Interviews

Interview mit der Pferdekünstlerin Manuela Casanova Klement

· The Equinest

Name
Manuela Casanova Klement

Website & Orte, an denen man meine Arbeiten online findet
www.pferdebild.ch
Folgen Sie Manuela auf Twitter: @manuelacasanova

Wo ich bin
Fehraltorf, Schweiz

Erzählen Sie uns ein wenig über sich: Was ist Ihr Hintergrund & woher kommen Sie?
Ich bin in der Ostschweiz geboren und aufgewachsen. Wir lebten in einem kleinen Ort nahe St. Gallen, der größten Stadt der Region. Meine Eltern hatten ein Restaurant, und dort habe ich meine ganze Schulzeit verbracht.

Eigentlich habe ich von einem Beruf mit Pferden geträumt, denn in der Schweiz gibt es überall Pferde. Aber meine Eltern sahen mein Zeichentalent und hatten Angst, ich würde meine Zukunft wegwerfen, wenn ich diese Gabe nicht zum Beruf machte.

Also sagte meine Mutter: „Warum versuchst du es nicht mit der Aufnahmeprüfung für die Kunstschule – wenn du es nicht schaffst, kannst du immer noch mit Pferden arbeiten.“

Der Ritter

Da ich die Prüfungen so leicht bestand, waren die Weichen gestellt – es gab fast kein Zurück mehr –, ich musste an die Kunstschule. Heute bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie mich gedrängt haben und wussten, dass ich es eines Tages verstehen würde. Auch wenn es für eine 16-jährige Jugendliche nicht leicht war, deren Vorstellung von Freiheit sicher nicht aus weiteren fünf Jahren Schule bestand.

Die Ausbildung war fundiert und reichhaltig und umfasste alle Bereiche der Gestaltung, in meinem Fall Grafikdesign. Wir hatten Unterricht in Kunstgeschichte, dreidimensionalem Gestalten und klassischer Werbung sowie Übungen zum Prozess der Ideenfindung.

Gleich nach der Abschlussprüfung stellte mich das Schweizer Fernsehen als Grafik- und Motion-Designerin ein, obwohl ich absolut keine Berufserfahrung und keine Ahnung von Computern hatte. Ich glaube, ich war die glücklichste junge Frau der Welt!

In den folgenden zwölf Jahren arbeitete ich für das Schweizer Fernsehen und lieferte Beiträge für alle möglichen Sendungen, ob Unterhaltung und Nachrichten oder Bildungssendungen, in denen komplizierte Themen erklärt werden mussten, etwa Medizinsendungen sowie Wirtschafts- und Wissenschaftsmagazine.

Hahn

In dieser Zeit kaufte ich mein erstes und bisher einziges Pferd. Man muss wissen, dass Pferdehaltung in meinem Land zu den teuersten Dingen gehört, die man sich leisten kann. Danach sind kaum noch andere große Ausgaben möglich – es ist fast so teuer wie eine zweite Wohnung. Ein Pferd hier in Pension zu halten bedeutet, dass man etwa 15.000 USD im Jahr ausgibt.

Aber ich wollte ein Pferd und konnte es mir leisten, also fand ich Avilo, mein wunderschönes Dales-Pony.

Beim Schweizer Fernsehen lernte ich meinen Mann Sascha kennen, und nach der Geburt unseres ersten Kindes waren meine Tage beim Sender gezählt: Ich wollte Mutter sein und zu Hause bleiben.

Ich persönlich habe es als Privileg empfunden, zu Hause bleiben zu können – mein Mann verdiente genug Geld für uns alle, und es fiel mir nicht schwer, meine Karriere hinter mir zu lassen, weil ich wusste, dass meine Zeit wiederkommen würde, wenn Cynthia und Tim in die Schule gekommen wären, und dass ich diese wichtigen Jahre mit meinen Kindern verbracht hätte.

Weil wir technisch ausgerüstet waren, konnte ich den einen oder anderen Auftrag von zu Hause aus erledigen. Aber plötzlich wollte ich zurück zu meinen Wurzeln, und nach mehreren Jahren Arbeit am Computer wollte ich wieder malen und zeichnen. Ich wollte mit meinen Händen arbeiten.

Wenn man einen gestalterischen Beruf hat, in dem man für Kunden arbeitet und ihre Wünsche erfüllt, entfernt man sich allmählich von der eigenen inneren Kreativität. Die Ideen und das Urteil der Kunden sind für den Erfolg der eigenen Arbeit einfach zu wichtig.

Sniger

Also musste ich zuerst herausfinden, was ich will und wer ich bin.

Dank der Babypause hatte ich bereits Abstand zu meiner alten Arbeitsweise gewonnen, aber ich neige immer noch eher dazu, Dienstleisterin zu sein als eigenständige Künstlerin …

Für mich beginnt Ende des Sommers eine völlig neue Zeit, wenn beide Kinder eingeschult sind und das Haus nach acht Jahren den größten Teil des Tages leer sein wird! Jetzt kommt meine Zeit, und ich werde alles ausprobieren!

Wann haben Sie angefangen, Pferde zu zeichnen und zu malen?
Ich zeichne und male Pferde, seit ich denken kann. Ich war eines dieser hoffnungslos pferdeverrückten Mädchen.

Was ist Ihre Lieblingsrasse?
Ohne Zweifel die schweren, die runden und kraftvollen Kaltblüter. Größe und Kraft gepaart mit Sanftmut und Gelassenheit – wow! Wenn ein schweres Pferd gelernt hat, sich trotz seines Gewichts und seiner Größe elegant zu bewegen, gibt es einfach nichts Vergleichbares.

Wer sind Ihre wichtigsten Einflüsse?
Ich liebe die Gemälde der deutschen Romantik und Maler wie Caspar David Friedrich, Friedrich Nerly oder Theodor Verhas. Absolut fasziniert bin ich außerdem von den Illustrationen von Mittelerde von Ted Nasmith, Alan Lee oder John Howe.

Torso

Haben Sie (oder hatten Sie) ein Tier, das die Muse hinter Ihrer Arbeit ist?
Nein. Inspiration kann aus dem Nichts oder aus allem entstehen. Sie ist eher ein Geisteszustand, der einem hilft, hinter die Dinge zu sehen. Entscheidend ist, offen für inspirierende Momente zu bleiben.

Aber Tiere sind tatsächlich inspirierend!

Haben Sie geheime Rituale, die Ihnen helfen, in die richtige Stimmung für Ihre Kunst zu kommen?
Nein. Ich bin nicht traurig, wenn ich eine uninspirierte Phase durchlaufe. Dann warte ich einfach.

Uninspirierte Phasen sind genauso wichtig wie die inspirierten, denn innerlich passiert viel. In dieser Zeit beginnen Veränderungen oder neue Ideen zu wachsen, auch wenn wir das Ergebnis noch nicht sehen können. Sie zeigen sich in der nächsten kreativen Idee …

Gibt es einen bestimmten Ort, der Sie inspiriert?
Wie sehr wünschte ich mir einen solchen Ort! Zu Hause kann alles etwas stressig sein, und die beste Erholungskur finde ich auf dem Pferderücken.

Kleiner Teufel

Welche Auswirkungen wird das Internet Ihrer Meinung nach auf die Kunst im Allgemeinen haben?
Das ist eine superinteressante Frage. Im Allgemeinen gehe ich davon aus, dass die Chancen, überhaupt gesehen zu werden, viel gleicher verteilt sind. Die Möglichkeiten, sich jederzeit und überall zu veröffentlichen, zu bewerben und das eigene Angebot anzupassen, haben in vielen Branchen und ganz sicher auch in der Kunstszene festgefahrene Strukturen aufgebrochen.

Ein regelmäßiges Einkommen zu erzielen, ist allerdings eine andere Geschichte. Wegen der riesigen Menge an verfügbarer Kunst wird ihr Wert zwangsläufig gedrückt, und die Quantität übertrifft die Qualität. Deshalb ist es schwieriger, ein Kunstwerk zu dem Preis zu verkaufen, den es tatsächlich wert ist. Nur wer ein konsequentes und diszipliniertes Marketing betreibt und alle Aspekte moderner Verkaufsförderung berücksichtigt, hat eine Chance, im Internet ein solides Geschäft aufzubauen.

Hat es sich auf Ihre ausgewirkt?
Abgesehen von diesem Interview (das mir wirklich Freude macht) und der Tatsache, dass mehr Menschen meine Kunst im Netz gesehen haben als je zuvor – nein.

Ich bin immer noch an meine nähere Umgebung gebunden, wo ich meine Kunden finde.

Falco

Welches ist Ihr persönliches Lieblingswerk?
„Falco“. Ich liebe es, weil es so hemmungslos kitschig-märchenhaft und zugleich mystisch und dunkel ist.

Würden Sie es jemals verkaufen?
Es ist eine Auftragsarbeit.

Wofür brennen Sie sonst noch?
Oh ja! Schiffe … Schiffe. Ich habe keine Ahnung, warum, aber sie lassen mein Herz höherschlagen.

Alle Arten von Schiffen. Je größer, desto besser. Mein Traum ist es, einen schönen Dreimastschoner zu besitzen und damit um die ganze Welt zu segeln. Wegen meiner Leidenschaft für Schiffe habe ich Sascha gebeten, segeln zu lernen. Er war sofort begeistert und hat alle Ausbildungen bis zum Hochseeschein absolviert. Seitdem segeln wir alle leidenschaftlich gern, wann immer wir Zeit (und Geld) dafür haben. Wenn es nicht das Meer ist, segeln wir auf einem unserer wunderschönen Schweizer Seen, zum Beispiel auf dem berühmten Vierwaldstättersee bei Luzern.

Bisher hatte ich noch nicht genug Mut, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich mein erstes Bild einer atemberaubenden Jacht male, die durch die Wellen schneidet …!

Arbeiten Sie an etwas Neuem?
Im Moment genieße ich mit meiner Familie den kurzen Sommer hier in der Schweiz und am Mittelmeer und freue mich auf den neuen Lebensabschnitt, in dem ich einen Teil meiner künstlerischen Freiheit zurückgewinne – ob am Computer (Motion Design ist ein sehr künstlerisches Gebiet) oder mit einer schönen Leinwand und einem neuen Pinsel!

Manuela & Avilo

Demnächst mehr

Vielen Dank an Manuela, dass sie unsere Fragen beantwortet und ihre Arbeiten mit uns geteilt hat. Schauen Sie unbedingt regelmäßig auf ihrer Kunst-Website vorbei, um mehr über ihre neuesten Werke zu erfahren.

Und bleiben Sie dran – es folgen weitere Interviews mit Pferdekünstlern und Fotografen.

Sind Sie Pferdekünstler oder kennen Sie einen Pferdekünstler, den Sie hier gern vorgestellt sähen? Hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre Website in den Kommentaren unten oder schreiben Sie uns, um mitzumachen.

Aus dem Englischen übersetzt. Original lesen