte er sich genau dem Ort, an dem viele der Szenen der Geistergeschichten spielten. Mitten auf dem Weg stand ein gewaltiger Tulpenbaum, der wie ein Riese über alle anderen Bäume der Gegend aufragte und eine Art Wahrzeichen bildete. Seine Äste waren knorrig und fantastisch geformt, groß genug, um gewöhnlichen Bäumen als Stämme zu dienen, und wanden sich fast bis zur Erde hinab, um sich dann wieder in die Luft zu erheben. Er war mit der tragischen Geschichte des unglücklichen André verbunden, der ganz in der Nähe gefangen genommen worden war, und allgemein unter dem Namen Major Andrés Baum bekannt. Das einfache Volk betrachtete ihn mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Aberglauben, teils aus Mitgefühl mit dem Schicksal seines unglückseligen Namensgebers, teils wegen der Geschichten von seltsamen Erscheinungen und kläglichen Wehklagen, die man sich über ihn erzählte.
Als sich Ichabod diesem furchtbaren Baum näherte, begann er zu pfeifen; er glaubte, sein Pfeifen werde erwidert – doch es war nur ein Windstoß, der scharf durch die trockenen Äste fuhr. Als er etwas näher kam, glaubte er, etwas Weißes mitten im Baum hängen zu sehen: Er hielt inne und hörte auf zu pfeifen, bemerkte aber bei genauerem Hinsehen, dass es eine Stelle war, an der der Blitz den Baum versehrt und das weiße Holz bloßgelegt hatte. Plötzlich hörte er ein Stöhnen – seine Zähne klapperten, und seine Knie schlugen gegen den Sattel: Es war nur das Reiben eines riesigen Astes an einem anderen, die von der Brise hin und her bewegt wurden. Er kam heil an dem Baum vorbei, doch neue Gefahren lagen vor ihm.
Etwa zweihundert Yards von dem Baum entfernt kreuzte ein kleiner Bach den Weg und floss in eine sumpfige, dicht bewaldete Schlucht, die unter dem Namen Wiley’s Swamp bekannt war. Ein paar grobe, nebeneinandergelegte Baumstämme dienten als Brücke über diesen Bach. Auf der Seite des Weges, wo der Bach in den Wald eintrat, warf eine Gruppe von Eichen und Kastanien, dicht verfilzt mit wilden Weinreben, ein höhlenartiges Dunkel darüber. Diese Brücke zu überqueren, war die härteste Prüfung. Genau an dieser Stelle war der unglückliche André gefangen genommen worden, und im Schutz dieser Kastanien und Reben hatten sich die handfesten Bauern versteckt, die ihn überraschten. Seitdem galt dieser Bach als Spukort, und furchtbar sind die Gefühle des Schuljungen, der ihn nach Einbruch der Dunkelheit allein überqueren muss.
Als er sich dem Bach näherte, begann sein Herz zu pochen; er nahm jedoch all seine Entschlossenheit zusammen, gab seinem Pferd ein halbes Dutzend Tritte in die Rippen und versuchte, flott über die Brücke zu preschen; doch statt vorwärtszuspringen, machte das störrische alte Tier einen Satz zur Seite und rannte breitseits gegen den Zaun. Ichabod, dessen Angst mit der Verzögerung wuchs, riss die Zügel auf die andere Seite und trat kräftig mit dem anderen Fuß zu: Es war alles vergebens; sein Ross setzte sich zwar in Bewegung, aber nur, um auf die gegenüberliegende Seite des Weges in ein Dickicht aus Brombeeren und Erlenbüschen zu stürzen. Nun ließ der Schulmeister Peitsche und Absatz zugleich auf die ausgehungerten Rippen des alten Gunpowder niedergehen, der schnaubend und prustend vorwärtsschoss, aber direkt an der Brücke so plötzlich stehen blieb, dass er seinen Reiter beinahe kopfüber über den Hals geschleudert hätte. Gerade in diesem Augenblick drang ein platschender Tritt neben der Brücke an Ichabods empfindliches Ohr. Im dunklen Schatten des Gehölzes, am Rand des Baches, erblickte er etwas Riesiges, Missgestaltetes, Hochaufragendes. Es rührte sich nicht, sondern schien im Dunkel zusammengekauert wie ein gigantisches Ungeheuer, bereit, sich auf den Reisenden zu stürzen.
Dem verängstigten Pädagogen sträubten sich vor Entsetzen die Haare. Was war zu tun? Umzukehren und zu fliehen, war nun zu spät; und außerdem, welche Aussicht bestand, einem Geist oder Kobold zu entkommen, wenn es denn einer war, der auf den Flügeln des Windes reiten konnte? Er raffte also einen Anschein von Mut zusammen und fragte mit stammelnder Stimme: „Wer sind Sie?“ Er erhielt keine Antwort. Er wiederholte seine Frage mit noch aufgeregterer Stimme. Wieder keine Antwort. Noch einmal bearbeitete er die Flanken des unbeugsamen Gunpowder mit Schlägen, schloss die Augen und stimmte mit unwillkürlicher Inbrunst eine Psalmenmelodie an. Gerade da setzte sich der schattenhafte Gegenstand seines Schreckens in Bewegung und stand mit einem Rascheln und einem Satz mit einem Mal mitten auf dem Weg. Obwohl die Nacht dunkel und trostlos war, ließ sich die Gestalt des Unbekannten nun einigermaßen erkennen. Er schien ein Reiter von gewaltigen Ausmaßen zu sein, auf einem schwarzen Pferd von mächtigem Körperbau. Er machte keine Anstalten, ihn zu belästigen oder Gesellschaft zu suchen, sondern hielt sich abseits auf einer Seite des Weges und trottete auf der blinden Seite des alten Gunpowder dahin, der seinen Schrecken und seine Störrigkeit inzwischen überwunden hatte.
Ichabod, der an diesem seltsamen mitternächtlichen Begleiter keinen Gefallen fand und sich an das Abenteuer von Brom Bones mit dem Galoppierenden Hessen erinnerte, trieb nun sein Ross an, in der Hoffnung, ihn hinter sich zu lassen. Der Fremde trieb sein Pferd jedoch zum gleichen Tempo an. Ichabod parierte durch und fiel in Schritt, um zurückzubleiben – der andere tat dasselbe. Sein Herz begann zu sinken; er versuchte, seine Psalmenmelodie wieder aufzunehmen, doch seine ausgedörrte Zunge klebte ihm am Gaumen, und er brachte keinen Ton heraus. In dem launischen, verbissenen Schweigen dieses hartnäckigen Begleiters lag etwas Geheimnisvolles und Entsetzliches. Es sollte bald auf furchtbare Weise erklärt werden. Als sie eine Anhöhe erklommen, auf der sich die Gestalt seines Weggefährten gegen den Himmel abzeichnete, riesenhaft groß und in einen Mantel gehüllt, packte Ichabod das Grauen, als er erkannte, dass er kopflos war! – Doch sein Grauen wuchs noch, als er bemerkte, dass der Kopf, der auf seinen Schultern hätte sitzen sollen, vor ihm auf dem Sattelknauf getragen wurde! Sein Schrecken steigerte sich zur Verzweiflung; er ließ einen Hagel von Tritten und Schlägen auf Gunpowder niederprasseln, in der Hoffnung, seinem Begleiter durch eine plötzliche Bewegung zu entwischen; doch das Gespenst sprang mit ihm in vollem Galopp davon. Fort ging es nun, durch dick und dünn; bei jedem Sprung flogen Steine und stoben Funken. Ichabods dünne Kleider flatterten in der Luft, während er in seinem Fluchteifer seinen langen, hageren Körper weit über den Kopf seines Pferdes streckte.
Sie hatten nun den Weg erreicht, der nach Sleepy Hollow abzweigt; doch Gunpowder, der von einem Dämon besessen schien, folgte ihm nicht, sondern bog in die entgegengesetzte Richtung ab und stürzte sich kopfüber den Hang hinab nach links. Dieser Weg führt etwa eine Viertelmeile durch eine sandige, von Bäumen beschattete Senke, wo er die in den Koboldgeschichten berühmte Brücke überquert; und gleich dahinter erhebt sich die grüne Anhöhe, auf der die weiß getünchte Kirche steht.
Bisher hatte die Panik des Rosses seinem ungeschickten Reiter einen scheinbaren Vorsprung bei der Jagd verschafft; doch gerade als er die halbe Senke hinter sich hatte, gaben die Sattelgurte nach, und er spürte, wie der Sattel unter ihm wegrutschte. Er packte ihn am Knauf und versuchte, ihn festzuhalten, doch vergebens; er hatte gerade noch Zeit, sich zu retten, indem er den alten Gunpowder um den Hals fasste, als der Sattel zu Boden fiel und er hörte, wie sein Verfolger ihn unter den Hufen zertrampelte. Einen Augenblick lang schoss ihm die Furcht vor Hans Van Rippers Zorn durch den Kopf – denn es war sein Sonntagssattel; doch dies war keine Zeit für kleinliche Ängste; der Kobold war ihm dicht auf den Fersen; und (ungeschickter Reiter, der er war!) er hatte alle Mühe, sich oben zu halten; mal rutschte er zur einen Seite, mal zur anderen, und mal wurde er auf dem hohen Grat des Rückgrats seines Pferdes mit einer Wucht durchgeschüttelt, dass er wahrhaftig fürchtete, es werde ihn in zwei Hälften spalten.
Eine Lichtung zwischen den Bäumen machte ihm nun Hoffnung, dass die Kirchenbrücke nahe sei. Das zitternde Spiegelbild eines silbernen Sterns im Schoß des Baches sagte ihm, dass er sich nicht irrte. Er sah die Mauern der Kirche drüben unter den Bäumen matt schimmern. Er erinnerte sich an die Stelle, an der der gespenstische Rivale von Brom Bones verschwunden war. „Wenn ich nur diese Brücke erreiche“, dachte Ichabod, „bin ich gerettet.“ Gerade da hörte er das schwarze Ross dicht hinter sich keuchen und schnauben; er glaubte sogar, seinen heißen Atem zu spüren. Noch ein krampfhafter Tritt in die Rippen, und der alte Gunpowder sprang auf die Brücke; er donnerte über die dröhnenden Planken; er erreichte die andere Seite; und nun warf Ichabod einen Blick zurück, um zu sehen, ob sein Verfolger, wie es die Regel war, in einem Blitz aus Feuer und Schwefel verschwände. Gerade da sah er, wie sich der Kobold in den Steigbügeln aufrichtete und eben im Begriff war, seinen Kopf nach ihm zu schleudern. Ichabod versuchte, dem schrecklichen Geschoss auszuweichen, doch zu spät. Es traf seinen Schädel mit einem gewaltigen Krachen – er stürzte kopfüber in den Staub, und Gunpowder, das schwarze Ross und der Koboldreiter jagten wie ein Wirbelwind vorbei.
Am nächsten Morgen fand man das alte Pferd ohne Sattel, die Zügel unter den Hufen, wie es gemächlich am Tor seines Herrn das Gras rupfte. Ichabod erschien nicht zum Frühstück; die Mittagsstunde kam, aber kein Ichabod. Die Jungen versammelten sich am Schulhaus und schlenderten müßig am Ufer des Baches umher; aber kein Schulmeister. Hans Van Ripper begann sich nun einige Sorgen um das Schicksal des armen Ichabod und seines Sattels zu machen. Eine Suche wurde in die Wege geleitet, und nach eifrigen Nachforschungen stieß man auf seine Spuren. An einer Stelle des Weges, der zur Kirche führt, fand man den Sattel in den Schmutz getrampelt; die Abdrücke von Pferdehufen, tief in den Weg gedrückt und offensichtlich in rasender Geschwindigkeit entstanden, ließen sich bis zur Brücke verfolgen, hinter der man am Ufer einer breiten Stelle des Baches, wo das Wasser tief und schwarz floss, den Hut des unglücklichen Ichabod fand und dicht daneben einen zerschmetterten Kürbis.
Man suchte den Bach ab, doch die Leiche des Schulmeisters war nicht zu entdecken. Hans Van Ripper untersuchte als Verwalter seines Nachlasses das Bündel, das all seine irdischen Habseligkeiten enthielt. Sie bestanden aus zweieinhalb Hemden, zwei Halsbinden, ein oder zwei Paar Wollstrümpfen, einer alten Kniehose aus Cord, einem rostigen Rasiermesser, einem Buch mit Psalmenmelodien voller Eselsohren und einer kaputten Stimmpfeife. Die Bücher und Möbel des Schulhauses gehörten der Gemeinde, ausgenommen Cotton Mathers „History of Witchcraft“, ein „New England Almanac“ und ein Buch über Träume und Wahrsagerei; in Letzterem lag ein Bogen Kanzleipapier, der bei mehreren fruchtlosen Versuchen, ein paar Verse zu Ehren der Erbin der Van Tassels zu verfassen, reichlich bekritzelt und mit Klecksen übersät war. Diese Zauberbücher und das poetische Gekritzel übergab Hans Van Ripper unverzüglich den Flammen; und er beschloss, seine Kinder von nun an nicht mehr zur Schule zu schicken, mit der Bemerkung, er habe noch nie erlebt, dass aus diesem Lesen und Schreiben etwas Gutes gekommen sei. Was immer der Schulmeister an Geld besessen hatte – und er hatte erst ein oder zwei Tage zuvor seinen Vierteljahreslohn erhalten –, musste er zur Zeit seines Verschwindens bei sich getragen haben.
Das geheimnisvolle Ereignis gab am folgenden Sonntag an der Kirche Anlass zu vielen Mutmaßungen. Gruppen von Gaffern und Klatschmäulern versammelten sich auf dem Kirchhof, an der Brücke und an der Stelle, an der Hut und Kürbis gefunden worden waren. Man rief sich die Geschichten von Brouwer, von Bones und eine ganze Reihe weiterer ins Gedächtnis; und nachdem man sie alle eifrig erwogen und mit den Anzeichen des vorliegenden Falls verglichen hatte, schüttelte man die Köpfe und kam zu dem Schluss, dass Ichabod vom Galoppierenden Hessen entführt worden sei. Da er Junggeselle war und niemandem etwas schuldete, zerbrach sich niemand mehr den Kopf über ihn; die Schule wurde in einen anderen Teil der Schlucht verlegt, und ein anderer Pädagoge regierte an seiner Stelle.
Allerdings brachte ein alter Bauer, der einige Jahre später zu Besuch in New York gewesen war und von dem dieser Bericht über das gespenstische Abenteuer stammt, die Nachricht mit nach Hause, dass Ichabod Crane noch lebe; dass er die Gegend teils aus Furcht vor dem Kobold und vor Hans Van Ripper verlassen habe, teils aus Kränkung darüber, von der Erbin so plötzlich abgewiesen worden zu sein; dass er sich in einem entfernten Teil des Landes niedergelassen, Schule gehalten und zugleich Jura studiert habe; dass er als Anwalt zugelassen worden, Politiker geworden sei, Wahlkampf gemacht, für die Zeitungen geschrieben habe und schließlich Richter am Ten Pound Court geworden sei. Auch Brom Bones, der kurz nach dem Verschwinden seines Rivalen die blühende Katrina im Triumph zum Altar führte, machte, wie man bemerkte, eine überaus wissende Miene, wann immer die Geschichte von Ichabod erzählt wurde, und brach bei der Erwähnung des Kürbisses stets in herzhaftes Gelächter aus; was einige vermuten ließ, dass er mehr über die Sache wusste, als er zu erzählen geruhte.
Die alten Bauersfrauen jedoch, die in diesen Dingen die besten Richter sind, behaupten bis heute, dass Ichabod auf übernatürliche Weise entrückt worden sei; und es ist eine Lieblingsgeschichte, die man sich in der Gegend an winterlichen Abendfeuern oft erzählt. Die Brücke wurde mehr denn je zum Gegenstand abergläubischer Scheu; und das mag der Grund sein, warum der Weg in den letzten Jahren verlegt wurde, sodass er sich der Kirche nun am Rand des Mühlteichs entlang nähert. Das verlassene Schulhaus verfiel bald und soll vom Geist des unglücklichen Pädagogen heimgesucht werden; und der Pflugknecht, der an einem stillen Sommerabend gemächlich heimwärts schlendert, glaubte schon oft, in der Ferne seine Stimme zu hören, wie sie in der friedlichen Einsamkeit von Sleepy Hollow eine schwermütige Psalmenmelodie singt.
NACHSCHRIFT.
GEFUNDEN IN DER HANDSCHRIFT VON MR. KNICKERBOCKER.
Die vorstehende Geschichte ist fast genau in den Worten wiedergegeben, in denen ich sie bei einer Ratsversammlung in der alten Stadt Manhattoes erzählen hörte, bei der viele ihrer weisesten und angesehensten Bürger zugegen waren. Der Erzähler war ein angenehmer, schäbiger, vornehmer alter Kauz in pfeffer-und-salz-farbener Kleidung, mit einem traurig-humorvollen Gesicht, und einer, den ich stark verdächtigte, arm zu sein – so sehr bemühte er sich, unterhaltsam zu sein. Als seine Geschichte zu Ende war, gab es viel Gelächter und Beifall, besonders von zwei oder drei stellvertretenden Ratsherren, die den größten Teil der Zeit geschlafen hatten. Es gab jedoch einen großen, trocken aussehenden alten Herrn mit buschigen Augenbrauen, der die ganze Zeit über eine ernste und recht strenge Miene bewahrte, hin und wieder die Arme verschränkte, den Kopf neigte und auf den Boden blickte, als wälze er einen Zweifel in seinem Kopf. Er war einer jener vorsichtigen Männer, die nie ohne guten Grund lachen – nämlich nur, wenn sie Vernunft und Gesetz auf ihrer Seite haben. Als sich die Heiterkeit der übrigen Gesellschaft gelegt hatte und wieder Ruhe eingekehrt war, stützte er einen Arm auf die Lehne seines Stuhls, stemmte den anderen in die Hüfte und fragte mit einem leichten, aber überaus weisen Kopfnicken und gerunzelter Stirn, was denn die Moral der Geschichte sei und was sie beweisen solle.
Der Erzähler, der gerade ein Glas Wein als Erfrischung nach seinen Mühen an die Lippen setzte, hielt einen Augenblick inne, sah den Fragenden mit einer Miene unendlicher Ehrerbietung an, stellte das Glas langsam auf den Tisch zurück und bemerkte, die Geschichte solle höchst logisch beweisen –
„Dass es keine Lage im Leben gibt, die nicht ihre Vorteile und Freuden hätte – vorausgesetzt, wir nehmen einen Scherz so, wie er kommt:
„Dass daher, wer mit Koboldreitern um die Wette reitet, wahrscheinlich einen harten Ritt haben wird.
„Ergo ist es für einen Dorfschulmeister, dem die Hand einer holländischen Erbin verweigert wird, ein sicherer Schritt zu hohen Ämtern im Staat.“
Der vorsichtige alte Herr zog nach dieser Erklärung die Brauen zehnmal enger zusammen, schwer verwirrt von der Beweisführung des Syllogismus, während der Mann im pfeffer-und-salz-farbenen Anzug ihn, wie mir schien, mit einem gewissen triumphierenden Seitenblick musterte. Schließlich bemerkte der alte Herr, das sei alles schön und gut, aber er halte die Geschichte doch für ein wenig übertrieben – es gebe da ein oder zwei Punkte, bei denen er seine Zweifel habe.
„Meiner Treu, Sir“, erwiderte der Erzähler, „was das angeht, so glaube ich selbst nicht die Hälfte davon.“ D. K.
ENDE.
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen