Interviews
Fotografen-Interview – Sarah Bartell
Name
Sarah Bartell
Website & Orte, an denen man meine Arbeiten online findet
Flickr: Little Lioness
Wo ich bin
Zurzeit lebe ich in Portland, Oregon
Erzählen Sie uns ein wenig über sich: Was ist Ihr Hintergrund & woher kommen Sie?
Ich bin so etwas wie eine Weltenbummlerin – ich bin nie besonders lange an einem Ort geblieben. Ich rede mir gern ein, das liege an meiner Abenteuerlust, aber eigentlich hat es mehr mit dem Beruf meines Vaters zu tun.
Mit fünf Jahren lebte ich in Jakarta und war schon auf Bali, Lombok und der Insel Komodo gewesen. Außerdem habe ich unter anderem in Singapur und England gelebt. Was aber wirklich die Abenteurerin in mir weckt, ist die Fotografie.
Mit der Kamera in der Hand bin ich am liebsten mitten im Geschehen. Ob ich Wildtiere, Menschen, Natur oder Sport fotografiere – zu nah dran gibt es nicht.

Mehr als einmal haben mich meine tierischen Motive angebrüllt, angefaucht und angeknurrt, und einmal hat mich ein verärgerter Einwohner von Portland die Straße hinuntergejagt.
Meine Kamera hat Gewitter in New York, eine einwöchige Rucksacktour durch die High Desert in Zentral-Oregon, Moshpits in Mexiko und mehrere Snowboardtouren auf den Gipfel des Mount Hood überstanden.
Wann haben Sie Ihr erstes Foto gemacht?
Mein erstes „richtiges“ Foto habe ich mit vierzehn in einem Wildpark in Bandon, Oregon, gemacht. Das Motiv war ein Kanadischer Luchs namens Victoria. Bis heute ist es eines meiner Lieblingsfotos.
Mit welcher Kamera fotografieren Sie?
Ich fotografiere mit einer Canon EOS Rebel XTi.
Wenn Sie sich eine beliebige Kamera aussuchen könnten (unabhängig vom Preis), welche wäre es?
Ich würde eine Canon EOS 1D Mark III benutzen.
Wer sind Ihre wichtigsten Einflüsse?
Willy Onarheim, Tommy Heinrich, Robb Kendrick, Steve Winter, Art Wolfe und (natürlich) Ansel Adams.

Sie haben es bestimmt satt, ständig zu hören, wie talentiert Sie für Ihr Alter sind. Ich möchte lieber wissen: Was werden Sie mit all diesem Talent anfangen?
Inzwischen weiß ich, dass ich auf jeden Fall eine Karriere als Abenteuerfotografin anstrebe.
Ich fühle mich dieser Kunst sehr verbunden und glaube nicht, dass ich sie aufgeben könnte – niemals! Wenn ich ein Haus und ein bequemes, leichtes Leben aufgeben muss, um weitermachen zu können, dann tue ich das. Ohne Kamera macht das Leben viel weniger Freude.
Ihre Fotografie transportiert auch eine Botschaft über Tiere. Welche Anliegen sind Ihnen am wichtigsten?
Ich bin entschieden gegen die private Haltung exotischer Tiere. Viele der Tiere in Gefangenschaft, die ich fotografiert habe, leben dort, weil man sie verantwortungslosen und gewalttätigen Besitzern weggenommen hat. Befürworter der Haltung exotischer Tiere behaupten, sie sei sowohl für den Besitzer als auch für das „Haustier“ von Vorteil, doch die Statistiken zeigen etwas anderes. Außerdem kämpfe ich dafür, das Bewusstsein für die verantwortungslose Zucht weißer Tiger zu schärfen.

Sie sind ziemlich viel gereist. Was ist bisher Ihr Lieblingsort auf diesem Planeten?
Seltsamerweise ist mein Lieblingsort auf der Erde (bisher) eine winzige Höhle an einem Berghang in der Nähe von Vail, Colorado. Ich habe dort drei Tage im Schnee verbracht und das Leben als „durchsichtiger Augapfel“ genossen.
Was steht als Nächstes auf Ihrer Wunschliste?
Afrika. Da wollte ich schon immer hin, seit ich sieben war. Es ist der Traum jedes Wildtierfotografen.
Was ist Ihr Lieblingstier? Und welches Tier fotografieren Sie am liebsten?
Mein Lieblingstier ist der Amurleopard. Er gilt als die intelligenteste aller Großkatzen und ist einfach wunderschön. Leider wird erwartet, dass er wegen des Verlusts seines Lebensraums und der Wilderei innerhalb der nächsten zehn Jahre ausstirbt.
Am liebsten fotografiere ich Katzen – große, kleine und alles dazwischen.

Wo waren Sie am meisten inspiriert, aber ohne Kamera?
Einmal im Jahr gibt es in der Innenstadt von Portland einen sogenannten „Zombie Walk“. Das ist eine Spendenaktion für die Oregon Food Bank, bei der sich alle Teilnehmer als Zombies verkleiden, durch die Straßen von PDX schlurfen und ahnungslose Bürger in Angst und Schrecken versetzen.
Irgendwie hatte ich das nicht mitbekommen und steckte ohne Kamera mitten in der Innenstadt in einer Zombie-Invasion fest. Noch deprimierter war ich, als ich am nächsten Tag die Fotos in der Zeitung sah. Sie waren fantastisch.
Welche Auswirkungen wird das Internet Ihrer Meinung nach auf Kunst und Fotografie im Allgemeinen haben?
Das Internet ist ein großartiges Werkzeug, um meine Arbeiten „unter die Leute“ zu bringen. Gleichzeitig kann es aber auch ein echtes Ärgernis sein. Nicht jeder respektiert das Urheberrecht, und ich muss inzwischen alle meine Fotos im Netz mit einem Wasserzeichen versehen, um Diebstahl zu verhindern.

Hat es sich auf Ihre ausgewirkt?
Vor ein paar Monaten hat mich ein Grafikdesigner angeschrieben, der eines meiner Fotos für ein Buchcover verwenden wollte. Er sagte, es sei keine große Sache; man rechne mit einer kleinen Auflage, nichts Großes.
Doch der Roman („The Picture of Contented New Wealth“ von Tariq Goddard) soll nun bis September sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Großbritannien erscheinen. Er bekommt großartige Kritiken, und ich bin ziemlich begeistert. Hätte ich das Foto nicht ins Internet gestellt, hätte besagter Grafikdesigner es nie gefunden, und ich hätte diese Chance nie bekommen.
Andererseits musste ich mich aber auch mit vielen Urheberrechtsverletzungen herumschlagen. Das ist die Hölle: Da gibt es jede Menge wütende E-Mails, Telefonate – sogar Briefe auf dem Postweg müssen verschickt werden! Und trotz alledem entscheidet sich nicht jeder, das Urheberrecht zu respektieren. Ich muss dem Gauner einfach klarmachen, dass ich Diebstahl nicht auf die leichte Schulter nehme und im Ernstfall nicht zögern werde, Anzeige zu erstatten.
Welches ist Ihr persönliches Lieblingsbild?
Mein persönliches Lieblingsbild ist eigentlich eine Kombination aus zwei separaten Aufnahmen, die ich in derselben Nacht gemacht habe.
Wir flogen eines Jahres auf dem Rückweg aus Kanada durch ein Gewitter, und vor dem Fenster zuckten gewaltige Wolke-zu-Wolke-Blitze.
Ich hatte das Glück, mit Blick auf die Tragfläche zu sitzen, und habe sie deshalb in die Komposition einbezogen, um Größe und Entfernung zu verdeutlichen. Es war, als flöge man durch ein Kriegsgebiet aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wofür brennen Sie sonst noch?
Für vieles! Ich schreibe, male und snowboarde leidenschaftlich gern, aber ich wandere, angle und paddle auch gern Kajak.
Vor allem aber liegen mir Natur und Naturschutz am Herzen. Ab der zweiten Klasse habe ich stundenlang über die heimische Tierwelt gelesen und im Laufe der Jahre mehrere Fährtenlesekurse belegt, damit ich auf meinen Wanderungen Spuren, Losung und Knochen von Tieren bestimmen konnte.
Wahrscheinlich habe ich mehr Zeit damit verbracht, mich über meine Lieblingstiere zu informieren, als wie die meisten „normalen“ Kinder fernzusehen und am Computer zu spielen. Bis heute sauge ich jede Information auf, die ich bekommen kann.
Wenn Sie in einem Satz zusammenfassen müssten, was Sie für Tiere empfinden, wie würde er lauten?
Tiere verdienen den allergrößten Respekt, denn sie versagen nicht so wie wir:
Der Mensch ist das einzige bekannte Geschöpf, das aus Bosheit tötet und seinesgleichen aus Hass ausbeutet; deshalb verdient jedes Tier ein doppelt so schönes Leben wie jeder von uns …
Demnächst mehr
Vielen Dank an Sarah, dass sie unsere Fragen beantwortet und ihre Fotos mit uns geteilt hat. Schauen Sie unbedingt regelmäßig auf ihrem Flickr-Profil vorbei, um ihre neuesten Arbeiten zu sehen.
Und bleiben Sie dran – es folgen weitere Interviews mit Pferdekünstlern und Fotografen.
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Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen