Pferde in der Kunst

Der Fuchs und das Pferd

· The Equinest

Ein Pferd, ein Fuchs und ein Löwe
Eine kurze Pferdefabel aus Grimms Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm, die Kinder seit über einem Jahrhundert verzaubert und erschreckt.

Ein Bauer hatte ein Pferd, das ihm ein vortrefflicher, treuer Diener gewesen war; nun aber war es zu alt geworden, um zu arbeiten. Da wollte ihm der Bauer nichts mehr zu fressen geben und sprach: „Ich brauche dich nicht länger, also mach dich fort aus meinem Stall; ich nehme dich nicht eher wieder auf, als bis du stärker bist als ein Löwe.“ Dann öffnete er die Tür und jagte es davon.

Das arme Pferd war sehr betrübt und irrte im Wald umher, um ein wenig Schutz vor dem kalten Wind und dem Regen zu suchen. Da begegnete ihm ein Fuchs: „Was ist los, mein Freund?“, sagte er, „warum lässt du den Kopf hängen und siehst so einsam und elend aus?“ „Ach!“, antwortete das Pferd, „Gerechtigkeit und Geiz wohnen nie unter einem Dach; mein Herr hat alles vergessen, was ich so viele Jahre für ihn getan habe, und weil ich nicht mehr arbeiten kann, hat er mich fortgejagt und sagt, er nehme mich nicht wieder auf, es sei denn, ich werde stärker als ein Löwe. Wie sollte ich das je schaffen? Er weiß, dass ich keine Chance habe, sonst würde er nicht so reden.“

Der Fuchs aber hieß es guten Mutes sein und sprach: „Ich will dir helfen; leg dich dort hin, streck dich ganz steif aus und stell dich tot.“ Das Pferd tat, wie ihm geheißen, und der Fuchs ging geradewegs zum Löwen, der in einer Höhle ganz in der Nähe wohnte, und sagte zu ihm: „Nicht weit von hier liegt ein totes Pferd; komm mit, da kannst du eine vortreffliche Mahlzeit halten.“ Der Löwe war hocherfreut und machte sich sogleich auf; und als sie zu dem Pferd kamen, sprach der Fuchs: „Hier kannst du es nicht bequem fressen; weißt du was – ich binde dich an seinem Schweif fest, dann kannst du es in deine Höhle ziehen und in aller Ruhe verzehren.“

Dieser Rat gefiel dem Löwen, und so legte er sich ruhig hin, damit der Fuchs ihn an das Pferd binden konnte. Der Fuchs aber band ihm dabei die Beine zusammen und schnürte alles so fest und straff, dass er sich mit aller Kraft nicht befreien konnte. Als das Werk getan war, klopfte der Fuchs dem Pferd auf die Schulter und sprach: „Zieh, Schimmel, zieh!“ Da sprang es auf und machte sich davon, den Löwen hinter sich herschleifend. Das Untier begann zu brüllen und zu toben, bis alle Vögel des Waldes vor Schreck davonflogen; aber das Pferd ließ ihn weitersingen und zog ruhig über die Felder zum Haus seines Herrn.

„Hier ist er, Herr“, sagte es, „ich habe ihn überlistet.“ Und als der Bauer seinen alten Diener sah, wurde sein Herz weich, und er sprach: „Du sollst in deinem Stall bleiben und gut versorgt werden.“ Und so hatte das arme alte Pferd reichlich zu fressen und lebte – bis es starb.

Pferdebücher

Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen