Gastbeiträge
Das Champagne-Gen beim Pferd
Ein Gastbeitrag über das Champagne-Gen beim Pferd von Karina von der Arrow Maker Ranch. Mehr von ihr über Farbgenetik lesen Sie auf ihrer Website

Bild von Arrowmaker Ranch
In den letzten 20 Jahren ist die DNA-Testtechnologie gleichermaßen komplizierter und alltäglicher geworden.
Kombiniert man diese einfache Möglichkeit genetischer Tests mit der Begeisterung für Pferde in exotischen und ungewöhnlichen Farben, so hat das zur Entdeckung bisher unbekannter Stellen im Pferdegenom geführt. Eines dieser Gene wurde wegen seines ganz einzigartigen Phänotyps (also dessen, wie das Pferd tatsächlich aussieht) als Champagne-Gen bezeichnet.
Das Unbekannte definieren
Champagne-farbene Pferde gab es zweifellos schon vor den Gentests, doch sie wurden oft unter einer gängigeren Farbe wie Palomino registriert, einfach weil das die nächstliegende bekannte Entsprechung war. Wer einmal ein Champagne-Pferd gesehen hat, versteht die Verwechslung leicht. Um das Champagne-Gen genauer nachverfolgen zu können, wurde The International Champagne Horse Registry gegründet. Dieses Register hat die wahrscheinliche Geschichte des Champagne-Gens beim Pferd nachgezeichnet und dokumentiert darüber hinaus bekannte Champagne-Pferde.
Rassen mit Champagne
Champagne kommt nicht in jeder Rasse vor, aber zu den Rassen, in denen es auftritt, gehören: Tennessee Walking Horses, Missouri Fox Trotter, Kentucky Mountain Saddle Horses, Araber-Kreuzungen, American Saddlebreds, Quarter Horses, Welsh-Pony-Kreuzungen, American Cream Drafts und Miniaturpferde. Am häufigsten scheint es jedoch bei den Gangpferderassen zu sein.
Außerdem ist anzumerken, dass Champagne ein dominantes Gen ist, sodass eine einzige Kopie genügt, um die volle Wirkung auf das Fell des Pferdes zu entfalten.
Merkmale von Champagne
Betrachtet man ein Champagne-Pferd, fällt meist als Erstes auf, dass das Fell einen unglaublichen Glanz hat. Das Champagne-Gen verleiht dem Haar des Pferdes ganz von Natur aus einen Glanz wie von Fellglanzspray, im Sommerfell deutlicher sichtbar als im Winterfell. Das Gen hellt außerdem die Grundfarbe des Pferdes zu einem ganzen Regenbogen unterschiedlicher Schattierungen auf. In jedem Fall wird die Fellfarbe leicht aufgehellt – mit dramatischer Wirkung.

Bild von Angie Marques
Diese Augen
Auch die Augenfarbe wird vom Gen beeinflusst. Bei der Geburt sind die Augen blau, beginnen aber innerhalb weniger Wochen, ihre Farbe zu ändern. Die Augenfarbe eines erwachsenen Champagne-Pferdes reicht von Grün bis zu einem Gold- oder Bernsteinton.
Diese Haut
Ein weiteres Merkmal des Champagne-Gens ist ein anderer, rosafarbener Ton der Haut des Pferdes. Bei manchen Pferden ist das weniger auffällig, bei anderen mehr. Es ist schwer zu beschreiben, worin sich die rosa Haut eines Paint Horse von der eines Champagne-Pferdes unterscheidet, aber es gibt einen deutlichen Unterschied im Farbton. Die rosafarbene Haut ist am Maul, an den Augenrändern, am Schlauch bzw. Euter und unter dem Schweif am deutlichsten zu sehen.
An diesen Stellen finden sich auch Sommersprossen, ein weiteres Merkmal. Sommersprossen sind nicht ausschließlich für das Champagne-Gen typisch, bei einem Champagne-Pferd sind sie jedoch mit wenigen Ausnahmen fast immer vorhanden. Manche Kombinationen von Aufhellungsgenen können ein Pferd mit wenigen oder gar keinen Sommersprossen hervorbringen.

Bilder von The ICH Registry
Die Farben
Die Grundfarbe eines Pferdes bestimmt, wie sich ein Aufhellungsgen voraussichtlich auf seine Farbe auswirkt. Ein Fuchs (sorrel oder chestnut) mit einem Cream-Gen ist zum Beispiel ein Palomino, während ein Brauner mit einem Cream-Gen ein Buckskin ist. Entsprechend nennt man Champagne auf einem Fuchs Gold Champagne, auf einem Braunen Amber Champagne, und Champagne auf einem Rappen als Grundfarbe ist ein Classic Champagne.
Die letzte Farbe heißt Sable Champagne. Diese Farbe beruht auf einem noch neueren Gen, das als Agouti (At) bezeichnet wird; phänotypisch ein Schwarzbrauner („brown“). Testergebnisse bei diesen Pferden weisen manchmal mindestens ein „A“-Gen aus, obwohl ein eigentliches Agouti-Gen gar nicht vorhanden sein muss. Ein Schwarzbrauner zeigt typischerweise kaum oder gar keinen Unterschied zwischen der Körperfarbe und der Farbe der Abzeichen (Points). Wird das Pferd erneut auf At getestet und erhält ein positives Ergebnis sowie ein positives Ergebnis für das Champagne-Gen, wird es als Sable Champagne bezeichnet. Sable Champagne zeigt sich in verschiedenen Mokka-Schattierungen.

Bilder von Kersti Nebelsiek
Genkombinationen
Champagne ist nur eines von vielen Aufhellungsgenen wie Cream, Dun, Pearl, Silver usw. Oft wird Champagne zusammen mit einem anderen dieser Aufhellungsgene vererbt. Diese Kombinationen bringen doppelt aufgehellte Pferde hervor, und keine zwei Pferde mit derselben Genpaarung scheinen gleich auszusehen. Viele Kombinationen wurden vom ICHR dokumentiert, etwa Champagne und Dun.
Auch hier hängt das Gesamtergebnis für die Farbe des Pferdes jedoch von der ursprünglichen Grundfarbe ab; ein Grullo-Champagne (Dun auf Rappe) sieht also anders aus als ein Red-Dun-Champagne, obwohl beide Kombinationen von Aufhellungsgenen aus Dun und Champagne bestehen. Doppelt aufgehellte Pferde mit Champagne können unter anderem Silver, Dun und Pearl sein.
Eine weitere, extrem kleine Untergruppe der Champagne-Kombinationen sind dreifach aufgehellte Pferde. Diese Pferde tragen zusätzlich zu Champagne zwei weitere Gene. Nur 4 Pferde mit zwei Cream-Genen plus Champagne sind dokumentiert, und nur eines mit zwei Cream-Genen, einem Champagne- und einem Dun-Gen.
Fazit
Es gibt mehrere tiergenetische Labore, die auf das Champagne-Gen testen, darunter UC Davis und Animal Genetics Inc. Nötig ist nur eine Probe von 30 – 40 Mähnen- oder Schweifhaaren mit Wurzeln. Die Ergebnisse kommen schon eine Woche nach dem Versand der Probe per E-Mail. Die exotischen Eigenschaften eines Champagne-Pferdes machen es immer beliebter, doch auch große Zahlen dieser Pferde können die einzigartigen Merkmale und den unvergleichlichen Glanz eines Champagne-farbenen Pferdes niemals schmälern.
Vielen Dank
Die Welt der Farbgenetik ist schwer zu verstehen, deshalb ist es ein besonderes Vergnügen, Hilfe von jemandem zu bekommen, der sich auskennt. Danke an Karina für diesen durchdachten Beitrag und für die Bilder ihres hübschen Perlino-Champagne-Dun-Morgans Dun N Stone. Mehr über sie & ihre Pferde erfahren Sie auf ihrer Website.
Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen