Interviews
Lynda Sappington – Interview mit der Pferdekünstlerin
Name
Lynda Sappington
Website & Orte, an denen man meine Arbeiten online findet
Websites: www.thesculptedhorse.com & www.LyndaSappington.com
Equine Art Guild: Lynda Sappington
Wo ich bin
In der Nähe von Dayton, Ohio
Erzählen Sie uns ein wenig über sich: Was ist Ihr Hintergrund & woher kommen Sie?
Ich bin auf einer kleinen Farm in Virginia aufgewachsen und habe als Teenager Hunter geritten. Ich habe schon immer dreidimensional gedacht. Wenn die anderen in der Klasse Schalen aus Ton machten, formte ich Pferde und Katzen. Am College habe ich Musik als Hauptfach studiert, wollte aber Kunst im Nebenfach belegen. Der erste Pflichtkurs in Kunst war Zeichnen und Gestaltung, und ich freute mich darauf, besser zeichnen zu lernen. Mit den Proportionen hatte ich immer Schwierigkeiten. Eines Tages sagte mein Professor vor der ganzen Klasse: „Sie können nicht zeichnen!“ Dieser Satz hat bei mir eine Blockade beim Zeichnen ausgelöst, die bis heute besteht.
Der Beruf meines Mannes hat uns 1973 nach Ohio geführt. Während unsere beiden Kinder heranwuchsen, habe ich gebastelt, um mein Bedürfnis nach Kunst zu stillen. Dann entdeckte ich Glasmalerei in Bleiverglasung und habe sie wirklich lieben gelernt. Eine Galerie etwa 15 Meilen von zu Hause entfernt erklärte sich bereit, meine Arbeiten zu verkaufen. Dort wurden auch Kurse angeboten. Ich brachte meinen Sohn zu einem Töpferkurs, und die Lehrerin, Sue Bordenkircher aus Lewisburg, OH, lud mich ein, „zu bleiben und mitzuspielen“. Sue ist Töpferin, Puppenmacherin und Bildhauerin und die erste dreidimensional denkende Kunstlehrerin, die ich je hatte. Sie zeigte mir, wie man Armaturen baut und mit wasserbasiertem Ton modelliert.
Die Pferde lagen mir wohl durch die jahrelange Pflege schon in den Händen, aber anfangs fehlte mir das Selbstvertrauen, Pferde zu machen. Meine ersten Arbeiten waren comichafte Drachenbabys.

Wann haben Sie gemerkt, dass die Kunst Ihre Berufung ist?
Ich war mein ganzes Leben lang ein kreativer Mensch. Sobald ich einen Wachsmalstift halten konnte, habe ich Pferde und Katzen auf alles gemalt – nicht, dass sie gut gewesen wären, aber es hat mir Spaß gemacht, sie zu zeichnen. In jedem Kunstunterricht in der Schule, in dem mit Ton gearbeitet wurde, machten die anderen Töpfe oder Platten mit Reliefs, und ich machte dreidimensionale Sachen – meistens Pferde und Katzen. Ernsthaft angefangen zu modellieren habe ich erst mit 43, mit 44 habe ich dann ein Jahr pausiert, weil meine Kinder mich zu sehr auf Trab hielten, um überhaupt Kunst zu machen. Mit 45 wurde es mir ernst, und mit 46, im Jahr 1996, musste ich Profi werden, weil ich in Bronze gießen lassen wollte, und das ist als Hobby einfach zu teuer.
Sie arbeiten mit vielen verschiedenen Materialien – welches ist Ihr liebstes?
Am liebsten verwende ich Plastilin, eine ölbasierte Modelliermasse, die weder aushärtet noch austrocknet. Ich habe Arbeiten, an denen ich buchstäblich seit Jahren sitze. Sie werden beiseitegelegt, wenn Aufträge hereinkommen, deshalb ist es gut, dass Plastilin so nachsichtig ist. Meine Lieblingsmarke ist Classic Clay, die geruchsneutral ist (prima für mein Asthma, das manche Tongerüche auslösen) und sich angenehm verarbeiten lässt. Man kann sie einfrieren, schmelzen oder mit den Händen oder einer Glühbirne weich machen – eine sehr schöne Masse.
Wer sind Ihre wichtigsten Einflüsse?
Über so etwas denke ich eigentlich nicht nach. Ich mache einfach das Pferd, das ich im Kopf habe oder auf Referenzfotos vor mir sehe. Am meisten strebe ich wohl danach, so gut zu werden wie Karen Kasper oder Frederick Hart (ein figürlicher Bildhauer), auch wenn ich die Latte damit wirklich hoch lege! Trotzdem arbeite ich besser, wenn ich vor einer Herausforderung stehe, deshalb ist ihr Können als Inspiration eine gute Möglichkeit, mich selbst herauszufordern.

Haben Sie (oder hatten Sie) ein Tier, das die Muse hinter Ihrer Arbeit ist?
Nicht ein bestimmtes Tier. Ich hatte im Laufe meines Lebens jede Menge Haustiere und viele Pferde.
Die Laufbahn meiner Tochter als Dressurreiterin und -ausbilderin hat mich stark beeinflusst: Ich habe viele Dressurpferde modelliert und schließlich (letztes Jahr) selbst mit dem Dressurreiten angefangen.
Sie sind auch schon immer Pferdemensch gewesen – mit welcher Disziplin identifizieren Sie sich?
Ich reite sehr gern Western, aber diese Art von Turnieren hat mich gelangweilt. Ich bin keine Freizeit- und Geländereiterin – ich arbeite gern auf Ziele hin, und Turniere geben mir gute Ziele. Früher bin ich gesprungen, und ich sehe sehr gern Springreiten; ich bin auch ein bisschen Freizeitfahren gefahren und schaue sehr gern beim Fahrsport zu. Aber die Disziplin, mit der ich mich persönlich und in meiner Arbeit am meisten identifiziere, ist die Dressur. Unsere Tochter ist Dressurreiterin und -ausbilderin auf internationalem Niveau (Jennifer Truett von der Dancing Horse Farm), und ich liebe den Anblick eines gut ausgebildeten Dressurpferdes. Die Eleganz der Dressur spricht mich an und passt zu meinen Arbeiten, die einen eleganten Stil haben, deshalb habe ich viele Warmblüter gemacht, und jetzt besitze ich selbst einen. Ich reite seit etwa anderthalb Jahren Dressur und habe seit einem Jahr einen Halbandalusier-Wallach.
Haben Sie geheime Rituale, die Ihnen helfen, in die richtige Stimmung für Ihre Kunst zu kommen?
LOL! Nein! Das ist lustig. Am nächsten an eine Art Ritual komme ich, wenn ich in der richtigen Stimmung bestimmte Musik spiele. Wenn ich sehr kreativ arbeite, läuft in meinem Ghettoblaster Enya oder Josh Groban oder Il Divo – oder alle zusammen! Wenn ich den Ton zum ersten Mal auftrage (das macht mir am meisten Spaß – ich liebe es zu sehen, wie die Form des Motivs aus Rohr, Draht und Ton hervortritt!), spiele ich Sandi Patty und singe mit.
Für die Aufräumarbeiten, das Ausarbeiten von Details am fast fertigen Stück, das Abgießen eines Reliefs oder die Nacharbeit an einem Guss höre ich Talkradio, denn das ist Fleißarbeit, bei der Kopf und Seele nicht frei sein müssen.

Gibt es einen bestimmten Ort, der Sie inspiriert?
Eigentlich nicht. Ideen kommen mir beim Ausmisten, beim Reiten, beim Dösen. Ich liebe den Kentucky Horse Park und wünschte, ich könnte einige der Szenen malen, die ich dort sehe, und besonders liebe ich Dressurturniere, aber ich brauche nicht viel Inspiration, um eine gute Skulptur zu machen. Ich brauche nur gute Fotos von einem schönen Pferd, das etwas Interessantes tut.
Welche Auswirkungen wird das Internet Ihrer Meinung nach auf die Kunst im Allgemeinen haben, und hat es sich auf Ihre ausgewirkt?
Ich verkaufe viel über das Internet – heute habe ich gerade wieder etwas verkauft. Über meine Website bekomme ich auch Aufträge und Trophäenarbeiten. Meine Website hat mehr meiner Arbeiten verkauft als jede Galerie, deshalb liebe ich das Internet. Was die Kunst im Allgemeinen angeht, glaube ich, dass wir online mit einer größeren Vielfalt an Kunst in Berührung kommen, als es sonst der Fall wäre. Ich glaube aber auch, dass das Internet besonders für Künstler, die zweidimensional arbeiten, eine Gefahr birgt, wegen all der skrupellosen oder unwissenden Menschen, die Bilder, die sie sehen, nehmen und daraus Kreuzstichmuster, Poster, T-Shirts usw. machen – mit Kunst, für die sie nicht bezahlt haben.
Ich habe von vielen solchen Fällen gehört. Zum Glück passiert so etwas bei Skulpturen nicht, aber es gibt Leute in zwei bestimmten Ländern, China und Mexiko, die amerikanische Skulpturen kopieren, sie in billiger Bronze gießen und für einen viel niedrigeren Preis verkaufen, als der Künstler es kann. Es gibt eine Überwachungsgruppe sowohl für zweidimensional arbeitende Künstler als auch für Bronzekünstler, aber trotzdem können wir nicht jeden solchen Diebstahl aufdecken. Es wäre schön, wenn die Menschen einfach ehrlich wären, aber furchtbar viele machen sich einfach nicht die Mühe, anständig zu sein, und das ist eine Schande.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingswerk?
Oh, das ist schwer. Meist das neueste, aber insgesamt würde ich sagen, „Maestoso“, „Captivating“ und „Presence“ sind meine Lieblingsstücke. Ich halte sie jedenfalls für meine besten Arbeiten. Besonders stolz bin ich auf „Elegance“, das nicht nur eine meiner besten Pferdeskulpturen überhaupt umfasst, sondern auch eine Kutsche mit Fahrer. Die Kutsche ist so gut geworden, mit diesem Stück bin ich sehr zufrieden.
Würden Sie es jemals verkaufen?
Natürlich! Ich mache nur Auflagen, also verkaufe ich so viele Exemplare wie möglich. Den Künstlerabzug (AP) behalte ich so lange wie möglich, aber ich habe auch schon einige davon verkauft (zu einem viel höheren Preis als dem normalen Verkaufspreis). Wenn jemand möchte, dass ich ein Unikat mache, muss er mir deutlich mehr zahlen, denn mit dem Verkauf von Auflagen verdiene ich pro Stück mehr.
Wofür brennen Sie sonst noch?
Fürs Schreiben.
Ich schreibe sehr gern und habe neben meinem Ratgeber zum Modellieren, Sculpting 101: A Primer for the Self-taught Artist, der inzwischen in der zweiten Auflage erschienen ist, auch einen Roman veröffentlicht.
Beide Bücher sind über Whimsyhill oder bei Amazon.com erhältlich. Zurzeit überarbeite ich einen zweiten Fantasyroman und arbeite an zwei Kurzgeschichten und einer weiteren Harry-Potter-Fanfiction. (Für Harry Potter brenne ich auch – auf mehreren Fanfiction-Seiten bin ich „Abraxan“.)

Arbeiten Sie an etwas Neuem?
Ich habe einen Auftrag für das größte ganzfigurige Pferd, das ich je gemacht habe: einen Isländer mit Reiter. Er wird in 1/4 Lebensgröße entstehen, das heißt, mit Reiter wird er über 20 Zoll hoch und etwa 25 Zoll lang sein und 60–80 lbs wiegen. Mein Andalusierhengst „Feather“ ist fertig für die Gießerei – ich hatte nur noch keine Zeit, ihn zum Spediteur zu bringen. „Horseplay“ schmachtet immer noch zwischen den Aufträgen, aber ich hoffe, es im Winter zusammen mit dem Isländer fertigzustellen.
Demnächst mehr
Vielen Dank an Lynda, dass sie unsere Fragen beantwortet und ihre Arbeiten mit uns geteilt hat. Schauen Sie unbedingt regelmäßig auf ihrer Kunst-Website vorbei, um mehr über ihre neuesten Werke zu erfahren.
Und bleiben Sie dran – es folgen weitere Interviews mit Pferdekünstlern und Fotografen.
Sind Sie Pferdekünstler oder kennen Sie einen Pferdekünstler, den Sie hier gern vorgestellt sähen? Hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre Website in den Kommentaren unten oder schreiben Sie uns, um mitzumachen.
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen